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Gunners treffen spät - Gorillas scheitern an der eigenen Ungeduld

Es war ein Abend voller vergeblicher Mühen, verschossener Chancen und am Ende eines dieser Spiele, bei denen die Statistik lügt. 39.858 Zuschauer im "Banana Dome" von Atlanta sahen, wie ihre Gorillas den Charleston Gunners 90 Minuten lang das Leben schwer machten - und trotzdem mit leeren Händen dastanden. 0:1 hieß es am Ende, und das einzige Tor erzielte - wie es das Fußballdrehbuch so will - ein Mann, der bis dahin kaum auffiel: Jens Horst, Linksaußen der Gunners, traf in der 80. Minute nach feinem Zuspiel des 18-jährigen Rolando Bassi.

Dabei sah lange alles nach einem dieser Spiele aus, die man im Süden der USA wohl nur mit einem tiefen Seufzer kommentiert: "So close". 19 Torschüsse gaben die Gorillas ab, während die Gunners gerade einmal achtmal in Richtung Brandon Lithgows Kasten zielten. Doch während Atlantas Harrison Baker den Ball gefühlt auf jedes Werbebanner drosch, das nicht rechtzeitig wegrollte, war Horst einmal da, wo ein Flügelspieler eben sein muss - und sorgte für den einzigen echten Jubel des Abends.

"Das war kein Zufall, das war Geduld", erklärte Gunners-Coach Jon Dpunkt nach dem Spiel mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Erleichterung und Ungläubigkeit pendelte. "Wir wussten, dass Atlanta irgendwann die Nerven verliert. Und dann musst du halt da sein."

Tatsächlich wirkte es, als hätte die Mannschaft von Trainerin Anja Meister das Spiel im Griff - zumindest bis zum Strafraum. Die Gorillas starteten mit einer ausgewogenen, aggressiven Ausrichtung, pressten phasenweise wütend ("Wir wollten zeigen, dass wir keine Bananenschale sind", grinste Meister später) und kamen früh zu Chancen. Schon in der 7. Minute prüfte Harrison Baker Gunners-Keeper Sean Cort, der an diesem Abend zum Mann des Spiels avancierte. "Ich hab irgendwann aufgehört, die Paraden zu zählen", murmelte Cort, während er sich nach dem Schlusspfiff den Schweiß aus dem Nacken wischte.

In der 22. Minute wieder Baker - drüber. In der 23. Minute Alessio Sosti - vorbei. In der 49. Minute Baker erneut - diesmal mitten auf Cort. Es war wie eine Endlosschleife eines schlechten Traums. "Ich hatte das Gefühl, der Ball wollte mich ärgern", sagte Baker später mit einem gequälten Lächeln.

Die Gunners dagegen taten, was sie am besten können: tief stehen, lauern, hoffen. Mit 51 Prozent Ballbesitz wirkten sie optisch überlegen, aber das war reine Statistik-Kosmetik. Ihr Spiel war konservativ, die Taktik defensiv, das Pressing quasi nicht existent. Aber wenn sie einmal durchkamen, dann mit Präzision. In der 75. Minute deutete Ognjen Jovanovic mit einem satten Schuss an, dass da noch was kommen könnte - fünf Minuten später folgte Horsts Treffer.

Die Szene war unspektakulär und doch tödlich effektiv: Bassi, der junge Mittelfeldspieler mit der Rückennummer 28, hob den Kopf, spielte einen butterweichen Pass in den Lauf von Horst, der den Ball aus halblinker Position flach ins rechte Eck setzte. Lithgow streckte sich, aber vergeblich. 0:1 - und plötzlich war das Stadion still.

Atlanta rannte danach weiter an - mit allem, was noch laufen konnte. Meister brachte mit Tomas Baranek und Enrico Montauro zwei frische Offensivkräfte, die sich redlich bemühten. Baranek prüfte Cort dreimal in fünf Minuten (68., 69., 73.), doch der Torwart hatte offenbar beschlossen, an diesem Abend unüberwindbar zu sein.

"Wenn du 19 Mal schießt und nicht triffst, dann fehlt dir nicht nur Glück, sondern auch ein bisschen Demut", meinte Meister nachdenklich auf der Pressekonferenz. "Aber lieber verlieren wir so, als 90 Minuten gar nichts zu versuchen."

Kollege Dpunkt sah das naturgemäß anders: "Wir haben das gemacht, was nötig war. Manchmal reicht ein Tor, manchmal 19 nicht."

Ein Gelber Karton für Leo Patton (71.) blieb die einzige farbliche Auflockerung eines ansonsten fairen Spiels. Beide Teams schonten sich nicht, aber übertriebene Härte war selten. Die Gorillas zeigten vollen Einsatz bis zur letzten Sekunde - aber auch, wie dünn die Grenze zwischen Leidenschaft und Verzweiflung sein kann.

Am Ende standen sie da, die Gorillas, und blickten ungläubig auf die Anzeigetafel. 0:1. Ein Ergebnis, das den Verlauf des Spiels nur unzureichend widerspiegelt, aber eben zählt.

"Fußball ist manchmal wie ein schlechter Witz", sagte Mittelfeldmann Wilhelm Krämer beim Hinausgehen. "Nur dass man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll."

Vielleicht trifft das den Abend am besten.

Und irgendwo in Charleston, so munkelt man, hat Jens Horst noch in der Nacht leise gelächelt - über ein Tor, das mehr wert war als 19 vergebene Chancen.

02.10.643990 11:31
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Verstärken können die sich, aber nicht auf der rechten Seite. Da bin ich. Ich komme selber aussem Pott. Mein Vater war auf der Hütte. Wenn ich wieder fit bin, zeig ich denen, wat malochen heißt.
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