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Ein 0:0 kann ein schnarchlangweiliges Fußballspiel bedeuten. Aber nicht dieses. Beim Duell zwischen **Greve Fodbold** und **Blokhus FC** am dritten Spieltag der 1. Liga Dänemark erlebten 52.231 Zuschauer ein torloses, aber keineswegs ereignisloses Spektakel. Nur: das Netz blieb unberührt. Und wenn man ehrlich ist - der Ball war vermutlich beleidigt, dass er so oft getroffen und doch nie erlöst wurde. Greve zeigte von Beginn an, warum Trainer **Jean Vignoble** seine Taktik auf "offensiv, aggressiv und aus allen Lagen schießen" eingestellt hatte. Schon in der sechsten Minute prüfte Morgan Boyd den Keeper von Blokhus, Christopher Darabont, mit einem satten Distanzschuss. Eine Minute später zog Marco Alves aus spitzem Winkel ab - und Darabont flog wie ein junger Adler. "Ich habe den Ball nur kommen sehen und gehofft, meine Hände sind irgendwo in der Nähe", grinste der Torwart nach dem Spiel. Blokhus hingegen wirkte, als hätten sie das Spiel eher als Yoga-Einheit geplant. Ballbesitz fast ausgeglichen (49,5 %), aber nur zwei Schüsse aufs Tor - einer in der 9. Minute von Gerd Ludvigsen, der andere spät in der 85. durch Hans Svenningsen. Beide Versuche landeten - sagen wir es freundlich - im Bereich "freundliche Erinnerung an den Torwart". Greve dagegen feuerte, als gäbe es Bonuspunkte pro Versuch. 19 Torschüsse, und jeder einzelne sah gefährlich aus - bis der Moment kam, in dem der Ball entschied, lieber daneben zu gehen. Besonders **Aron Petersen** war der Inbegriff der Verzweiflung: sechs Abschlüsse, keiner drin. In der 78. Minute, nach erneut vergebener Riesenchance, brüllte er Richtung Himmel: "Was muss man hier tun, um ein Tor zu machen? Beten?" - Der Himmel blieb stumm, das Netz auch. Zur Halbzeit stand es 0:0, aber Greve hatte bereits zehn Schüsse aufs Tor abgefeuert. In der Kabine, so verriet später Trainer Vignoble, sei es "laut, aber höflich" zugegangen. "Ich habe den Jungs gesagt: Wenn ihr weiter so spielt, kriegen wir irgendwann eins rein - aber sicher nicht rein", lachte er mit französischem Akzent, der die Ironie doppelt charmant machte. Die zweite Hälfte begann, wie die erste geendet hatte: Greve drückte, Blokhus verteidigte und Darabont verwandelte sich endgültig in eine Mischung aus Katze und Wand. In der 60. Minute kam Petersen erneut frei zum Schuss - und wieder flog der Keeper dazwischen. "Ich glaube, er hat eine Fernbedienung für seine Arme", murmelte Marco Alves nach dem Spiel. Auch **Tyler Young** durfte sich mehrfach versuchen, in der 65. Minute aus 20 Metern, in der 70. nach einem Freistoß - beides Male knapp vorbei. Selbst Rechtsverteidiger **Vilmar Dahl** mischte in der 72. Minute mit, als er einfach beschloss, dass er jetzt auch mal draufhauen müsse. Sein Versuch ging haarscharf am Pfosten vorbei. "Ich wollte nur sehen, ob’s jemand merkt", sagte er später mit einem Grinsen. In der Schlussphase brachte Vignoble frische Kräfte. **Severin Juul** kam für den jungen Hagen Storm, der zuvor gleich drei gute Chancen vergeben hatte. Doch auch Juul fand keine Lücke in Blokhus’ Mauer. Und als Alves in der 92. Minute noch einmal abzog, hielt Darabont den Punkt fest - im wahrsten Sinne. Jean Vignoble war nach Schlusspfiff hin- und hergerissen zwischen Stolz und Ratlosigkeit: "Wir haben alles gemacht außer Tore. Ich überlege, ob wir das Tor vielleicht beim nächsten Spiel etwas breiter malen lassen." Auf der anderen Seite zeigte sich Blokhus-Trainer - der seinen Namen lieber nicht in die Schlagzeilen bringen wollte - erleichtert: "Ein Punkt ist ein Punkt. Und heute fühlt sich dieser Punkt an wie ein Lottogewinn." Statistisch gesehen war das Spiel eine klare Angelegenheit: 19:2 Torschüsse, 58 % gewonnene Zweikämpfe, fast 51 % Ballbesitz für Greve. Nur in der wichtigsten Kategorie - den Toren - stand am Ende die Null. Aber manchmal, so scheint es, ist selbst ein torloses Spiel ein kleines Drama voller Emotionen, Ironie und fliegender Keeper. Im Stadion blieb das Publikum bis zum letzten Pfiff lautstark dabei. Ein älterer Fan fasste es beim Hinausgehen perfekt zusammen: "Wenn das 0:0 so aussieht, dann bitte nächste Woche wieder." Und so endete ein Abend, der zeigte, dass Fußball nicht immer Tore braucht, um spannend zu sein - aber vielleicht doch ein bisschen Glück. Denn das hatte Greve an diesem Abend sicher zu Hause vergessen. 22.02.643987 13:58 |
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Nein, ich bin nicht enteiert.
Berti Vogts