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Promotion League A | 10. Spieltag | 14.07.26 | FC Küssnacht - Züricher Greifen 0:6 Schon nach einer Viertelstunde war klar, dass hier nur ein Team Fußball spielte - und das trug Greifen auf der Brust. In der 9. Minute eröffnete Gerhard Engelhardt den Torreigen nach Vorarbeit von Jasper Speeck. Drei Minuten später durfte Jermolai Anissin nach Vorlage von Jannis Fröhlich ebenfalls jubeln. Und damit war die Messe praktisch gelesen, bevor Küssnacht überhaupt die eigene Hälfte verlassen hatte. "Wir wollten offensiv beginnen", murmelte ein sichtlich gezeichneter Heimtrainer nach Abpfiff. "Wir haben es auch versucht - nur leider war der Ball ständig bei denen." Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 25 Schüsse auf das Tor der Küssnachter stehen einem einzigen Versuch der Gastgeber gegenüber. 44 Prozent Ballbesitz für Küssnacht - das klingt auf dem Papier nach Ausgeglichenheit, auf dem Platz aber war es ein 90-minütiges Ausstellungsstück Züricher Dominanz. Christoph Martin, der Linksaußen der Greifen, war der Mann des Abends. In der 31. Minute vollstreckte er eiskalt nach feinem Zuspiel von Fröhlich - und legte nur fünf Minuten später nach, diesmal mit Assist von Speeck. 4:0 nach 36 Minuten, und das Publikum begann, aus purer Selbstironie bei jedem halbwegs gelungenen Pass der Küssnachter zu applaudieren. "Ich habe irgendwann einfach aufgehört zu zählen", grinste ein junger Fan im Trikot von FC Küssnacht, "aber mein Vater meinte, wir sollten wenigstens bleiben - so oft sieht man so gutes Passspiel hier nicht." Kurz vor der Pause schlug Anissin erneut zu, nach Flanke von Oleg Tatartschuk - 0:5 zur Halbzeit. Der Pausenpfiff kam für Küssnacht wie ein Gnadengesuch. Man konnte fast hören, wie die Spieler innerlich darum baten, dass jemand den Stecker zieht. Die zweite Hälfte verlief etwas gnädiger, zumindest zahlenmäßig. Zürich schaltete einen Gang zurück - man konnte es sich leisten. Trotzdem fiel in der 53. Minute noch das sechste Tor: wieder Christoph Martin, diesmal nach Vorlage von Anissin. Danach wurde das Spiel zu einer Art Trainingsspiel mit Publikum. "Ich habe meinen Jungs gesagt, sie sollen den Ball einfach mal halten", meinte Züricher Trainer nach dem Spiel mit einem Schmunzeln. "Aber sie haben mich wohl falsch verstanden - sie hielten ihn einfach immer." Der Rest war Schadensbegrenzung. Küssnacht verdiente sich immerhin eine Gelbe Karte (Yves Michael, 78.), was bei dieser Art von Abend fast schon als Lebenszeichen gelten darf. Goalkeeper Alexandre Martineau verhinderte mit mehreren Paraden Schlimmeres - ja, es hätte zweistellig werden können. "Wenn man 25 Schüsse auf sein Tor bekommt, ist man froh, wenn der Schlusspfiff kommt", sagte er mit einem gequälten Lächeln. "Ich habe irgendwann angefangen, die Latte zu duzen." Auf Züricher Seite kassierte Oleg Tatartschuk in der 71. Minute Gelb, vermutlich aus purer Langeweile. Sein Trainer nahm’s sportlich: "Wenn man 6:0 führt, darf man auch mal ein bisschen Farbe bekennen." Die Greifen präsentierten sich taktisch diszipliniert - eine ausgewogene, balancierte Ausrichtung, kein wildes Pressing, kein Hauruck-Fußball. Einfach kluges, sauberes Spiel. Küssnacht dagegen versuchte es mit einer offensiven Grundordnung - ironischerweise jene, die ihnen am meisten schadete. Als der Schiedsrichter abpfiff, applaudierten die Zuschauer höflich. Vielleicht aus Respekt, vielleicht aus Erleichterung. Auf der Tribüne kommentierte ein älterer Anhänger trocken: "Wir sind heute wohl in der falschen Liga aufgewacht." Zürichs Dreifachtorschütze Martin fasste es am besten zusammen: "Es gibt Tage, da geht einfach alles rein - und zum Glück war’s heute." In Küssnacht dagegen wird man die Nacht wohl mit Videoanalyse verbringen müssen. Oder mit Baldrian. Ein Abend, der in Erinnerung bleibt - zumindest in Zürich. Für Küssnacht dagegen eher einer, den man schnell vergessen möchte. Aber wie man so schön sagt: Auch eine 0:6-Niederlage ist nur eine besonders laute Art, um zu lernen. 14.07.2026 22:11 |
Sprücheklopfer
Statistiken, Statistiken, für Statistiken habe ich mich schon früher nicht interessiert. Statistiken sind dafür da, um gebrochen zu werden.
Matthias Sammer