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Osijek, 5. Januar 2026 - Es war kalt, es war windig, und für NK Hsuhopolje war es vor allem eins: ein langer Abend. 25.909 Zuschauer im Stadion an der Drau sahen, wie Hajduk Osijek am fünften Spieltag der 1. Liga Kroatien den Gästen eine Fußballlektion verpasste, die wohl noch in den Knochen stecken wird. 4:0 hieß es am Ende - und das Ergebnis war so deutlich, wie es klingt. Schon nach zwölf Minuten war klar, wohin die Reise geht. Jorge Pelaez, der flinke Spanier im Mittelfeld, zog aus vollem Lauf ab, nachdem Patrick Miller, der bullige Innenverteidiger, ihm den Ball butterweich in den Lauf gespielt hatte. Der Schuss zischte ins rechte Eck, und Torhüter Josip Benko schaute dem Ball nur noch hinterher. "Ich dachte, er flankt. Ich schwöre, er hat vorher noch hochgeschaut", murmelte Benko später mit einem gequälten Lächeln - da stand es allerdings schon 1:0. Hajduk Osijek spielte weiter mutig offensiv, mit langen Pässen und starkem Körpereinsatz, wie Trainer Tommek Dee es offenbar liebt. "Wir trainieren das jeden Tag - lange Bälle, viel Risiko, viel Spaß", grinste Dee nach dem Spiel. Spaß hatten seine Jungs tatsächlich: 21 Torschüsse feuerten sie ab, während die Gäste nur viermal auf Osijeks Tor zielten. Die Gäste aus Hsuhopolje hatten zwar nominell eine offensive Ausrichtung - aber was nützt das, wenn der Ballbesitz (45 Prozent) meist in der eigenen Hälfte stattfand? Und wenn das Pressing ausblieb, wie die Statistik gnadenlos verriet: kein Pressing, keine Wirkung. Nach dem Seitenwechsel kam es, wie es kommen musste: Felix Gudjohnsen, der isländische Routinier vorne links, traf in der 56. Minute zum 2:0. Der Pass kam vom jungen Marko Vuk, 19 Jahre alt und offenbar mit dem Selbstbewusstsein eines alten Hasen. "Ich hab ihn einfach gesehen - und dann gedacht: Warum nicht?", sagte Vuk später, als wäre ein millimetergenauer Steilpass in den Lauf des Topstürmers das Normalste der Welt. Gudjohnsen bedankte sich artig - mit einem trockenen Schuss unter die Latte. Hsuhopolje versuchte zu reagieren, aber stattdessen kam die bittere Szene des Abends: Torwart Benko verletzte sich in der 70. Minute bei einem Klärungsversuch und musste raus. Ersatzkeeper Mario Boksic kam rein - nervös, aber bemüht. "Ich war gerade dabei, meine Handschuhe zu suchen, da rief der Trainer schon: ’Rein mit dir!’", erzählte Boksic später schmunzelnd. Viel Zeit zum Aufwärmen hatte er nicht - und das merkte man. Denn kaum war er im Tor, schlug Hajduk wieder zu. In der 78. Minute bediente Rechtsverteidiger Vladimir Pavlovic den frei stehenden Ivan Jertec, der sich nicht zweimal bitten ließ und das 3:0 erzielte. Pavlovic jubelte mit einem breiten Grinsen: "Ich wollte eigentlich flanken - ehrlich! Aber manchmal muss man dem Zufall auch die Chance geben, schön zu sein." Doch den Schlusspunkt setzte der Jüngste: Jurica Horvat, gerade einmal 17 Jahre alt, krönte seine Leistung mit einem Treffer in der 81. Minute - erneut nach Vorlage von Marko Vuk. Das Stadion tobte, und Trainer Dee klatschte in der Coaching-Zone so heftig, dass selbst der vierte Offizielle kurz zusammenzuckte. "Jurica ist 17, aber er spielt, als hätte er schon 100 Spiele auf dem Buckel. Manchmal denke ich, er ist mein Lehrer", scherzte Dee. Hsuhopolje hatte zu diesem Zeitpunkt längst den Kampf aufgegeben. Eine Gelbe Karte für Innenverteidiger Mihael Turina (63.) war das Einzige, was an Widerstand erinnerte. Nach dem Abpfiff schlichen die Gäste vom Platz, während Osijek die Fangesänge genoss - und das völlig verdient. "Wir haben gezeigt, dass wir Tore schießen können, auch ohne Glück. Nur mit Mut", resümierte Kapitän Miller mit einem Augenzwinkern. Und tatsächlich: Dieses Hajduk Osijek spielte mutig, kollektiv stark und mit einer Effizienz, die in dieser Liga selten ist. Ein 4:0, das mehr war als nur ein Sieg. Es war ein Statement. Vielleicht auch eine kleine Drohung an die Konkurrenz: Wenn Osijek so weiter spielt, wird’s schwer, sie zu stoppen - selbst bei Minusgraden und Gegenwind. Und irgendwo in der Kabine summte Felix Gudjohnsen leise vor sich hin, während er seine Schuhe auszog: "Vier Tore, vier Schützen, kein Gegentor - das wär doch mal ein Lied wert." Nur gut, dass wir’s nicht singen müssen. 06.03.643987 11:53 |
Sprücheklopfer
Wenn der Ball am Torwart vorbeigeht, ist es meist ein Tor.
Mario Basler