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Greifen drehen das Spiel: Ascona verliert nach Blitzstart mit 1:2

Promotion League A | 23. Spieltag | 28.07.26 | Züricher Greifen - FC Ascona 2:1

Es gibt Fußballabende, an denen ein 2:1 wie ein sauber geplanter Heimsieg aussieht. Und es gibt Fußballabende wie diesen in Zürich, an denen die Zuschauer erst leiden, dann jubeln und am Ende vermutlich überprüfen, ob ihre Sitznachbarn ebenfalls dieselben 90 Minuten gesehen haben. Die Züricher Greifen besiegten den FC Ascona am 23. Spieltag der Promotion League A mit 2:1 - nach 0:1-Rückstand zur Pause.

10.247 Zuschauer waren um 20.30 Uhr dabei und sahen zunächst einen FC Ascona, der mit offensiver Ausrichtung, kurzen Pässen und aktivem Pressing auftrat. Die Gäste liefen an, als hätten sie im Mannschaftsbus versehentlich den Rückwärtsgang vergessen. Bereits in der 11. Minute prüfte Innenverteidiger Swen Picard den Zürcher Schlussmann Bernard Berg mit einem Torschuss. In der 33. Minute versuchte sich Bryan Truyens, doch auch dieser Versuch brachte keinen Ertrag.

Die Greifen blieben in der Anfangsphase ihrer ausgewogenen Linie treu. Kein wildes Anrennen, kein taktischer Aktionismus - eher die Fußball-Version eines Menschen, der beim Buffet zunächst einmal höflich schaut, was angeboten wird. Mit 57,6 Prozent Ballbesitz kontrollierte Zürich zwar das Spiel, kam aber nur selten gefährlich vor das Tor.

Kurz vor der Pause schlug Ascona dann zu. In der 45. Minute traf Mike Kluge zur Führung. Der 19-jährige linke Angreifer nutzte eine der wenigen wirklich klaren Möglichkeiten und schickte die Gäste mit einem 1:0 in die Kabine. Sein junger Teamkollege Swen Picard hatte den Treffer vorbereitet. Auf der Tribüne machte sich jene besondere Stille breit, in der Fans gleichzeitig hoffen und bereits anfangen, innerlich die Schuldigen zu sortieren.

"Wir wussten, dass wir ruhig bleiben müssen", soll der Greifen-Trainer seinen Spielern in der Pause zugerufen haben. Eine bemerkenswert vernünftige Idee - im Fußball ungefähr so selten wie ein komplett stressfreier Montag.

Die Wirkung war sofort sichtbar. Nur zwei Minuten nach Wiederanpfiff glich Gerhard Engelhardt aus. Der rechte Mittelfeldspieler vollendete nach Zuspiel von Georg Steiner zum 1:1. Plötzlich war das Spiel ein anderes: Zürich spielte direkter, gewann mehr Räume und erhöhte den Druck. Jean Beaupre und Oleg Tatartschuk sorgten mit weiteren Abschlüssen dafür, dass Asconas Torwart Marco Ackermann nun deutlich mehr zu tun bekam als in der ersten Halbzeit.

In der 55. Minute drehte Zürich die Partie endgültig. Guillaume Claude traf zum 2:1, Jasper Speeck lieferte die Vorlage. Claude blieb damit nicht nur erfolgreich, sondern auch weiterhin gefährlich: In der 64. Minute folgte ein weiterer Abschluss. Die Greifen hatten das Spiel in dieser Phase fest im Griff - trotz der Tatsache, dass ihre taktische Marschroute weiterhin erstaunlich unspektakulär blieb. Ausgewogen, kontrolliert, effizient. Für Romantiker vielleicht langweilig, für die Tabelle höchst erfreulich.

Dann wurde es hektisch. Georg Steiner musste in der 65. Minute verletzt vom Feld und wurde durch Jermolai Anissin ersetzt. Zwei Minuten später sah Julius Pare seine zweite Gelbe Karte und musste vom Platz. Zürich war nun in Unterzahl und Ascona witterte die Chance zur späten Rückkehr. Ben Bachmann kam in der Schlussphase noch zu zwei Torschüssen in der 85. und 86. Minute. Der Ausgleich blieb jedoch aus.

Am Ende standen acht Zürcher Torschüsse fünf der Gäste gegenüber. Ascona hatte nach dem Rückstand zwar wieder mehr Einsatz gezeigt, doch die Greifen verteidigten den Vorsprung mit jener Mischung aus Ordnung und Nervosität, die im Fußball gemeinhin als "spannend" verkauft wird.

"Wir haben nach dem 0:1 Charakter gezeigt", sagte Engelhardt nach dem Abpfiff. Trainer Rainer Zufall musste dagegen feststellen: "Wir hatten das Spiel lange gut im Griff. Leider dauert eine Partie 90 Minuten - eine ziemlich unpraktische Regel."

Für die Züricher Greifen bleibt ein verdienter 2:1-Heimsieg. Für Ascona die Erkenntnis, dass ein Vorsprung zur Pause zwar schön aussieht, aber noch lange keine Eintrittskarte zum Punktgewinn ist.

28.07.2026 21:06
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