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36.000 Zuschauer hatten sich im frostigen Pittsburgh-Stadion auf ein hitziges Duell gefreut - und sie bekamen zumindest von einer Seite reichlich Feuer zu sehen. Die Atlanta Gorillas entführten am 4. Spieltag der 1. Liga USA mit einem souveränen 2:0 (2:0) drei Punkte bei den Pittsburgh Hounds, die sich trotz 57 Prozent Ballbesitz und acht Torschüssen an der eigenen Ideenlosigkeit die Zähne ausbissen. Schon nach einer Viertelstunde war die Stimmung auf den Rängen frostiger als der Januarwind. Larry Comstock, Atlantas quirliger Linksaußen, nahm einen langen Ball von Diego Rielo elegant mit der Brust an und drosch ihn aus 16 Metern unhaltbar unter die Latte - 0:1. Der Jubel beim Gast war so laut, dass selbst die Bratwurstverkäufer kurz innehielten. "Ich hab’ einfach draufgehalten", grinste Comstock nach der Partie. "In so einem Moment denkt man nicht - man macht." Während Pittsburghs Trainer - dessen Name man im Protokoll vergeblich sucht, aber dessen Gestik Bände sprach - an der Seitenlinie verzweifelt gestikulierte, blieben die Hounds im Angriff harmlos. Friedrich Blume prüfte Atlantas Keeper Alois Zemlik in der ersten Minute, Joseph Armstrong zweimal kurz nach der Pause, doch der Ball wollte einfach nicht rein. Atlanta dagegen blieb eiskalt. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte kombinierte sich das Team von Coach Anja Meister durch die völlig verunsicherte Hounds-Abwehr. Wilhelm Krämer spielte einen Pass, wie man ihn sonst nur in Trainingsvideos sieht: mit der Hacke in den Lauf von Emilio Xavier. Der 35-Jährige fackelte nicht lange und schob zum 0:2 ein. "Ich habe gesehen, dass der Torwart einen Schritt zu weit links stand", sagte Xavier lächelnd. "Mit 35 reagierst du da nicht mehr - du erinnerst dich einfach, wie du’s früher gemacht hast." Nach dem Seitenwechsel schien Pittsburgh zu ahnen, dass Ballbesitz allein keine Punkte bringt. Orhan Kaya versuchte es aus der Distanz (25. und 82. Minute), Armstrong rannte sich mehrfach fest, und Blume flankte, als wolle er das Tornetz hypnotisieren. Doch Atlantas Abwehr, angeführt vom unerschütterlichen Domingos Xavier, hielt dicht. Es war ein Spiel der Kontraste: Pittsburgh spielte gefällig, Atlanta effektiv. Die Statistik erzählte die Geschichte in nüchternen Zahlen: 8:17 Torschüsse, 57 zu 43 Prozent Ballbesitz - aber eben 0:2 Tore. "Wir haben das Spiel kontrolliert, ja, aber nicht das Ergebnis", seufzte Hounds-Mittelfeldmann Kaya. "Das ist wie Schach mit einem kaputten König." Die Partie hatte ihre ruppigen Momente: Schon in der 6. Minute sah Isidoro Ordonez Gelb nach einem rustikalen Einsteigen. Später gesellten sich Atlantas Benyamin Maurer (63.) und erneut Kaya (66.) auf die Verwarnungsliste. Als Adam Buffett in der Nachspielzeit ebenfalls Gelb kassierte, applaudierte das Publikum sarkastisch - als wollte es sagen: Wenigstens hier ist Pittsburgh vorn. Trainerin Anja Meister lobte ihre Truppe nach dem Schlusspfiff für die "erwachsene Leistung": "Wir haben nicht den schönsten, aber den klügsten Fußball gespielt. Und manchmal gewinnt eben der, der weniger redet." Auf die Frage, ob sie ihr Team nach dem 2:0 in der Halbzeit zurückgepfiffen habe, lachte sie: "Ich habe nur gesagt: Bitte nichts reparieren, was nicht kaputt ist." Ein Moment sorgte noch für Schmunzeln: Als der 18-jährige Leon Wiltshire in der 62. Minute bei den Gorillas eingewechselt wurde, rief ein Fan von der Tribüne: "Mach’s wie dein Vater!" Wiltshire drehte sich um, grinste und fragte zurück: "Welchen?" - Der Junge spielte solide. Die Hounds dagegen müssen sich nun fragen, wie man mit so viel Ballbesitz so wenig Torgefahr entwickeln kann. Vielleicht hilft ein Blick auf Atlantas Rezept: wenig Firlefanz, viel Direktheit, und ein Larry Comstock in Galaform. Am Ende blieb den Fans in Pittsburgh nur der Trost, dass ihre Mannschaft wenigstens kämpfte - und dass die Stadionheizung funktionierte. "Wir haben alles gegeben", meinte Torhüter Ewan Almond, "nur leider nichts getroffen." Treffender kann man diesen Abend kaum zusammenfassen. Und irgendwo in der Kabine der Gorillas soll ein Spieler gesagt haben: "Wenn wir so weitermachen, nennen sie uns bald die Gentlemen mit der Machete." Wer das war, wollte keiner verraten. Aber nach diesem Auftritt würde es niemanden wundern. 06.03.643987 01:53 |
Sprücheklopfer
Ich habe immer gesagt, dass ich niemals nach Österreich wechseln würde.
Jürgen Wegmann auf die Frage, ob er zum FC Basel wechselt