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Regionalliga C | 4. Spieltag | 08.07.26 | VfB Bösingen - NFV Görlitz 0:4 Spaß hatte vor allem Christoph Renner. Der 29-jährige Rechtsaußen machte mit einem Hattrick (6., 38., 50. Minute) das, was er offenbar am liebsten tut: den Ball ins Netz nageln. Schon nach sechs Minuten war der Drops fast gelutscht, als er nach einem langen Ball von Innenverteidiger Philippe Bruguiere mit der ersten echten Torchance des Spiels das 0:1 markierte. Bösingens Keeper Joshua Hinz war da so chancenlos wie ein Tennisspieler ohne Schläger. Doch der NFV beließ es nicht beim frühen Schock. Görlitz spielte, als hätten sie die Pausenmusik übersprungen und gleich zur Zugabe angesetzt. In der 34. Minute legte Rüstem Karadeniz nach, nach herrlicher Vorarbeit von - na klar - Renner. Nur vier Minuten später durfte der Goalgetter selbst wieder ran und schob nach Pass von Thomas Hess eiskalt ein. 0:3 zur Pause, die Fans des VfB schauten sich ratlos an. "Ich hab die Jungs gefragt, ob sie sich sicher sind, dass das die Regionalliga C ist und nicht die Champions League", murmelte ein älterer Herr auf der Haupttribüne. In der Kabine des VfB dürfte es dagegen weniger launig zugegangen sein. Der Trainer - man munkelt, er habe auf dem Weg zur Halbzeit noch kurz tief durchgeatmet - stellte auf "jetzt bloß nicht noch schlimmer" um. Und tatsächlich: In der zweiten Hälfte stabilisierte sich Bösingen kurzzeitig, kam sogar zur einzigen echten Torchance des Abends. Louis Benett prüfte in der 47. Minute Görlitz-Keeper Carl Horst mit einem halbhohen Versuch - der aber so elegant gefangen wurde, dass Horst sich anschließend sogar Zeit für ein kleines Schulterzucken nahm. Dann kam wieder Renner. In Minute 50 traf er nach Vorlage des norwegischen Abwehrrecken Stig Bjornebye zum 0:4 - und verabschiedete sich damit endgültig in den Status des Mannes des Abends. "Ich wusste gar nicht, dass Stig solche Vorlagen kann", lachte Renner später im Interview. "Normalerweise köpft er mir die Bälle weg, nicht zu." Danach war das Spiel praktisch entschieden, auch wenn Görlitz weiterhin so tat, als könnten sie noch zehn Minuten länger spielen und dabei das halbe Dutzend vollmachen. Ganze 27 Torschüsse sammelte der NFV im Verlauf der Partie - gegen einen einzigen Abschluss der Bösinger. Das Ballbesitzverhältnis (57 zu 43 Prozent) spricht ebenso eine klare Sprache wie die Zweikampfquote (knapp 60 Prozent für Görlitz). Noch eine Gelbe Karte für Bösingens Timo Scharf (52.) und eine für den Görlitzer Bruguiere (53.) - dann war’s mehr ein gepflegtes Auslaufen. Trainer Grygas wechselte munter durch, brachte Björn Sonntag und Johann Kirsch, ließ seine Jungs die Pässe lang und die Flanken scharf schlagen. "Unsere Taktik? Ganz einfach: Ball nach vorn, Renner finden, Tor bejubeln", erklärte er mit einem Augenzwinkern. Die Fans des VfB Bösingen dagegen verabschiedeten ihre Mannschaft mit höflichem Applaus. Man hatte ja gesehen, dass der Wille da war - nur die Idee, wohin mit dem Ball, fehlte. "Wir haben uns vorgenommen, kompakt zu stehen", sagte ein erschöpfter Mittelfeldspieler nach dem Abpfiff. "Das haben wir auch - nur halt zu kompakt, meistens im eigenen Sechzehner." Am Ende blieb die Erkenntnis: NFV Görlitz zeigte, was eine Mannschaft mit Selbstvertrauen und klarer Spielanlage ausrichten kann. Und Bösingen? Muss sich wieder aufrappeln - am besten schnell, denn in der Regionalliga C wartet keiner auf Nachzügler. Oder, wie ein Zuschauer beim Bierstand seufzte: "So ein Spiel vergisst man nicht. Leider." Fazit: Görlitz tanzt, Renner trifft, Bösingen taumelt - ein Abend, der zeigt, dass Fußball manchmal grausam schön sein kann. 09.07.2026 21:11 |
Sprücheklopfer
Ich kann nicht sagen, dass ich es nicht gesagt habe, weil ich es gesagt habe.
Mehmet Scholl