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Ein kalter Januarabend, Flutlicht über Stari Perkovci, 9000 Zuschauer mit heißem Tee in der Hand - und ein Spiel, das erst spät Feuer fing. Hajduk Osijek siegte am 6. Spieltag der 1. Liga Kroatien verdient mit 2:0 (0:0) und zeigte, dass Geduld manchmal der schönste Stürmer ist. Die Gastgeber begannen mutig, als wollten sie gleich am Anfang beweisen, dass Ballbesitz zwar nicht alles, aber zumindest eine Weile warmhält. Schon in der ersten Minute prüfte Anas Boban den gegnerischen Keeper Josip Kovacevic mit einem Distanzschuss. "Da dachte ich kurz, heute wird’s ein langer Abend", grinste der junge Torwart später. Es blieb beim kurzen Schreckmoment - die restlichen 89 Minuten gehörten eindeutig den Gästen aus Osijek. Hajduk Osijek, von Trainer Tommek Dee gewohnt offensiv eingestellt, spielte von Beginn an auf Angriff. 23 Torschüsse sprechen eine deutliche Sprache. Doch zunächst versandete Angriff um Angriff an der kompakten Defensive der Perkovcianer - oder an Ivan Posavec, dem Torhüter, der sich mit mehreren Paraden in die Herzen der Heimfans hechtete. "Ich hatte irgendwann das Gefühl, die schießen aus Prinzip, nicht aus Überzeugung", witzelte Posavec nach dem Spiel, "aber irgendwann rutscht halt einer durch." Dieser "eine" kam in der 50. Minute: Srdan Maric, der rechte Mittelfeldspieler der Gäste, fasste sich nach schöner Vorarbeit von Vladimir Pavlovic ein Herz und drosch den Ball kompromisslos ins Netz - 1:0 für Hajduk. Während die Gäste jubelten, klopfte Trainer Dee seinem jungen Linksaußen Luka Maric auf die Schulter, als wollte er sagen: "Dein Moment kommt noch." Und tatsächlich: 38 Minuten später war es so weit. In der 88. Minute schlug Sladan Asanovic eine butterweiche Flanke von links in den Strafraum, und der 17‑jährige Luka Maric vollendete mit der Coolness eines Routiniers zum 2:0. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass es gut aussieht", lachte der Teenager nach dem Spiel, während er sich von Teamkollegen in die Arme nehmen ließ. Stari Perkovci stemmte sich tapfer gegen die Übermacht, kam aber nur zu vier Torschüssen - drei davon durch Dauerläufer Boban, der sich redlich mühte, aber meist auf verlorenem Posten kämpfte. In der 53. Minute hatte er noch einmal die Chance auf den Ausgleich, doch sein Schuss strich knapp am Pfosten vorbei. Danach blieb dem Heimteam vor allem die Hoffnung auf einen Konter, der nie kam. Die Statistik lügt selten: 54,7 Prozent Ballbesitz für Hajduk, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe, fast sechsmal so viele Abschlüsse - das ist kein Zufall, sondern schlicht eine Frage der Klasse. Trainer Dee fasste es gewohnt trocken zusammen: "Wir haben uns Zeit gelassen, weil wir wussten, dass wir sie haben." Sein Gegenüber - dessen Name in den offiziellen Unterlagen seltsam leer blieb, vielleicht aus Selbstschutz - soll in der Kabine gesagt haben: "Wenn man 90 Minuten verteidigt, darf man sich nicht wundern, wenn irgendwann der Damm bricht." Das Spiel war kein Spektakel, eher eine Lehrstunde in Geduld und Konsequenz. Hajduk Osijek blieb offensiv, aggressiv, aber nie überhastet. Die langen Bälle taten ihr Übriges, um die Abwehr der Perkovcianer immer wieder in Verlegenheit zu bringen. Besonders auffällig: die Maric‑Brüder Srdan und Luka - der eine erfahrener Lenker, der andere jugendlicher Vollstrecker. "Familie Maric hat uns heute das Weihnachtsgeschenk nachgereicht", raunte ein Fan auf der Tribüne, und man konnte ihm kaum widersprechen. Nach dem Schlusspfiff applaudierten auch die Heimfans fair. Die Mannschaft von Stari Perkovci hatte gekämpft, gelaufen, geblockt - aber am Ende fehlte die offensive Idee. "Wir haben Pressing im Wörterbuch nachgeschlagen, aber nicht auf dem Platz gefunden", scherzte Mittelfeldmann Racunica mit Galgenhumor. Für Hajduk Osijek war es ein Sieg der Reife und des Talents zugleich - mit einem 17‑jährigen Torschützen, der vielleicht noch öfter von sich reden machen wird. Und wer weiß, vielleicht erinnert man sich in ein paar Jahren an diesen kalten Abend in Stari Perkovci als den Moment, an dem Luka Maric begann, ein Großer zu werden. Schlusswort? Vielleicht dieses: Fußball ist manchmal wie ein Geduldsspiel. Stari Perkovci drehte die Sanduhr - Hajduk Osijek wartete einfach, bis der letzte Sandkorn gefallen war. 27.03.643987 06:01 |
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Ich habe immer gesagt, dass ich niemals nach Österreich wechseln würde.
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