La Hora
+++ Sportzeitung für Ecuador +++

Grecia Chone trotzt Enelec ein 1:1 ab - mit Mut, Mücken und Meyer-Magie

Ein lauer Abend in Chone, 26.803 Zuschauer, und über dem Stadion hängt dieser Geruch von Grillkohle, Hoffnung und leichtem Adrenalin. Es ist der 9. Spieltag der 1. Liga Ecuador, und Grecia Chone empfängt den Favoriten Atletico Enelec - ein Spiel, das laut Papier eigentlich eine klare Angelegenheit hätte werden müssen. Doch das Papier hat sich geirrt.

Schon nach zehn Minuten gibt’s den ersten Jubelorkan: Xabier Rielo, der flinke Linksaußen der Gastgeber, zieht nach einem energischen Sprint über die linke Seite in die Mitte und haut das Ding kompromisslos unter die Latte - 1:0! "Ich hab einfach instinktiv draufgehalten", grinste Rielo später, "und gehofft, dass der Ball nicht auf dem Parkplatz landet." Tat er nicht. Der Parkplatz blieb verschont, das Tornetz nicht.

Enelec, vom Anstoß weg sichtlich überrascht, brauchte eine Weile, um den Schock zu verdauen. Trainer Alfons Witzel tigerte an der Seitenlinie entlang, schüttelte den Kopf und brüllte etwas, das entfernt wie "Konzentriert euch!" klang - oder vielleicht auch "Kaffee später!". Schwer zu sagen. Doch seine Mannschaft fing sich, und mit zunehmender Spielzeit kam der Favorit ins Rollen.

Vor allem Dusko Krstajic und Giovanni Degano wirbelten die linke Seite der Chone-Abwehr ordentlich durcheinander. Sie schossen aus allen Lagen - insgesamt brachte Enelec es auf stolze 16 Torschüsse, während die Gastgeber mit sieben Versuchen eher sparsam umgingen. Der Ballbesitz? Fast ausgeglichen: 50,2 Prozent für Chone, 49,8 für Enelec. Das klang nach Gleichgewicht, sah aber nach Dauerdruck aus.

In der 42. Minute fiel schließlich der Ausgleich - und was für einer! Dawid Majak, Enelecs unermüdlicher Rechtsaußen, vollendete eine butterweiche Vorlage von Catalin Sandu. Ein Angriff wie aus dem Lehrbuch: schnell, direkt, präzise. 1:1. "Sandu sieht Dinge, die andere erst in der Wiederholung erkennen", lobte Witzel nach der Partie, während Majak mit einem breiten Grinsen danebenstand: "Ich musste nur noch den Fuß hinhalten - aber das war der schwerste Teil."

Grecia-Trainer Flasche Leer - ja, tatsächlich so heißt er - blieb währenddessen erstaunlich ruhig. "Wir wussten, dass Enelec irgendwann trifft", sagte er später trocken. "Aber wir wussten auch, dass wir ihnen den Spaß verderben können." Seine Mannschaft tat genau das. Mit taktischer Disziplin, einer ordentlichen Portion Einsatz und einem Torwart, der an diesem Abend offenbar Hände aus Klebstoff hatte.

Fabian Meyer, 26, Torhüter von Chone, war der Mann des Spiels. Er fischte in der zweiten Halbzeit Schüsse von Krstajic, Barros und Degano aus den Ecken, als hätte er Spinnenarme. "Ich hab einfach gehofft, dass mich keiner weckt", witzelte Meyer nach dem Abpfiff. "Solche Tage hat man nicht oft."

Enelec drängte, kombinierte, traf aber einfach nicht mehr. Chone verteidigte clever, mit einer Mischung aus beherztem Körpereinsatz und gelegentlichem Chaos. In der 88. Minute hätte es sogar fast noch den Lucky Punch gegeben: Luís Custodio tauchte nach einem langen Ball frei vor Enelec-Keeper Benjamin Beecroft auf, scheiterte jedoch an dessen Fußabwehr. Witzel nahm den Fehlversuch sportlich: "Wenn der reingeht, hätte ich mein Klemmbrett verloren - vor Wut oder Freude, das weiß ich nicht."

Die Schlussphase wurde zu einem kleinen Abnutzungskampf. Enelec warf alles nach vorn, doch Chone blieb standhaft - auch, weil der Rasen mittlerweile mehr Erde als Gras war. Als Schiedsrichter Salazar nach 93 Minuten abpfiff, jubelten die Heimfans, als hätten sie den Titel gewonnen.

"Das war ein Punkt aus Leidenschaft", sagte Coach Leer beim Gang in die Kabine. "Und Leidenschaft kostet manchmal weniger Nerven als Glück." Im Hintergrund lachten seine Spieler, einer sprühte Wasser in die Luft, ein anderer sang etwas, das wohl eine Hymne sein sollte.

Am Ende steht also ein 1:1, das sich für Grecia Chone wie ein Sieg anfühlt und für Atletico Enelec wie ein schlechter Scherz. Die Gäste waren statistisch überlegen, spielerisch reifer - aber am Ende fehlte das letzte Quäntchen Konsequenz.

Vielleicht lag es am lauen Abend, vielleicht an den Mücken, vielleicht einfach an der unerschütterlichen Ruhe eines Torhüters namens Meyer.

Und so bleibt die Erkenntnis dieses Spiels: Fußball ist kein Rechenexempel. Manchmal reicht ein frühes Tor, ein bisschen Glück - und ein Trainer, der Leer heißt, aber seine Mannschaft voller machen kann als jede Statistik.

21.04.643987 20:57
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