Dagbladet
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Giske-Brüder retten Stavanger - 2:2 im heißen Derby gegen Viking FK

Eliteserien | 4. Spieltag | 08.07.26 | Morkebla Stavanger - Viking FK 2:2

Wenn Fußballherzen an einem lauen Sommerabend höher schlagen, dann war es am Mittwoch in Stavanger. 14.335 Zuschauer im ausverkauften Morkebla-Stadion sahen ein 2:2, das alles bot: frühe Schocks, familiäre Heldengeschichten, gelbe Karten im Minutentakt und einen Schlussakkord, der noch lange nachhallen dürfte.

Der Abend begann für die Gastgeber denkbar schlecht. Kaum hatte Schiedsrichter Løvseth angepfiffen, da lag der Ball schon im Netz von Solveig Flo. Nur fünf Minuten waren gespielt, als Vikings junger Mittelstürmer Milan Kozacik nach feiner Vorarbeit des 18-jährigen Roland Zofcak eiskalt vollstreckte. "Ich wollte eigentlich querlegen, aber Milan hat einfach draufgehauen", grinste Zofcak später, als wäre das die normalste Sache der Welt. Trainer Markus Frey von Viking FK ballte die Faust an der Seitenlinie: "So will ich das sehen - direkt, schnörkellos, mit Mut."

Stavanger brauchte Zeit, um sich zu schütteln. Zwar hatten die Gastgeber mehr Ballbesitz (52 Prozent), doch Viking war gefährlicher. 19 Torschüsse standen am Ende auf deren Konto, während Morkebla mit mageren fünf Abschlüssen haushalten musste. Trotzdem war das Spiel nie einseitig. Morkebla-Coach - der sich an diesem Abend mehrfach die Mütze verkehrt herum aufsetzte, wie ein Zeichen der Trotzreaktion - schrie seine Offensivkräfte unermüdlich nach vorne.

Kurz vor der Pause ging ein Raunen durchs Stadion, als Erland Grindheim nach rustikalem Einsatz die Gelbe Karte sah. "Ich hab nur den Ball getroffen. Und ein bisschen den Gegner. Vielleicht", kommentierte er augenzwinkernd.

Was auch immer in der Kabine besprochen wurde - es muss gewirkt haben. Denn kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, explodierte Stavanger. In der 50. Minute legte Tryggve Hareide von links mustergültig in den Lauf von Jorgen Giske, der aus spitzem Winkel zum Ausgleich traf. "Ich hab gesehen, dass der Keeper einen Schritt zu weit draußen war", erzählte Giske später mit einem Grinsen, das irgendwo zwischen Stolz und Überraschung lag.

Und kaum hatten die Fans das erste Tor bejubelt, folgte das zweite. Nur zwei Minuten später, in der 52. Minute, trat Martins kleiner Bruder Martin Giske auf den Plan. Nach Pass von Jorn Berre zirkelte er den Ball ins lange Eck - 2:1! Die Brüder Giske, 32 und 22, hatten das Spiel gedreht. "Wir haben das früher im Garten trainiert", sagte Martin, "nur dass Mama damals noch im Tor stand."

Viking reagierte mit wütenden Angriffen. Trainer Frey wechselte doppelt: Kalitzakis kam für den blutjungen Zofcak, später folgte der offensive Anissin. Das Spiel kippte zusehends in Richtung Stavanger-Tor. Flo, die Torhüterin der Gastgeber, wuchs über sich hinaus, parierte Schüsse im Dutzend - vor allem gegen Jorgen Mykland, der gleich fünfmal aus allen Lagen draufhielt.

Doch in der 81. Minute war auch sie machtlos. Nach einer flachen Hereingabe von Ragnhild Hogmo traf Jan Gulbrandsen zum 2:2. "Der Ball kam perfekt, ich musste nur noch den Fuß hinhalten", sagte er, während im Hintergrund Frey jubelnd auf- und absprang.

Die Schlussphase war dann ein einziges Nervenflattern. Grindheim und Hagen kassierten Gelb, Martin Giske sah kurz vor Schluss ebenfalls Gelb und klatschte dabei höhnisch in Richtung Schiedsrichter - was ihm einen besonders finsteren Blick einbrachte. "Der wollte wohl auch mal im Mittelpunkt stehen", murmelte der Stürmer später über den Referee.

Viking drückte bis in die Nachspielzeit, feuerte Schuss um Schuss ab - allein Kozacik scheiterte in der 88. Minute denkbar knapp. In der 93. Minute noch ein letzter Versuch von Ghionea, doch Flo lenkte den Ball mit den Fingerspitzen über die Latte.

Am Ende blieb es beim 2:2 - ein Ergebnis, das beiden Teams nur bedingt hilft, aber den Zuschauern ein Spektakel bescherte. Viking hatte mehr vom Spiel, Stavanger die größere Leidenschaft. "Wir haben uns das Remis erkämpft", sagte Morkeblas Kapitän Andre Hagen, dessen Grätschen in der 70. Minute fast das Flutlicht ausschaltete.

Trainer Frey nahm das Ergebnis mit Galgenhumor: "Wenn man 19-mal aufs Tor schießt und nur zweimal trifft, dann sollte man vielleicht beim Handball anfangen." Sein Gegenüber konterte trocken: "Oder wir stellen beim nächsten Mal einfach noch einen Giske mehr auf."

So blieb es beim gerechten Unentschieden - einem dieser Spiele, bei denen man sich fragt, ob das Ergebnis überhaupt zählt. Denn was bleibt, ist der Beweis, dass selbst in Norwegens Eliteserien ein Sommerabend in Stavanger mehr Drama bietet als jede Netflix-Serie.

08.07.2026 21:07
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