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Ein Flutlichtabend, wie er in der Landesliga 26 eben aussieht: 2314 Zuschauer, Bratwurstduft, ein leicht feuchter Rasen - und am Ende ein 0:0, das sich anfühlte wie ein Sieg für die Gäste und eine kleine Tragödie für den Gastgeber. Grebenstein spielte, Dörnberg betete, und irgendwie kam dabei ein torloses Remis heraus, das keinem so richtig schmeckte. Schon die ersten Minuten ließen erahnen, wohin die Reise geht. Dörnbergs Innenverteidiger Tim Lemke prüfte in der 7. Minute mit einem beherzten Schuss aus der zweiten Reihe den jungen Grebensteiner Keeper Michael Latham - ein kurzes Raunen, dann war’s das vorerst mit Dörnberger Offensivdrang. Danach übernahm Grebenstein das Kommando. Niels Marx, gerade mal 18 und offenbar mit unerschütterlichem Selbstvertrauen ausgestattet, zog in der 13. Minute erstmals gefährlich ab. Von da an rollte eine Angriffswelle nach der anderen auf Dörnbergs Torhüter Ralf Konrad zu. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft wir draufgehalten haben", seufzte Grebensteins Trainer Pipa Po nach dem Spiel. "Vielleicht war das das Problem - wir hätten mal lieber angefangen, richtig zu zielen." Tatsächlich verzeichnete Grebenstein 14 Torschüsse, während Dörnberg mit einem einzigen Versuch auskam. Doch was nützen Zahlen, wenn das Netz trocken bleibt? Björn Löffler, Gustav Weber und Benjamin Bayer reihten sich brav in die Liste der Unglücksraben ein, die Konrad oder die eigenen Nerven scheitern ließen. Zur Halbzeit stand’s 0:0, und man hörte auf der Tribüne einen älteren Zuschauer murmeln: "Die könnten bis Mitternacht spielen, und der Ball würde trotzdem nicht reingehen." Prophetische Worte. Trainer Po reagierte in der Pause und brachte mit Dennis Fuchs einen 17-jährigen Linksfuß, der frischen Wind bringen sollte. Und tatsächlich, die ersten Minuten nach Wiederanpfiff gehörten wieder den Gastgebern. Marx und Bayer feuerten aus allen Lagen, Thackeray versuchte es aus spitzem Winkel - doch Dörnbergs Abwehr stand wie eine Mauer aus Beton und Verzweiflung. In der 60. Minute griff Po erneut in die Trickkiste: Doppelwechsel. Lars Beckmann kam für den offensiv müden Bayer, Samuel Lankford ersetzte den jungen Thackeray. "Ich dachte, wenn schon alle schießen, darf auch mal der Außenverteidiger Pause machen", witzelte Po später. Doch auch die Routiniers brachten keinen Durchbruch. Lankford, sonst ein sicherer Vollstrecker, drosch in der 79. Minute den Ball über den Fangzaun - ein Schuss, der vermutlich noch in den Nachbardörfern zu hören war. "Der Ball war leicht nass", erklärte Lankford grinsend. "Oder meine Schuhe zu trocken." Dörnbergs Trainer, der nach Abpfiff nur knapp einem Siegerlächeln entging, lobte seine Mannschaft: "Wir haben heute gezeigt, dass man mit einem guten Torwart und viel Geduld auch mit einem Punkt nach Hause fahren kann." Ralf Konrad, der Mann des Abends, fasste es etwas direkter: "Ich hatte das Gefühl, die wollten mich testen. Ich hab bestanden." Grebenstein hatte am Ende 55 Prozent Ballbesitz, gewann fast 60 Prozent der Zweikämpfe und spielte sich phasenweise in einen Rausch - nur eben in keinen Torrausch. Der Ball lief, die Beine liefen, aber das Glück blieb sitzen. Selbst die taktischen Werte zeigten: Grebenstein ging offensiv ans Werk, spielte über die Flügel, zeigte starkes Pressing, aggressives Zweikampfverhalten und kurzes Passspiel. Dörnberg dagegen blieb stoisch, verzichtete auf Pressing und hoffte auf Fehler. Und siehe da - der Plan ging auf. "Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen", sagte Po, während er sich die Kappe in den Nacken schob. "Außer vielleicht, dass sie das Runde mal ins Eckige hätte schießen dürfen." So blieb es beim 0:0, einem dieser typischen Spiele, über die man am Stammtisch sagt: "Die hätten noch Stunden weiterspielen können." Im Grebensteiner Vereinsheim wurde später sogar gemunkelt, man habe mehr Treffer an der Theke als auf dem Platz erzielt. Ein trostloses Ergebnis? Vielleicht. Aber ein Abend voller Geschichten, Emotionen und dieser kleinen, bitteren Ironie, die den Fußball so schön macht. Und wer weiß - vielleicht trifft Grebenstein ja beim nächsten Mal. Irgendwann. Sicher. Ganz sicher. Oder, wie einer der Fans beim Hinausgehen sagte: "War doch schön. Hauptsache, die Würstchen waren heiß." 16.01.643991 08:39 |
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