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Was für ein Auftakt in die neue Saison der 1. Liga Schottland! 20.000 Zuschauer im Ibrox Park erlebten am Mittwochabend ein Spiel, das in den ersten Minuten eher nach einem Desaster für die Glasgow Gers aussah - und am Ende doch zum Fußballfest wurde. Nach fünf Minuten stand es 0:2. Nach 36 Minuten 3:2. Danach war es vor allem ein Nervenkrimi mit gelben, roten und fast überkochenden Emotionen. Kaum hatte Schiedsrichter McAllan angepfiffen, lag der Ball schon im Tor der Gers. In der 4. Minute traf Leandro Jorge für St. Mirren, eiskalt vollstreckt nach Flanke von William Bostwick. Und als die Heimfans noch die Köpfe schüttelten, klingelte es erneut: Nur eine Minute später drückte der 20-jährige Jose Sosa den Ball über die Linie - Vorlage Joao Munoz. Trainer Paolo John riss an der Seitenlinie die Arme hoch, als hätte er gerade die Meisterschaft gewonnen. "Ich dachte kurz, wir werden heute zum Meme", gestand Gers-Kapitän Radovan Wagner später mit einem schiefen Grinsen. "Zwei Gegentore in fünf Minuten - da fängst du an, in den Himmel zu schauen und fragst dich, ob du im falschen Film bist." Doch Glasgow wäre nicht Glasgow, wenn man sich einfach ergeben würde. Nach einer Viertelstunde begann der Motor zu laufen. Mason Edgecomb prüfte Torwart Samuel Menzies mit einem satten Linksschuss (18.), Matthew Fergusson verfehlte knapp (24., 26.). Dann die Erlösung: In der 30. Minute schnappte sich Jerome Bachellier den Ball auf der rechten Seite, ein schneller Doppelpass - und Iban Fortunio versenkte aus 14 Metern. 1:2. Drei Minuten später wieder Fortunio, diesmal nach Zuspiel von Irakli Kalaschnikow - 2:2! Das Stadion tobte, und St. Mirren wirkte plötzlich so nervös wie ein Schüler vor der Matheprüfung. Aber die Gers hatten noch nicht genug. In der 36. Minute schlug der junge Jack Sinclair eine butterweiche Flanke von links, Mason Edgecomb stieg hoch und köpfte zum 3:2 ein. Drei Tore in sechs Minuten - das nennt man Reaktion. "Ich habe einfach gespürt, dass was geht", sagte Edgecomb später. "Jack hat mir zugerufen: ’Mach ihn rein, Mason!’ - und ich dachte, klar, was sonst." Die zweite Halbzeit begann deutlich kontrollierter. Glasgow verwaltete das Ergebnis mit 53 Prozent Ballbesitz, St. Mirren suchte verzweifelt den Ausgleich. 13 Torschüsse brachten die Gäste insgesamt zustande, doch Gers-Keeper Garip Adatepe hielt, was zu halten war. Nur einmal, in der 68. Minute, stockte den Fans der Atem, als Ivan Mijatovic aus kurzer Distanz abzog - Adatepe riss im letzten Moment die Faust hoch. Dann wurde es hitzig. In der 70. Minute holte sich Joao Munoz Gelb nach einem rustikalen Einsteigen gegen Fergusson. Vierzehn Minuten später sah er Gelb-Rot - offenbar hatte er beschlossen, dass zwei Verwarnungen mehr Eindruck machen als eine. "Ich wollte nur zeigen, dass ich kämpfe", meinte Munoz später achselzuckend. Trainer Paolo John kommentierte trocken: "Er hat gekämpft, ja. Leider gegen die falsche Farbe Karte." Die Gers ließen sich vom Chaos nicht anstecken, auch wenn Youngster Jack Sinclair in der Nachspielzeit noch Gelb sah - wohl eher aus jugendlicher Begeisterung als aus Bosheit. "Ich hab dem Schiri nur gesagt, dass ich den Ball liebe", grinste er. Am Ende blieb es beim 3:2 (3:2) für die Hausherren - ein Ergebnis, das die Zahlen nicht ganz widerspiegeln: St. Mirren hatte mehr Torschüsse, die Gers mehr Ballbesitz. Aber Fußball ist eben kein Statistikseminar. Trainer Paolo John zeigte sich trotz der Niederlage kämpferisch: "Wir haben gezeigt, dass wir Tore schießen können. Leider auch, dass wir sie kassieren können." Und irgendwo im Presseraum grinste Gers-Coach (der sich nach Abpfiff lieber mit einem Tee als einem Mikrofon beschäftigte) still vor sich hin. Denn er weiß: Spiele wie dieses vergisst man nicht. Vielleicht war es kein perfekter Start - aber ein perfekter Abend für alle, die an die Magie eines Fußballabends glauben. Oder, um es mit den Worten eines Fans auf der Tribüne zu sagen: "Ich kam mit Kopfschmerzen, ich geh mit Herzklopfen." 22.03.643997 06:30 |
Sprücheklopfer
Eine Drehung mehr, und ich wäre im Rasen verschwunden.
Thomas Häßler über den sehr tiefen Rasen im Westfalenstadion