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Wenn 43.500 Zuschauer an einem lauen Maiabend in Gela das Stadion zum Brodeln bringen, dann weiß man: Es steht wieder ein Drama an. Und das wurde es auch - ein 3:2, das alles hatte: Glanz, Zittern und ein Schiedsrichter, der offenbar seine Pfeife zum Dauergebrauch erfunden hatte. Schon vor Anpfiff ließ Trainer Michael Müller durchblicken, dass er es offensiv angehen wollte. "Wir wollen zeigen, dass Ballbesitz nicht alles ist", grinste der Coach. Recht hatte er - 45 Prozent Ballbesitz genügten, um Valenzana fast in die Knie zu zwingen. Die Gäste von Jupp Kaiser dagegen spielten den gepflegten Sicherheitsfußball, hatten zwar mehr vom Ball, aber ungefähr so viel Torgefahr wie ein Sonntagsausflug ohne Ziel: Zwei Schüsse aufs Tor in 90 Minuten. Die erste halbe Stunde plätscherte dahin, bis Pablo Tarrega in der 33. Minute das tat, was Mittelstürmer tun sollen: Er schoss einfach mal drauf. Und traf. 1:0 für Gela, das Stadion jubelte, Müller ballte die Faust. "Ich hab’ ihm gesagt, er soll’s einfach probieren. Dass er gleich trifft, war dann wohl Zufall", witzelte der Trainer nach der Partie. Nach der Pause wurde’s ruppiger. Gela-Mittelfeldmann Vitorino Postiga sah in der 47. Minute Gelb, und kurz darauf musste er weichen - Müller brachte Marco Frechaut, der später noch in anderer Rolle glänzen sollte. Tarrega durfte nach 82 Minuten raus, Tiago Almeida kam - und sah noch ein paar Nervenproben seines Teams. Denn zunächst schien alles klar: In der 68. Minute erhöhte Gawriil Tregubow nach Vorlage von Julian Martins auf 2:0. Drei Minuten später legte der eben eingewechselte Frechaut selbst nach, nach schöner Kombination mit Ignacio Barbosa. 3:0, die Fans sangen, Reporter tippten schon die Schlagzeile vom Kantersieg. Aber Fußball wäre nicht Fußball, wenn Valenzana sich damit zufriedengegeben hätte. In der 83. Minute witterte der 20-jährige Oliver Ward plötzlich seine Chance, zog von rechts ab, und Gelas Torhüter Caio Nene sah den Ball wohl erst, als er hinter ihm im Netz zappelte. Nur noch 3:1. "Ich dachte, das sei nur ein Ehrentreffer", sagte Müller hinterher. "Aber dann haben meine Jungs beschlossen, es spannend zu machen." Eine Minute später sah Valenzanas Verteidiger Ralf Geiger noch Gelb - vielleicht aus Frust, vielleicht weil man wenigstens irgendwo auffallen wollte. Doch das Beste kam zum Schluss: In der 89. Minute flankte der junge Hartmut Masse butterweich auf Jose Maria Puerta, der volley zum 3:2 traf. Valenzana roch am Wunder. "Da war plötzlich Feuer drin", grinste Gasttrainer Jupp Kaiser. "Wenn wir zehn Minuten mehr gehabt hätten, hätte Gela alt ausgesehen." Die letzten Sekunden waren ein Nervenkrieg. Gela verteidigte mit allem, was Beine hatte, und Müller brüllte Anweisungen, als hinge sein Leben daran. In der 91. Minute versuchte Javier Vazques noch einmal, den Sack endgültig zuzumachen - sein Schuss landete aber nur in den Armen von Valenzanas Keeper Tiburtius Johnsen. Dann kam der erlösende Abpfiff. Statistisch gesehen hätte Gela das Spiel schon früher entscheiden müssen: 19 Schüsse aufs Tor, dazu eine Zweikampfquote von fast 58 Prozent - während Valenzana trotz mehr Ballbesitz kaum gefährlich wurde. Aber Zahlen erzählen eben nicht immer die ganze Geschichte. "Wir haben uns das Leben selbst schwer gemacht", gestand Doppeltorschütze Tregubow freimütig. "Nach dem 3:0 dachte ich, das Ding ist durch. Falsch gedacht." Sein Trainer nickte nur und fügte an: "Das war kein Sieg für schwache Nerven. Aber immerhin - ein Sieg." Und so bleibt Gela nach dem 34. Spieltag der 1. Liga Italien in der Spur, während Valenzana mit hängenden Köpfen und der Erkenntnis abreiste, dass Ballbesitz noch nie Tore garantiert hat. Oder, wie Kaiser es trocken formulierte: "Wir hatten den Ball, sie hatten die Tore. Dumm gelaufen." Fazit des Abends: Gela zeigte Offensivgeist mit gelegentlichem Hang zur Selbstsabotage, Valenzana bewies Moral, und das Publikum bekam für sein Geld Dramatik pur. Vielleicht kein Lehrstück in taktischer Perfektion - aber ganz sicher eines in Sachen Herzklopfen. Oder, um es mit einem älteren Fan auf der Tribüne zu sagen: "So ein 3:2 ist besser als jede Telenovela - da weiß man wenigstens, dass es echt ist." 08.07.644000 00:19 |
Sprücheklopfer
Es wird nicht ganz zur Routine, weil ich ja mittlerweile auch die Mütter gewechselt habe.
Felix Magath auf die Frage, ob Geburten ab dem fünften Kind schon zur Routine werden