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Wenn man am finnischen Winterabend um 20:30 Uhr ins Stadion von FF Tampere pilgert, erwartet man heißen Fußball, Glühwein und vielleicht ein bisschen Hoffnung. 19.687 Zuschauer bekamen am 7. Spieltag der 1. Liga Finnland tatsächlich all das - nur die Punkte blieben beim Gast. FF Haka entführte mit einem 2:1-Sieg drei Zähler aus Tampere und bewies, dass Effizienz manchmal schöner ist als Ballbesitz und Statistik. Schon nach fünf Minuten war klar: Die Gäste aus Haka hatten keine Lust auf Kälte. Florian Hauser, der rechte Flügelflitzer, nahm sich ein Herz - oder besser gesagt den Ball - und donnerte ihn nach Vorarbeit von Njazi Kuqi kompromisslos ins Netz. "Ich dachte, wir sind noch beim Aufwärmen", murmelte Tampere-Kapitän Alexandre Bonald später mit einem bitteren Lächeln. FF Tampere hatte da noch gar nicht richtig geatmet, da stand es 0:1. Und als die Gastgeber nach einer Viertelstunde endlich anfingen, das Spielgerät länger als drei Pässe zu halten, schlug Haka erneut zu. Diesmal vertauschten Kuqi und Hauser die Rollen: Der rechte Verteidiger Kuqi startete nach einem Pass von Timm Renner durch, zog aus vollem Lauf ab - 0:2 nach 22 Minuten. "Ich hab einfach mal draufgehauen", grinste Kuqi hinterher, "in Finnland rutscht der Ball ja sowieso schneller." Der Rest der ersten Halbzeit war dann ein Lehrstück in vergeblicher Mühe. FF Tampere hatte mehr Ballbesitz (am Ende 53 Prozent), mehr Torschüsse (15 zu 11) und mehr Sorgenfalten. Miroslav Petr und Domingo Cunha probierten es aus allen Lagen, Mikael Ylönen zimmerte den Ball sogar an die Latte - aber der Haka-Keeper Jyrki Tolsa hatte einen dieser Abende, an denen man ihn wohl auch mit Schneebällen nicht überraschen konnte. Trainer Holter Kos von FF Haka blieb an der Seitenlinie erstaunlich ruhig. "Ich mag Offensivfußball, aber noch mehr mag ich Tore", sagte er trocken. Seine Mannschaft spielte tatsächlich mit durchgängig offensiver Ausrichtung, aber ohne blindes Pressing - eine finnische Mischung aus Geduld und gelegentlichem Wahnsinn. Nach dem Seitenwechsel kam Tampere mit Wut im Bauch zurück. Benjamin Lawon sah in der 47. Minute Gelb, weil er Kuqi kurzerhand an die Bande schob ("Er hat mir den Ellenbogen gezeigt, ehrlich!", verteidigte er sich später). Dann kam der Moment, auf den die Heimfans gewartet hatten: In der 52. Minute zirkelte Hugo Espriu einen Freistoß in den Strafraum, Alexandre Bonald stieg am höchsten und köpfte den Ball zum 1:2 ins Tor. Das Stadion tobte, und plötzlich war Tampere wieder da. Was folgte, war ein Sturmlauf ohne Happy End. Loris Bianchi, Francisco Baro und wieder Petr feuerten aus allen Richtungen. Der Ballbesitz schnellte in die Höhe, das Publikum witterte das 2:2. "Wir haben uns wie eine Eishockey-Mannschaft im Powerplay gefühlt", sagte Espriu lachend. Doch der Ausgleich blieb aus. Stattdessen sah Bonald kurz vor Schluss noch Gelb, und Haka brachte das Ergebnis routiniert über die Zeit. Tampere-Coach (dessen Namen die Statistik leider verschluckt hat) stand nach dem Schlusspfiff lange an der Seitenlinie und starrte auf den Rasen, als wolle er dort Antworten finden. "Wir haben gut gespielt, aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb", meinte er später resigniert. Haka dagegen feierte ausgelassen. Florian Hauser, Torschütze und Dauerläufer, wurde zum Mann des Abends gewählt. "Ich liebe Spiele, in denen man früh trifft und dann 85 Minuten friert", witzelte er im Interview, während ihm ein Betreuer die Jacke reichte. Unterm Strich war es ein Spiel, das die alte Fußballweisheit bestätigte: Wer Chancen nutzt, gewinnt. Tampere dominierte die Zahlen, Haka die entscheidenden Momente. Und so gingen die Gäste mit einem Sieg, während die Gastgeber mit roten Nasen und leeren Händen in die Kabine schlichen. Oder, wie es ein Zuschauer beim Hinausgehen auf den Punkt brachte: "Wir hatten mehr Ball - sie hatten mehr Tore. Vielleicht sollten wir tauschen." Ein Abend, der zeigte, dass Fußball manchmal wie der finnische Winter ist: schön, hart - und selten gerecht. 29.03.643987 17:42 |
Sprücheklopfer
Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich die Aufstellung geändert.
Berti Vogts zu der Feststellung, er hätte mit der Wunschelf von Paul Breitner gespielt