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Grebenstein fegt Brackenheim vom Platz - ein 0:4 mit Ansage

Es gibt Fußballabende, da läuft einfach alles schief - und dann gibt es den 22. Spieltag in Brackenheim. Der VfL kassierte vor 1.930 Zuschauern eine 0:4-Heimklatsche gegen einen jungen, frechen und gnadenlos effizienten SC Grebenstein. Die Gäste spielten, als hätten sie das Stadion gemietet, und der VfL schaute zu, wie Tore fielen - eines schöner als das andere.

Schon nach 18 Minuten begann das Unheil: Der 18-jährige Niels Marx, ein Stürmer mit der Unschuld eines Abiturienten und der Kaltschnäuzigkeit eines Profis, vollendete nach Vorarbeit von Gustav Weber zum 0:1. "Ich hab einfach draufgehalten, ehrlich gesagt, hatte ich die Augen halb zu", grinste Marx später - und man glaubte es ihm sofort.

Kaum hatte Brackenheim den Anstoß ausgeführt, klingelte es wieder. Markus Abelson, ebenfalls 18 und offenbar mit Turbo-Beinen ausgestattet, zog aus halblinker Position ab - 0:2 nach 19 Minuten. Auf der Brackenheimer Bank stand Trainer Koch (Name des Heimtrainers nicht angegeben, aber man sah die Körpersprache): Arme verschränkt, Blick gen Boden, vielleicht ein stilles Gebet, dass der Schlusspfiff früher käme.

Grebenstein spielte eine taktisch saubere, offensive Linie. Trainer Pipa Po, ein Mann mit dem Charme eines Schachgroßmeisters, hatte seine Elf auf Angriff über die Flügel eingestellt. 20 Torschüsse, 53 Prozent Ballbesitz und eine Passsicherheit, die an Lehrbuch-Fußball erinnerte. Brackenheim kam in 90 Minuten auf einen einzigen Torschuss - den setzte Hanns Brand in der 75. Minute ab. Der Ball flatterte gefährlich, aber Grebensteins Schlussmann Aitor Gamoneda (später durch Sergi Melendo ersetzt) war zur Stelle. "Ich hatte mal kurz das Gefühl, wir könnten noch was reißen", sagte Brand nach dem Spiel, "aber das Gefühl war genauso schnell weg wie der Ball."

Nach dem Seitenwechsel wollte Brackenheim sich stabilisieren, doch Grebenstein hatte noch Lust auf Fußball. In der 56. Minute traf der 17-jährige Duarte Baiao, frisch eingewechselt für Benjamin Bayer, zum 0:3. Der Assist kam von Linksverteidiger Lukas Fritzsche - und was für einer! Ein butterweicher Pass durch die Schnittstelle, Baiao nahm an, schaute, schob ein. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Fritzsche lachend zu. "Aber wenn’s ein Tor wird, sag ich das natürlich keinem."

Spätestens jetzt war klar: Brackenheim spielte nur noch Schadensbegrenzung. Die Gastgeber verteidigten tapfer, wenn auch etwas planlos, und kassierten obendrein noch eine gelbe Karte - Erik Geiger, der erfahrene Linksverteidiger (34), erwischte in Minute 83 einen Moment der Übermotivation.

Davor hatte Benjamin Browning, Grebensteins quirliger Linksaußen, schon das 0:4 besorgt (82.). Sein Schuss aus 18 Metern war so platziert, dass Brackenheims Torwart David Guillen nur noch resigniert hinterherschauen konnte. Der Pass kam von Innenverteidiger Herbert Hauser - ja, selbst die Abwehrspieler Grebensteins hatten Offensivdrang.

Die zweite Halbzeit brachte auch Pech für Brackenheim: Rechtsverteidiger Werner Erdmann verletzte sich in der 58. Minute, musste durch Martin Voss ersetzt werden. Der kämpfte tapfer, aber das Spiel war längst entschieden.

Nach dem Abpfiff war die Stimmung auf beiden Seiten eindeutig: Jubel hier, Ratlosigkeit dort. Trainer Pipa Po fasste das Spiel gewohnt trocken zusammen: "Wir wollten Tore schießen. Hat funktioniert." Auf der anderen Seite meinte Brackenheims Kapitän Felix Schneider: "Wir wollten auch Tore schießen. Hat nicht funktioniert."

Statistisch war das Spiel eine Lehrstunde: 20:1 Torschüsse, eine Zweikampfquote von knapp 60 Prozent für Grebenstein, dazu ein junges Team mit Spielfreude. Die Brackenheimer wirkten, als hätten sie die Fernbedienung verloren - immer einen Schritt zu spät, immer im falschen Moment am Ball.

Als die Flutlichtanlage erlosch, blieb das Gefühl, dass Grebenstein an diesem Abend ein paar Ligen besser spielte, als es die Tabelle vermuten lässt. Der VfL hingegen wird sich an diesem Ergebnis die Zähne ausbeißen - oder wenigstens an der Videoanalyse.

Ein älterer Fan fasste das Ganze auf der Tribüne perfekt zusammen: "Wenn du nur einmal aufs Tor schießt, darfst du dich über vier Gegentore nicht wundern." Wohl wahr.

Und während Grebenstein lachend vom Platz stapfte, murmelte ein Brackenheimer Betreuer leise: "Nächste Woche wird’s besser." Hoffentlich, denn schlimmer geht’s kaum.

21.05.643993 22:35
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