// Startseite
| Tuttosport |
| +++ Sportzeitung für Italien +++ |
|
|
|
Manchmal ist Fußball wie ein italienischer Espresso: kurz, stark, und er lässt einen noch Stunden später nicht los. Das Duell zwischen Gela und Doria Genua am 32. Spieltag der 1. Liga Italien war genau so ein Fall. 43.500 Zuschauer im Stadio Comunale bekamen ein Spiel zu sehen, das gleichermaßen Nerven wie Herzfrequenz strapazierte - und am Ende jubelten die Gäste aus Ligurien über einen 3:2-Auswärtssieg, der so gar nicht nach dem Spielverlauf schmeckte. Dabei begann alles ganz nach Plan für die Hausherren. Trainer Michael Müller hatte sein Gela offensiv eingestellt, Ballbesitz und Taktik fein austariert - 50,1 Prozent Ballbesitz, 16 Torschüsse, ein klares Zeichen. Nur das Ergebnis wollte partout nicht mitspielen. "Wir haben das Spiel kontrolliert, aber Genua hat die Tore gemacht", knurrte Müller nach dem Abpfiff, während er sich mit einem halb leeren Espressobecher in der Hand über den Rasen schleppte. In der 29. Minute schlug Doria Genua zum ersten Mal zu: Julius Fuchs, der zentrale Taktgeber im Mittelfeld, zog aus halbrechter Position einfach mal ab - und der Ball zappelte im Netz. "Ich habe gar nicht gesehen, dass er schießt", erklärte Gelas Torwart Pattrick Gabriel später, "weil mir in dem Moment ein Insekt ins Auge flog." Ein Schelm, wer da an Ausreden denkt. Der 17-jährige Marco Asensio durfte sich immerhin über seine erste Vorlage in der Liga freuen - und grinste dabei fast schuljungenhaft in die Kameras. Doch Gela antwortete prompt. Nur drei Minuten später dribbelte sich Ignacio Barbosa durch die rechte Seite, flankte scharf in den Strafraum, und Javier Vazques drückte den Ball kompromisslos über die Linie - 1:1, das Stadion bebte. "Das sind die Momente, für die wir Fußball spielen", sagt Vazques später, als er sich auf die Tribüne setzte und einem kleinen Fan sein Trikot schenkte. Nach der Pause wurde es hitziger. Zwei Gelbe Karten binnen zwei Minuten - Bayraktar für Genua (49.) und Veloso für Gela (50.) - ließen erkennen, dass der Schiedsrichter nun die Pfeife etwas fester im Griff hatte. Kurz darauf musste Veloso auch noch vom Feld, allerdings freiwillig: Müller brachte Filipe Meira, um die rechte Seite zu stabilisieren. Doch Genua lauerte, wie es ihrem Coach Gurkennose Gurk offenbar in die Wiege gelegt wurde. "Wir spielen auf Konter, immer und überall", hatte Gurk schon vor der Partie verkündet - und sein Team hielt Wort. In der 60. Minute war es Marc Winkler, der nach einem schnellen Umschaltmoment über Bermudez zum 2:1 traf. Gerade als Gela sich davon zu erholen schien, setzte Nelio Barros sieben Minuten später den nächsten Nadelstich, diesmal nach Vorarbeit von Fuchs - 3:1 für Genua, und das Stadion verstummte für einen Moment. Nur kurz allerdings, denn Gela kam noch einmal zurück. In der 69. Minute köpfte Innenverteidiger Tahsin Caliskan nach einer Ecke von Philippe Graves den Ball wuchtig ins Tor. "Ich dachte, er bricht das Tornetz", witzelte ein Fan auf der Tribüne. 2:3 - und plötzlich war wieder Feuer drin. Müller gestikulierte wild, stellte auf volles Pressing um, der Einsatzwert schnellte auf "STRONG", wie die Analysten später feststellten. Doch trotz drückender Überlegenheit und einer Reihe von Chancen - Vazques, Barbosa, Graves, sie alle versuchten ihr Glück - blieb das Tor wie vernagelt. In der Schlussphase wechselte Genua noch zweimal, brachte den jungen Ziganda und später Longfellow, um Zeit von der Uhr zu nehmen. Ein cleverer Schachzug, wie sich zeigte. "Wir wollten das Spiel einfrieren", grinste Gurk nach dem Abpfiff. "Hat funktioniert - fast wie meine Kühlschranktaktik zuhause." Gela stürmte bis in die Nachspielzeit, doch der Ball wollte nicht mehr rein. Stattdessen kassierte Genua noch eine letzte Gelbe Karte für Rechtsverteidiger Weis (85.), bevor Schiedsrichter Di Napoli die Partie beendete. Jubel bei den Gästen, versteinertes Schweigen bei den Heimfans. "Das war ein Spiel, das man zweimal gewinnen kann und trotzdem verliert", meinte Müller trocken. Und tatsächlich: Gela hatte mehr Chancen, mehr Ballbesitz, mehr Mut - aber eben weniger Effizienz. Doria Genua dagegen zeigte, dass man mit sieben Torschüssen und viel Disziplin auch in der Fremde siegen kann. Vielleicht wird man in Gela noch lange über dieses Spiel sprechen. Über vergebene Chancen, über Insekten im Auge und über einen Trainer namens Gurkennose Gurk, der mit einem Lächeln und drei Punkten wieder nach Hause fuhr. Und irgendwo in der Kabine des Heimteams soll man einen Spieler gemurmelt haben hören: "Wenn Fußball gerecht wäre, hätten wir gewonnen." Aber, wie wir alle wissen - gerecht ist er selten, und genau deshalb lieben wir ihn. 23.01.643997 09:40 |
Sprücheklopfer
Kameradschaft ist, wenn der Kamerad schafft.
Mehmet Scholl