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Gorillas retten spät ein wildes 2:2 gegen Baltimore Spirit

Ein lauer Frühlingsabend in Atlanta, 44.134 Zuschauer im Gorillas Park, und man wusste schnell: Das wird kein gemütlicher Spaziergang. Die Atlanta Gorillas empfingen am 8. Spieltag der 2. Liga USA den ambitionierten Baltimore Spirit - und lieferten sich ein Duell, das irgendwo zwischen Schlagabtausch und Schachpartie pendelte. Am Ende stand ein 2:2, das beiden Teams schmeckte wie lauwarme Cola: erfrischend war’s sicher nicht, aber immerhin prickelte es kurz vor Schluss.

Von Beginn an legte Atlanta los, als wolle man dem eigenen Vereinsnamen gerecht werden: wild, laut und mit mächtigen Sprüngen in Richtung gegnerisches Tor. Schon in der 7. Minute prüfte Gheorghe Sapunaru den Keeper Lucas Gady - und zwar mit so viel Wucht, dass die Werbebande dahinter noch lange vibrierte. Doch wie so oft im Fußball kam es anders: In der 27. Minute konterte Baltimore eiskalt. Rechtsaußen Kian Smith flankte butterweich auf Ilie Radoi, der aus seiner Position als linker Verteidiger plötzlich Stürmer spielte und das 0:1 erzielte. "Ich dachte, da vorne ist niemand - also war ich’s halt selbst", scherzte Radoi später im Kabinengang und grinste in Richtung seines Trainers.

Doch Atlanta ließ sich nicht beirren. Nur fünf Minuten später schlug das Team von Trainerin Anja Meister zurück. Wilhelm Krämer, sonst eher der ruhige Denker im Mittelfeld, zog nach Vorarbeit von Nelson Semedo aus 20 Metern ab - und der Ball zappelte im Netz. 1:1, Stadion auf Betriebstemperatur. Krämer erklärte danach trocken: "Ich hab einfach mal nicht nachgedacht, das hilft mir manchmal."

Bis zur Pause blieb es beim offenen Schlagabtausch. Beide Teams hatten ihre Chancen - Atlanta mit insgesamt elf Torschüssen, Baltimore mit sieben -, doch die Keeper hielten, was zu halten war. Besonders Gorillas-Torwart Jozef Moravcik zeigte bei einem Schuss von Amaury Assis (47.) Reflexe, die an Tischtennis erinnerten. "Ich hab einfach gehofft, dass ich irgendwo im Weg bin", lachte der junge Slowake später.

In der zweiten Halbzeit übernahm Baltimore leicht die Kontrolle, zumindest statistisch. 51 Prozent Ballbesitz, ordentliches Passspiel, aber wenig zwingend. Atlanta dagegen blieb gefährlich über Konter - und Sapunaru, der unermüdliche 21-jährige Mittelstürmer, arbeitete sich an der Defensive ab wie ein Holzfäller an einem Mammutbaum. Fünf Torschüsse gingen auf sein Konto, doch der Lohn ließ lange auf sich warten.

Dann die 76. Minute: Wieder Baltimore, wieder Smith, diesmal als Vollstrecker. Nach Zuspiel von Ferenc Detari zog der Rechtsaußen ab und traf zum 1:2. Der Gästeblock jubelte, und Trainerin Meister warf ihre Wasserflasche auf den Boden - "nicht aus Wut, sondern weil sie einfach leer war", wie sie später erklärte.

Aber Atlanta wäre nicht Atlanta, wenn da nicht noch ein letzter Aufschrei käme. 89. Minute, Nelson Semedo mit einem beherzten Sprint über rechts, eine scharfe Flanke - und Sapunaru drückt den Ball über die Linie. 2:2! Das Stadion explodierte, die Gorillas-Fans sangen, als hätten sie gerade den Aufstieg klargemacht. Sapunaru selbst wirkte danach fast überrascht: "Ich wollte eigentlich flanken. Oder schießen. Oder beides. Hauptsache, der Ball war drin."

Baltimore versuchte in der Nachspielzeit noch einmal, aber es blieb beim Remis. "Wir hätten das Ding zumachen müssen", ärgerte sich Gäste-Kapitän Smith, "aber ehrlich, gegen so eine wilde Truppe ist das leichter gesagt als getan."

Statistisch gesehen war’s ein ausgeglichenes Spiel: 48,7 Prozent Ballbesitz für die Gorillas, 51,2 für Baltimore, dazu fast identische Zweikampfquoten. Beide Teams spielten ohne übermäßige Härte - nur eine Gelbe Karte, an Atlantas Jarrod Bowen (42.), der beim Versuch, einen Angriff zu unterbinden, schlicht zu spät kam.

Trainerin Anja Meister bilanzierte mit einem Augenzwinkern: "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen offensiv spielen. Sie haben’s wörtlich genommen - bis zum eigenen Strafraum."

So bleibt am Ende ein Spiel, das keiner so richtig gewann und doch alle unterhielt. Atlanta zeigte Moral, Baltimore Effektivität, und das Publikum bekam sein Geld wert.

Oder wie es ein älterer Fan beim Hinausgehen formulierte: "Wenn die Gorillas so weiterkämpfen, schaffen sie’s vielleicht noch in die 1. Liga - oder wenigstens in mein Herz."

Ein Unentschieden also, das man nicht im Lehrbuch findet, aber genau deswegen liebt.

21.09.643999 15:06
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