Noticiero VeneVision
+++ Sportzeitung für Venezuela +++

Guaro Larense rettet spät einen Punkt - Remis mit viel Rauch und Emotionen

Ein Abend voller Schweiß, Schüsse und Schimpfkanonaden: Beim 1:1 zwischen Guaro Larense und AD El Vigia erlebten die 41.417 Zuschauer im Estadio de Barquisimeto einen dieser Abende, an denen man sich fragt, ob Fußball nicht doch eher Theater mit Ball ist. Zwei Tore, ein paar Gelbe Karten, viele Torschüsse - und jede Menge Drama auf und neben dem Platz.

Schon vor dem Anpfiff wirkte Trainer Jan Ost erstaunlich gelassen. "Wenn wir den Ball mal nicht verlieren, wird’s gefährlich", grinste er. Sein Gegenüber Xabi Alsonso - ja, mit "s", nicht mit "z" - sah das naturgemäß anders: "Wir wollen dominieren. Und wenn’s nicht klappt, tun wir wenigstens so."

In den ersten zwanzig Minuten war das Spiel ein kleines Chaos mit System: Larense rannte, El Vigia konterte, der Ballbesitz war fast ausgeglichen (49,6 zu 50,4 Prozent), aber die besseren Chancen hatten die Hausherren. Leo Benveniste prüfte den Keeper zweimal (19. und 28.), Duarte Gama verzog knapp (24.). Doch dann kam die 35. Minute - und die eiskalte Dusche für das Heimteam. Jake Winston flankte von rechts, Aristarkh Aldonin rauschte heran und drosch den Ball humorlos unter die Latte. 0:1 - und die Gäste jubelten, als hätten sie gerade die Copa Libertadores gewonnen.

"Ich hab nur die Augen zugemacht", gestand Aldonin nach dem Spiel lachend. "Und plötzlich war der Ball drin. Vielleicht sollte ich das öfter machen."

Guaro Larense wirkte kurz geschockt, fing sich aber. Noch vor der Pause probierte es Xabier Semedo, doch der Ball rauschte knapp vorbei. Trainer Ost schüttelte nur den Kopf und murmelte in Richtung seiner Bank: "Wenn wir heute treffen, dann wahrscheinlich mit dem Rücken."

Nach der Pause kam tatsächlich der Rücken - oder zumindest der Wille. In der 53. Minute kombinierten sich Guillaume Neville und Duarte Gama durch den Strafraum, und Gama vollendete mit einem satten Schuss ins lange Eck. 1:1, das Stadion vibrierte, und plötzlich glaubte jeder an das große Comeback.

El Vigia reagierte mit gleich drei Wechseln zur Halbzeit. Alsonso hatte offenbar keine Lust, die Partie aus der Hand zu geben. Der neue Keeper Iker Gil hielt seine Mannschaft mit starken Paraden gegen Benveniste (56.) und Semedo (65.) im Spiel. Doch an der Seitenlinie gestikulierte Alsonso unermüdlich, als wolle er ein Orchester dirigieren. "Wir haben zu früh aufgehört, Fußball zu spielen", grantelte er später. "Vielleicht dachten die Jungs, das 1:0 reicht in Venezuela bis Montag."

Larense drückte nun, elf Torschüsse insgesamt, doch das Tor wollte nicht mehr fallen. In der 78. Minute zirkelte Benveniste einen Freistoß auf die Latte, kurz darauf versuchte sich Rechtsverteidiger Fernando Brito - ebenfalls vergeblich. Der Ballbesitz pendelte hin und her, die Zweikampfquote sprach leicht für Larense (53,7 Prozent), aber der endgültige Knockout blieb aus.

Ein bisschen Farbe brachte noch die 82. Minute: Petar Jowow von El Vigia sah Gelb, nachdem er mehr den Gegner als den Ball getroffen hatte. "Alles fair", sagte er später mit einem Grinsen, "in meiner Heimat nennt man das Ballberührung - nur eben vor dem Ball."

Die Schlussphase glich einem Nervenkrimi. In der Nachspielzeit versuchte es Innenverteidiger Vitor Beto noch einmal per Kopf - der Ball strich hauchdünn über die Latte. Dann pfiff der Schiedsrichter ab, und beide Teams sanken auf den Rasen.

"Ein Punkt ist besser als gar keiner", resümierte Jan Ost nachdenklich. "Aber wenn man elfmal aufs Tor schießt, darf man ruhig auch mal zwei machen." Sein Kollege Alsonso konterte mit süffisantem Lächeln: "Ich bin zufrieden. 50 Prozent Ballbesitz - das ist fast schon Kontrolle."

So blieb es beim 1:1, einem lehrbuchreifen Beispiel für das, was man in Venezuela wohl als "gerechtes Unentschieden mit viel Theater" bezeichnen würde. Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft mit Applaus, einige mit einem Schulterzucken, andere mit dem Gefühl, dass hier mehr drin war.

Und irgendwo in der Kabine summte Duarte Gama später leise vor sich hin: "Ein Punkt ist ein Punkt." Vielleicht hat er recht. Vielleicht war das gar kein verlorenes Spiel - sondern ein kleiner Sieg gegen die Ungeduld.

Denn am Ende, so sagte es ein alter Platzwart in der Mixed Zone, "gewinnt beim Fußball nie die Statistik. Nur der, der den letzten Kaffee bekommt." Und an diesem Abend war das wohl der Schiedsrichter.

06.03.643987 09:22
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Ich habe immer gesagt, dass ich kein Dauerläufer bin, sonst könnte ich ja gleich beim Marathon starten.
Mario Basler
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager