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Es war ein eisiger Freitagabend in Gentofte, aber die 45.942 Zuschauer im Stadion hatten kaum Zeit, ihre Hände zu wärmen - das Spiel zwischen Gentofte-Vangede und Aarhus Fremad begann, als hätte jemand den Turbo gedrückt. Schon in der 10. Minute zappelte der Ball im Netz: Mads Bjerg, 20 Jahre jung und mit der Unbekümmertheit eines Straßenkickers, drosch den Ball nach Vorlage von Javier Castano zum 1:0 unter die Latte. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Bjerg später, "der Torwart hat wohl noch nach seiner Flasche gesucht." Doch wer dachte, der Abend würde ein Fest für den Gastgeber, der hatte Aarhus Fremad unterschätzt. Die Gäste, taktisch zunächst auf Konter eingestellt, brauchten etwas, um ins Rollen zu kommen - aber als sie das taten, war es wie eine gut geölte Maschine. In der 34. Minute war es Einar Aagaard, der nach einem feinen Zuspiel von Jaime Marin die Kugel ins lange Eck schlenzte. 1:1, das passte zum Spielverlauf - Gentofte hatte mehr Schüsse (am Ende 13:9), Aarhus aber die reifere Ballzirkulation (55 Prozent Ballbesitz). Trainer Hans Meier von Gentofte-Vangede schüttelte nach dem Ausgleich nur den Kopf: "Wir wollten mutig spielen, nicht naiv. Heute war’s manchmal beides." Seine Jungs blieben zwar offensiv - die Taktik blieb durchweg auf "offensiv" gestellt -, aber die Präzision ließ zu wünschen übrig. Alberte Lauritsen und Lukas Hoj vergaben aussichtsreiche Chancen, während Aarhus-Coach Sascha Leon an der Seitenlinie genüsslich an seinem Kaugummi kaute. "Wir wussten, dass sie kommen würden", sagte er später. "Und wir wussten, dass wir warten mussten." Nach der Pause wartete Aarhus nicht mehr. In der 51. Minute schlug Aagaard erneut zu, diesmal nach einer schönen Kombination über Oskar Vinther. 2:1 für die Gäste - und plötzlich war es still im Stadion. Fast. Ein älterer Herr auf der Haupttribüne rief mit resigniertem Humor: "Vielleicht ist das ja das neue Gentofte-Konzept: erst führen, dann verlieren." Doch die Hausherren bewiesen Moral. In der 69. Minute legte Evan O’Dea mustergültig für Javier Castano auf, und der Spanier vollendete mit einem satten Linksschuss zum 2:2. Die Fans tobten, Hans Meier sprang wie ein Teenager die Linie entlang. "Da war wieder Leben drin", sagte er später, "und für einen Moment dachte ich, wir holen das Ding." Nur - Aarhus hatte noch nicht fertig. In der Nachspielzeit, 93. Minute, passierte das, was Gentofte-Fans schon befürchteten: Lasse Stock, eben noch unauffällig, lauerte am Strafraumrand und nutzte den letzten Angriff, um den Ball trocken ins rechte Eck zu setzen. 3:2 Aarhus Fremad - und ein Stich ins Herz aller, die schon auf ein Unentschieden gehofft hatten. "Das war kein Glück, das war Geduld", meinte Stock nach dem Spiel, während seine Mitspieler lachend in die Kabine verschwanden. Sein Trainer Leon nickte zufrieden: "Wir haben am Ende mehr gewollt. Und ja, vielleicht auch ein bisschen mehr gelitten." Gentofte hingegen blieb nur Frust und der bittere Beigeschmack einer verpassten Gelegenheit. Trotz 13 Torschüssen, trotz druckvoller Schlussphase - am Ende standen sie mit leeren Händen da. Besonders bitter: Innenverteidiger Bartilomiej Nowak, gerade erst eingewechselt, verletzte sich in der 90. Minute und humpelte vom Platz. In der Statistik liest sich das Ganze fast ausgeglichen: 50,5 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Gentofte, 49,4 für Aarhus. Aber Fußball wird eben nicht an Prozenten entschieden, sondern an Toren - und die zählten diesmal zugunsten der Gäste. Trainer Meier versuchte, das Positive zu sehen: "Wir haben zwei schöne Tore gemacht. Leider auch drei schöne kassiert." Ein Satz, der seine Mannschaft vielleicht besser beschreibt als jede Analyse. Auf der Pressekonferenz fragte ein Reporter, ob Gentofte künftig defensiver auftreten werde. Meier lachte laut: "Wenn ich das tue, kündigt mir wahrscheinlich die halbe Stadt." So bleibt nach 90+3 Minuten ein unterhaltsames, manchmal chaotisches, aber hochklassiges Spiel, in dem Aarhus Fremad seine Cleverness ausspielte und Gentofte-Vangede einmal mehr an der eigenen Leidenschaft scheiterte. Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen seufzte: "Schön war’s. Nur das Ergebnis war Mist." Und wer weiß - vielleicht wird man in ein paar Wochen sagen, dass genau dieses 2:3 der Anfang einer großen Aufholjagd war. Aber an diesem Abend war Aarhus einfach die Mannschaft mit dem längeren Atem. 05.03.643987 03:55 |
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