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Görlitz verspielt 3:1 - TeBe Berlin feiert Last-Minute-Wunder!

Regionalliga C | 5. Spieltag | 09.07.26 | NFV Görlitz - TeBe Berlin 3:4

Wer am Donnerstagabend um 20:15 Uhr im Görlitzer Stadion saß, glaubte zur Halbzeit an ein friedliches Fußballfest für den NFV Görlitz. 4250 Zuschauer schunkelten bereits, als stünde der Sieg längst fest. 3:1 führte die Elf von Trainer Johnny Grygas nach einer famosen ersten Halbzeit - und dann kam die Berliner Realität. TeBe Berlin drehte das Spiel in einer Art und Weise, die selbst abgebrühte Regionalliga-Fans sprachlos machte. Endstand: 3:4. Und das nach 96 Minuten purer Dramatik.

Dabei begann alles so verheißungsvoll für die Hausherren. Zwar nutzte TeBes Joel Barth schon in der 12. Minute eine frühe Unsicherheit in der Görlitzer Abwehr, als er nach Vorarbeit von Henri Link eiskalt einschob. Doch Görlitz ließ sich nicht beirren. Björn Sonntag, an diesem Abend der personifizierte Torinstinkt, glich in der 29. Minute aus - vorbereitet von Lasse Schaller, der den Ball wie ein Uhrmacher ins Zeitfenster legte. "Ich musste nur noch den Fuß hinhalten", grinste Sonntag später.

Nur wenig später drehte Ernst Martens mit einem trockenen Schuss aus halbrechter Position das Spiel (42.), und Sonntag legte gleich nach: 44. Minute, 3:1, Vorlage von Apostolos Photopoulos, die Stadionuhr vibrierte. Trainer Grygas reckte die Faust, rief "Jetzt spielen wir unser Ding!" - und man glaubte ihm.

Doch Fußball ist bekanntlich kein Wunschkonzert, sondern eine Laune der Dramaturgie. "In der Kabine habe ich gesagt: Wir sind noch da", verriet TeBe-Coach Axel Herr später mit schelmischem Grinsen. Kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, antwortete Patrik Maus - ja, der rechte Außenverteidiger! - mit dem 3:2 (48.), wieder nach Vorlage von Link. Ein Treffer, der die Berliner Lebensgeister weckte.

Von da an waren die Gäste im Angriffsmodus. Görlitz suchte sein Glück weiter über die Flügel - 17 Torschüsse insgesamt, mehr als Berlin (12) - doch die Präzision, die in Halbzeit eins so selbstverständlich schien, blieb irgendwo im Pausenlimbo hängen. "Wir haben den Stecker gezogen bekommen", murmelte Grygas später.

In der 70. Minute schlug TeBe erneut zu: Joel Barth, schon Torschütze zum 0:1, traf nach einem schnellen Doppelpass mit Sean Urquhart zum 3:3. Der Görlitzer Keeper Fabrizio Francavilla schaute dem Ball nur noch hinterher - und griff sich an die Stirn. "Ich dachte, der fliegt vorbei. Tat er aber nicht", sagte er trocken.

Dann kam die Nachspielzeit, die in Görlitz vermutlich als "96. Minute des Grauens" in Erinnerung bleiben wird. Nach einer Ecke köpfte Innenverteidiger Stanko Jovanovic, assistiert von Urquhart, zum 3:4 ein. Ein Tor, das so spät fiel, dass einige Zuschauer schon auf dem Parkplatz waren. "Ich hab’s nur im Radio vom Kofferraum aus gehört", meinte ein Fan fassungslos.

Zum Schluss wurde es noch bitterer: Julius Konrad, erst in der 68. Minute eingewechselt, sah in der 91. Minute glatt Rot nach einem übermotivierten Einsteigen - Symbol für die zerfallene Ordnung in der Görlitzer Defensive.

Taktisch blieb TeBe durchgehend offensiv, ohne großes Pressing, aber mit klarem Ziel: den Ball in den Strafraum zu tragen und Chancen sicher herauszuspielen. Görlitz dagegen verzettelte sich zunehmend in langen Bällen, die in der zweiten Hälfte oft beim Gegner landeten. Ballbesitz? Fast ausgeglichen - 49,4 zu 50,6 Prozent zugunsten der Berliner. Doch was zählte, war Effizienz.

"Wir haben Moral gezeigt", lobte Axel Herr seine Mannschaft. "Nach 3:1 auswärts so zurückzukommen, das ist Regionalliga-Romantik pur." Joel Barth, Doppeltorschütze des Abends, ergänzte: "Ich hatte das Gefühl, das Spiel will, dass wir es gewinnen."

Johnny Grygas dagegen stand nach Schlusspfiff minutenlang regungslos am Spielfeldrand. "Wir waren 45 Minuten lang die bessere Mannschaft. Leider dauert ein Spiel 96", sagte er und schob mit bitterem Lächeln hinterher: "Vielleicht sollten wir das nächste Mal einfach früher nach Hause gehen."

Für die Zuschauer war es jedenfalls ein Abend, an dem sie alles bekamen: Emotion, Tore, Drama, Karten - und die Erinnerung daran, dass Fußball in Görlitz manchmal mehr Theaterstück als Sport ist.

Fazit? TeBe Berlin nimmt drei Punkte mit, Görlitz eine Lektion in Demut. Und die Regionalliga C ein weiteres Kapitel in der Kategorie "Fußball, du grausamer Hund".

09.07.2026 21:11
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