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Ein lauer Januarabend, 20:30 Uhr, Flutlicht im Volksparkstadion - und 24.803 Zuschauer, die noch nicht ahnen, dass sie Zeugen eines Spiels werden, das zwischen Verzweiflung und Ekstase pendeln sollte. Am Ende stand ein 2:2, das keiner so recht einordnen wollte: Hatte der Hamburger SC einen Punkt gewonnen oder zwei verloren? Trainer Bernd Happel sah es mit der Ruhe eines Mannes, der schon Schlimmeres erlebt hat. "Wir haben die erste Halbzeit verschlafen wie ein Montagmorgen", seufzte er und zog die Stirn kraus. Tatsächlich dauerte es nur 17 Minuten, bis die Gäste aus Hennef den Gastgebern die Bettdecke wegrissen: Der 19-jährige Jürgen Adam, quirlig wie ein Eichhörnchen auf Koffein, traf nach Vorarbeit von Jorge da Costa zum 0:1. Ein Treffer, der symptomatisch für die erste Halbzeit war - Hennef flink, Hamburg fahrig. "Wir wollten zeigen, dass wir auch kicken können, nicht nur verteidigen", grinste Hennefs Trainer Giovanni Diaco später. Und seine Jungs hielten Wort: Mit 55 Prozent Ballbesitz und zehn Torschüssen kontrollierten sie das Geschehen, während Hamburgs Offensive um Eduardo Capucho und Sandor Feldmann zwar bemüht, aber erschreckend ideenlos blieb. Der junge Capucho drosch in der 33. Minute den Ball so weit übers Tor, dass man kurz dachte, er wolle einem der Flutlichtmasten Konkurrenz machen. Direkt nach Wiederanpfiff folgte der nächste Schock für die Hausherren: Dominique Hayman, der linke Flügelflitzer aus Hennef, nutzte in der 46. Minute die kollektive Hamburger Schläfrigkeit und erhöhte auf 0:2 - Assist durch Rechtsverteidiger Diego Sousa, der offenbar vergessen hatte, dass er eigentlich kein Flügelstürmer ist. Happel raufte sich die Haare, während man auf der Bank des HSC hektisch an den Klemmbrettern kritzelte. Doch wer Hamburg abschrieb, hatte die Rechnung ohne Alain Fouquet gemacht. Der 20-jährige Mittelstürmer, bis dahin kaum auffällig, köpfte in der 69. Minute nach Flanke von Herman Carlsson zum 1:2 ein - und plötzlich war Feuer drin. "Das war wie ein Wecker mit Vorschlaghammer", meinte Carlsson später trocken. Nur fünf Minuten darauf drehte das Stadion endgültig durch: Asger Vinther, gerade erst eingewechselt für Leandro Postiga, verwandelte nach Vorlage von Joan Jorge eiskalt zum 2:2. Happel warf ihm nach dem Spiel einen verschwörerischen Blick zu und murmelte: "Manchmal ist der Joker eben Däne." Vinther grinste nur: "Ich hab einfach draufgehalten. Augen zu, Ball rein - so hab ich’s gelernt." Die letzten 15 Minuten waren dann eine wilde Mischung aus Nervenkitzel und Chaos. Hennef, nach einer gelben Karte für Innenverteidiger Ignacio Hernandez etwas vorsichtiger, versuchte, das Remis zu retten. Hamburg dagegen stürmte mit allem, was Beine hatte. Fouquet, Vinther, Carlsson - sie alle prüften Torhüter Asier Beto, der mit drei Glanzparaden in Folge zum heimlichen Helden der Gäste avancierte. "Ich hab nur gemacht, was ich musste", sagte Beto später schüchtern, während seine Mitspieler ihn fast erdrückten vor Freude. Statistisch betrachtet war das Unentschieden fast gerecht: 15:10 Torschüsse für Hamburg, 52 Prozent gewonnene Zweikämpfe, aber weniger Ballbesitz - ein Spiel auf Augenhöhe, in dem beide Seiten ihre Stärken ausspielten. Hennef mit präzisem Kurzpassspiel und jugendlicher Unbekümmertheit, Hamburg mit Wucht und Willen. In der Mixed Zone schüttelte Happel dann den Kopf, halb lachend, halb fluchend: "Wenn wir so anfangen wie wir aufgehört haben, gewinnen wir das nächste Mal 5:0. Wenn wir so weitermachen wie in der ersten Halbzeit - dann gute Nacht." Giovanni Diaco konterte mit typisch italienischem Charme: "Zwei Tore auswärts? Ich bin zufrieden. Aber meine Jungs dachten wohl, das Spiel dauert nur 70 Minuten." Als das Flutlicht erlosch, blieb das Gefühl, dass beide Teams an diesem Abend mehr gewonnen als verloren hatten. Hennef bewies Mut, Hamburg Moral. Und die 24.803 Zuschauer gingen nach Hause mit der Gewissheit, dass selbst ein 2:2 manchmal spannender sein kann als jeder Sieg. Oder, wie ein älterer Fan am Bierstand sagte, während er sein Plastikbecherchen anhob: "Das war nix für schwache Nerven, aber wenigstens hat’s sich gelohnt, den Fernseher auszulassen." Und ja - an diesem Abend war Fußball wieder das, was er sein sollte: unberechenbar, emotional und ein bisschen verrückt. 21.02.643987 21:10 |
Sprücheklopfer
Wenn sie mich heute Scheiße fragen, wissen Sie auch nicht, ob Sie morgen noch ihren Job haben.
Andreas Brehme nach einer Niederlage auf die Frage, ob er glaubt, am nächsten Tag noch Trainer des 1.FC Kaiserslautern zu sein.[t]Andreas Brehme