Tuttosport
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Gela zündet ein Feuerwerk - Tigri Cremonesi erlebt den längsten Abend des Jahres

Es gibt Spiele, in denen alles klappt - und dann gibt es Spiele wie dieses, in denen der Fußballgott offenbar Fan einer bestimmten Mannschaft ist. 43.500 Zuschauer im sonnendurchglühten Stadio di Gela erlebten ein Spektakel, das man wohl nur mit einem einzigen Wort beschreiben kann: entfesselt. Am Ende hieß es 6:0 (5:0) für Gela gegen völlig überforderte Gäste aus Cremona.

Schon in der ersten Minute machte Pablo Tarrega klar, dass er keine Zeit für Abtasten hatte. Noch bevor die Tigri überhaupt den Ball richtig berührt hatten, zappelte das Leder im Netz. "Ich dachte, wir spielen erst morgen", murmelte Tigris Keeper Antonio Coluna nach dem Spiel, während er kopfschüttelnd die Handschuhe auszog. Der Pass kam von Niels Wegener, der an diesem Abend offenbar mit einem inneren Kompass für tödliche Bälle ausgestattet war.

Nur sechzig Sekunden später war wieder Jubel angesagt. Lucas Cochran, der rechte Flügelflitzer, nahm eine Vorlage von David Martin mit der Brust an und donnerte den Ball aus spitzem Winkel unter die Latte - 2:0. Da waren gerade einmal 120 Sekunden gespielt. "Ich habe kurz geschaut, ob die Uhr kaputt ist", grinste Trainer Michael Müller später. "Aber nein, das war wirklich die zweite Minute."

Tigri Cremonesi, eigentlich mit mehr Ballbesitz (55 Prozent) ausgestattet, wirkte, als hätten sie die Spielanleitung verloren. Sie passten, kombinierten, liefen - aber nie dahin, wo der Ball hinmusste. Gela dagegen spielte wie aus einem Guss, immer nach vorn, immer mit Tempo. Tarrega legte in der 17. Minute nach, wieder nach Zuspiel von Wegener. Dann traf erneut Cochran in der 32. Minute, bevor Tarrega kurz vor der Pause mit seinem dritten Treffer den Hattrick perfekt machte (42.). 5:0 zur Halbzeit - und das Publikum sang schon vom "Festival di Gela".

"Ich habe in der Kabine eigentlich nur gefragt, ob es verboten sei, Tore zu verhindern", erzählte Tigri-Coach (der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen wollte) mit einem bitteren Lächeln. Eine gelbe Karte für Antonio Tonel (41.) war das Einzige, was seine Mannschaft bis dahin an Härte zeigte.

In der zweiten Halbzeit schaltete Gela einen Gang zurück, ohne die Kontrolle zu verlieren. Die Gäste hatten ihre Momente - ein Schuss von Niclas Peter (35.) und einer von Ivica Koroman (66.) erinnerte daran, dass auch sie Fußball spielen können. Aber im Strafraum herrschte weiterhin gähnende Leere. Als Lucas Cochran in der 57. Minute nach Vorlage von Javier Deco den Ball erneut ins Tor drosch, war das Schicksal der Tigri besiegelt. 6:0 - und noch mehr als eine halbe Stunde auf der Uhr.

Trainer Müller stand an der Seitenlinie, die Hände tief in den Taschen, und kommentierte das Schaulaufen seiner Mannschaft trocken: "Ich habe den Jungs gesagt, sie sollen Spaß haben. Ich wusste nicht, dass sie eine Comedy-Show daraus machen."

Statistisch gesehen war es fast grotesk: Gela hatte nur 44 Prozent Ballbesitz, aber 21 Schüsse aufs Tor. Tigri Cremonesi dagegen 55 Prozent Ballbesitz, aber gerade einmal vier Torschüsse - ein Paradebeispiel für nutzlose Dominanz. "Wir hatten den Ball, sie hatten die Tore", fasste Tigri-Mittelfeldspieler Alfonso Viana nüchtern zusammen.

In den Schlussminuten gönnte sich Müller den Luxus, den Großteil seiner Kreativabteilung auszutauschen. Filipe Semedo kam für Mattias Lindstrom (62.), Daniel Fabbri ersetzte Vitorino Postiga (75.), und Marco Frechaut durfte am Ende auch noch ein paar Minuten Sonnenuntergang genießen. "Ich wollte einfach, dass alle mal mitjubeln können", meinte Müller mit einem Augenzwinkern.

Als Schiedsrichter Rinaldi schließlich den Schlusspfiff ertönen ließ, applaudierten auch einige der Gästefans - vermutlich aus purer Erleichterung. Gela feierte, Tigri schlich vom Feld, und Pablo Tarrega nahm den Spielball unter dem Arm mit nach Hause. "Den bekommt mein Hund", lachte der Dreifachtorschütze, "der hat heute weniger gelaufen als die Abwehr von Cremonesi."

Man kann es drehen und wenden: Dieses 6:0 war mehr als nur ein Sieg. Es war ein Statement. Gela bleibt damit im Rennen um die oberen Tabellenregionen, während Tigri Cremonesi dringend nach einem Kompass für die Rückrunde suchen sollte - oder wenigstens nach einer Abwehr, die länger als 90 Sekunden wach bleibt.

Und irgendwo im Stadion soll ein älterer Herr beim Verlassen der Tribüne gesagt haben: "Ich bin nur kurz Bratwurst holen gegangen - und hab die ersten drei Tore verpasst." Wer weiß - vielleicht war er der Glücklichste an diesem Abend.

29.04.644000 13:18
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