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Greifen drehen das Spiel: Späte Flügel, junger Held

Promotion League A | 5. Spieltag | 09.07.26 | Züricher Greifen - FC Münsingen 2:1

Die Züricher Greifen haben am Donnerstagabend im heimischen Stadion vor 11.960 Zuschauern ein Spiel geliefert, das in die Kategorie "unerklärlich, aber unterhaltsam" fällt. Nach einer zähen ersten Halbzeit und einem frühen Rückstand gegen den FC Münsingen drehten die Gastgeber die Partie und siegten am Ende mit 2:1 - dank eines 17-jährigen Debütanten, der offenbar nicht wusste, dass man in solchen Momenten eigentlich Nerven haben sollte.

Den besseren Start erwischten die Gäste aus Münsingen. Schon nach zwölf Minuten klingelte es im Kasten von Jason Pfeiffer, der sich vergeblich in die rechte Ecke streckte. Maurice Walther, agiler Flügelmann mit Hang zum Risiko, verwandelte nach schöner Vorarbeit von Alexandre Kolb zum 0:1. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen, als Kolb da noch mal den Fuß reinhielt", knurrte Greifen-Kapitän Julius Pare später. Pfeiffer kommentierte trocken: "Da war mehr Präzision drin, als mir lieb war."

In der Folge entwickelte sich ein Spiel, das eher an ein Schachduell auf rutschigem Rasen erinnerte. Die Greifen hatten mit 52,7 Prozent zwar etwas mehr Ballbesitz, doch Münsingen schoss häufiger aufs Tor - zwölf Mal, um genau zu sein. Immer wieder prüften Heise, Ames und Saint-Pierre den Züricher Keeper, der jedoch mit Katzenreflexen und dem nötigen Glück Schlimmeres verhinderte.

Zur Halbzeit stand es 0:1, und auf den Rängen machte sich Unmut breit. Ein älterer Herr im Greifen-Trikot rief laut: "Mehr Flügel zeigen, Jungs!" - ob das die Wende einleitete, ist unklar. Aber pünktlich zur 59. Minute flatterte tatsächlich etwas mehr Schwung in die Züricher Offensive.

Jermolai Anissin, der 31-jährige Rechtsaußen mit der Ruhe eines Schachgroßmeisters, nahm einen Pass von Jasper Speeck an, drehte sich einmal um die eigene Achse - und zimmerte den Ball mit Wucht ins rechte Eck. 1:1. Der Jubel hallte bis in die Tramlinie 5, und Trainer der Greifen (dessen Name im Protokoll diskret verschwiegen wurde) brüllte an der Seitenlinie: "Endlich Mut, Männer!"

Münsingen hingegen wirkte kurz geschockt, fing sich aber wieder. Zwischen Minute 60 und 70 folgten gefährliche Abschlüsse von Saint-Pierre und Ames, doch Pfeiffer blieb der ruhende Pol inmitten des Chaos. "Er hat uns im Spiel gehalten", lobte Anissin später.

Dann kam die Szene des Abends. 71. Minute. Wieder Anissin, diesmal auf links. Ein kurzer Blick, ein präziser Querpass - und da stand er: Jean Beaupre, 17 Jahre jung, kaum Bartwuchs, aber mit dem Selbstvertrauen eines Routiniers. Direktabnahme, flach ins Eck. 2:1 für Zürich. Das Stadion explodierte. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste der Teenager nach dem Spiel. "Die Jungs haben gesagt, ich soll Spaß haben - das hab ich dann wohl gemacht."

Die letzten zwanzig Minuten wurden zum Nervenkrieg. Münsingen drückte, Zürich verteidigte - mal mit Geschick, mal mit Glück. Julius Pare sah in der 85. Minute Gelb, weil er "den Ball zu leidenschaftlich blockierte", wie der Schiedsrichter es formulierte. Und Rafael Makukula von Münsingen bekam in der Nachspielzeit erst Gelb, dann Gelb-Rot - wohl ein Fall von zu viel Adrenalin und zu wenig Geduld.

Am Ende jubelte Zürich, während Münsingen konsterniert den Rasen verließ. "Wir haben das Spiel aus der Hand gegeben", murmelte Münsingen-Trainer (auch er blieb namenlos) in die Mikrofone. "Vielleicht hätten wir weniger schön und mehr effektiv spielen sollen."

Statistisch betrachtet war es ein ausgeglichenes Duell: 9 Torschüsse der Greifen, 12 der Gäste, beinahe identische Zweikampfwerte. Doch Fußball wird bekanntlich nicht in Excel entschieden. "Am Ende zählt das Herz", sagte Greifen-Coach mit glasigen Augen. "Und das hatte heute der Jüngste auf dem Platz."

Während die Fans noch sangen und der Sommerabend über Zürich glühte, stapfte Beaupre in die Kabine, sein Trikot klatschnass, das Lächeln breit. Ein Fotograf fragte, ob er den Ball des Spiels bekomme. "Klar", sagte der Junge, "aber nur, wenn Jermolai unterschreibt."

So endete ein Abend, der zeigte, dass Erfahrung wichtig ist - aber jugendlicher Leichtsinn manchmal die besseren Geschichten schreibt.

Und irgendwo in der Stadt wird wohl noch lange jemand von diesem Moment erzählen, als ein 17-Jähriger die Greifen fliegen ließ.

09.07.2026 22:18
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