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Gorillas zähmen die Workers: Atlanta siegt 4:1 in Columbus

Ein lauer Frühsommerabend in Ohio, 31.423 Zuschauer, Flutlicht, Popcorn-Geruch - und am Ende ein Heimteam, das sich fühlte wie die Statisten in einem Tierfilm: Die Atlanta Gorillas tobten sich beim 1:4 (0:0) gegen die Columbus Workers so richtig aus. Wer dachte, die erste Halbzeit sei ein zähes Nullnummer-Festival gewesen, wurde nach dem Seitenwechsel Zeuge einer Lehrstunde in Sachen Effizienz und Schussfreude.

Dabei fing alles ganz harmlos an. Columbus hatte mehr Ballbesitz (51 Prozent) und in den ersten zehn Minuten sogar zwei Torschüsse. Samuel Preston prüfte Atlantas Keeper Olivio Baumann schon in der dritten Minute, Reece Huxley legte kurz darauf nach. "Da dachte ich: Heute läuft’s!", grinste Preston später - wohlwissend, dass das Schicksal in Halbzeit zwei andere Pläne hatte.

Denn während die Workers den Ball wie ein Familienerbstück pflegten, sahen die Gorillas in ihm eher eine Kokosnuss, die man mit Wucht knacken muss. Ganze 22 Schüsse feuerten die Gäste ab - und irgendwann musste das ja Folgen haben. In der 52. Minute war es Gheorghe Sapunaru, der nach Flanke von Rudolf Carlsson humorlos zum 0:1 einschob. Nur 60 Sekunden später klingelte es erneut: Der junge Finlay Ward traf nach Vorlage von Innenverteidiger Bram Groot - ja, genau, der Baum aus der Abwehr - zum 0:2.

"Wir haben in der Pause gesagt: mehr Risiko, mehr Mut", erklärte Atlantas Trainerin Anja Meister hinterher. "Dass die Jungs das so wörtlich nehmen, hätte ich nicht gedacht."

Columbus-Coach - dessen Name in der offiziellen Statistik kurioserweise fehlt, aber den Fans zufolge "Coach Danny" genannt wird - stapfte derweil an der Seitenlinie auf und ab wie ein Mann, der gerade bemerkt hat, dass das Navigationsgerät in die falsche Richtung zeigt. Doch kurz keimte Hoffnung auf: In der 62. Minute brachte Benjamin Benett die Workers mit einem trockenen Abschluss zum 1:2 zurück ins Spiel, nach schöner Vorarbeit von Corey Bloomfield. Der Jubel war laut, aber kurz - so kurz wie der anschließende Blick auf die Stadionuhr.

Denn nur 14 Minuten später zerstörten die Gorillas alle romantischen Comeback-Fantasien. Erst traf Harrison Baker in der 76. Minute nach einem schnellen Konter zum 1:3, dann war erneut Sapunaru da (77.), diesmal nach Vorarbeit des quirlig auftretenden Evan O’Brien. "Ich hab gar nicht gesehen, wie er reinging", meinte Columbus-Torwart Costica Rotariu hinterher. "Ich hörte nur das Netz rascheln. Und dann die Stille."

Die wenigen Columbus-Chancen danach - ein weiterer Schuss von Preston in der 95. Minute - wirkten eher wie der Versuch, wenigstens mit Würde zu verlieren. Atlanta dagegen spielte befreit auf, lachte, kombinierte, und Wilhelm Krämer aus dem Mittelfeld zauberte noch ein paar Pässe, die man im Lehrbuch nachlesen möchte.

Auch die Statistik spricht eine klare Sprache: 22:7 Torschüsse, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Atlanta und eine Körpersprache, die mehr an Straßenfußball als an Taktiktafeln erinnerte. Dabei hatte Columbus gar nicht so schlecht begonnen, wieder einmal mit ihrem typischen "balanced" Ansatz - also der Fußballvariante von "mal sehen, was passiert". Atlanta hingegen kam von Beginn an offensiv, aggressiv, und mit dem unerschütterlichen Glauben, dass der nächste Schuss schon sitzen würde.

Zwei Gelbe Karten gab’s für die Gäste - Vladimir Dubovsky in der 7. und Nelson Semedo in der 57. Minute -, aber das störte den Gorilla-Fluss kaum. "Wir foulen mit Stil", witzelte Semedo nach Schlusspfiff, während Dubovsky trocken anmerkte: "Wenn du gegen Workers spielst, musst du eben arbeiten."

Trainerin Meister fasste es nüchtern zusammen: "Wir wollten zeigen, dass wir auch auswärts dominant sein können. Heute hat’s klick gemacht."

Und was sagten die geschlagenen Workers? Kapitän Xavi Rocha brachte es mit bitterem Humor auf den Punkt: "Wir hatten den Ball, sie die Tore. Fußball kann so einfach sein."

So endete ein Abend, an dem Columbus mehr Kontrolle als Wirkung zeigte - und die Gorillas bewiesen, dass pure Wucht manchmal eben besser funktioniert als gepflegtes Ballgeschiebe.

Oder, wie ein Fan beim Verlassen des Stadions murmelte: "Die Workers hätten heute auch 90 Minuten jonglieren können - Atlanta hätte trotzdem viermal getroffen."

Ein Spiel, das man in Columbus wohl schnell vergessen möchte. In Atlanta dagegen dürfte man sich noch eine Weile auf die Brust trommeln.

20.01.644003 02:58
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