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Wer am Sonntagabend im Estadio Jocay in Manta auf ein spannendes Duell hoffte, bekam immerhin viele Tore zu sehen - allerdings alle in ein und dasselbe Netz. Vor 20.000 Zuschauern erlebte CD Manta beim 0:7 gegen Grecia Chone einen jener Fußballabende, die man am liebsten sofort aus dem Vereinsarchiv löschen würde. Schon die Anfangsphase war ein Lehrstück in Sachen Demütigung mit Stil. In der 12. Minute eröffnete Ophir Mofaz den Torreigen, als er eine butterweiche Flanke von Jacek Kukielka volley in die Maschen drosch. "Ich hab nur den Fuß hingehalten", grinste Mofaz später, "aber ehrlich gesagt, das war Absicht." Kaum hatten die Manta-Fans den ersten Schock verdaut, stand es bereits 0:2 - Andres Mascarenhas schlenzte den Ball nach Vorlage von Innenverteidiger Juan Pablo Castano ins Eck (13.). Und weil aller guten Dinge drei sind, legte der junge Domingo Farinos acht Minuten später nach. Während Grecia Chone über die Flügel wirbelte, wirkte Manta wie ein Team, das sich noch mit den Spielregeln vertraut machte. Die Gastgeber hatten zwar 44 Prozent Ballbesitz, doch wer den Ball nur quer spielt, kommt selten weit. Der einzige Torschuss Mantás in der ersten Halbzeit kam von Pablo Jorge in der 35. Minute - ein Schüsschen, das der gegnerische Torhüter Bruno Goncalves vermutlich mit geschlossenen Augen gefangen hätte. David Bonnaire setzte in der 31. Minute mit dem 0:4 den Halbzeitstand. Sein Treffer nach Vorlage von Jiri Heinz war so präzise, dass man fast Mitleid mit Alexander Kelly im Tor der Gastgeber bekam. "Bei uns war heute jeder Schuss ein Treffer", sagte Grecia-Coach Flasche Leer mit einem Schmunzeln. "Ich hoffe, die Statistikabteilung hat genug Papier, um alles aufzuschreiben." Nach der Pause änderte sich das Bild kaum. Mascarenhas schnürte in der 55. Minute seinen Doppelpack, wieder nach Vorarbeit von Kukielka. Der rechte Flügel war an diesem Abend ein Highway Richtung Manta-Strafraum, und die Verteidiger schienen gute Kunden auf dieser Strecke zu sein. Domingo Farinos erhöhte in der 78. Minute auf 0:6. Der 21-Jährige, der spielt, als hätte er schon 200 Erstligaspiele hinter sich, ließ zwei Gegner stehen und schob eiskalt ein. "Ich fühlte mich heute wie in einem Videospiel - nur ohne Pause-Taste", witzelte er nach dem Spiel. Den Schlusspunkt setzte ausgerechnet Linksverteidiger Diego de Freitas in der Nachspielzeit (92.). Nach einem feinen Zuspiel von Farinos probierte er es einfach mal - und traf. Es war der 22. Torschuss der Gäste. "Wenn sogar der Außenverteidiger trifft, weiß man, dass es läuft", grinste Flasche Leer, der seinen Namen an diesem Abend ad absurdum führte - voll war eher das Punktekonto. Bei CD Manta dagegen herrschte betretenes Schweigen. Trainer wollte sich keiner nennen, denn im offiziellen Protokoll fehlt er tatsächlich. Ein anonymer Betreuer murmelte nur: "Wir haben heute viel gelernt - zum Beispiel, dass man auch mal einen Zweikampf gewinnen darf." Mit einer Zweikampfquote von 41 Prozent blieb das allerdings Theorie. Liam Schneider, der in der 15. Minute Gelb sah, war einer der wenigen, die sich überhaupt wehrten. "Ich wollte wenigstens zeigen, dass wir noch da sind", sagte der Rechtsverteidiger, "aber irgendwann verlierst du einfach den Überblick, wer gerade wieder getroffen hat." Statistisch gesehen war es eine Machtdemonstration: 22 Torschüsse zu 1, 55 Prozent Ballbesitz für Grecia, und jeder Angriff über die Flügel eine kleine Explosion. Ihr Passspiel war kurz, präzise, fast schon arrogant elegant. Selbst das Pressing war nur sporadisch, denn wozu Druck machen, wenn der Gegner sich selbst zerlegt? Als der Schiedsrichter endlich abpfiff, atmete Manta erleichtert auf - und die Fans applaudierten ironisch. Einer rief: "Beim nächsten Mal üben wir das Verteidigen!" Ein anderer schlug vor, dass man vielleicht einfach das Rückspiel ausfallen lassen sollte. Grecia Chone hingegen feierte ausgelassen, aber mit einem Augenzwinkern. "Wir wissen, dass das nicht jede Woche so läuft", meinte Doppeltorschütze Mascarenhas. "Aber wenn es läuft, dann läuft’s." Fazit: Ein Spiel wie ein Verkehrsunfall in Zeitlupe - man konnte nicht hinsehen, aber auch nicht wegschauen. Grecia Chone tanzte, Manta stolperte. Und am Ende blieb ein Ergebnis, das in den Geschichtsbüchern stehen wird - zumindest bis CD Manta beschließt, die Seite zu zerreißen. 26.05.643987 18:55 |
Sprücheklopfer
Wenn er sich bei Interna nicht zurückhalten kann, gibt es nur einen Verlierer. Wenn er weiter attackiert, werde ich auspacken, und das ist so wie bei Star Wars, wenn das Imperium zurückschlägt!
Jan-Aage Fjörtoft zu Äußerungen von Felix Magath nach dessen Entlassung bei Eintracht Frankfurt