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Ein lauer Sommerabend, 5000 Zuschauer im kleinen Stadion von Tumlingen, der Grillgeruch zieht über die Tribüne - und auf dem Rasen brennt der Hamburger SC ein Feuerwerk ab. 0:4 hieß es am Ende auf der Anzeigetafel, und ehrlich gesagt: Es hätte schlimmer kommen können. Schon nach wenigen Minuten wurde klar, dass zwischen beiden Teams an diesem 24. Spieltag der 3. Liga ein Klassenunterschied bestand. Der SV Tumlingen versuchte es mit "ausgewogener" Taktik - was in der Praxis hieß, dass sie sich weder nach vorne noch hinten so recht trauten. Die Hamburger dagegen kamen mit einer glasklaren Offensivvorgabe von Trainer Bernd Happel. "Wir wollten Spaß haben - und Tore schießen. Beides hat geklappt", grinste der Coach nach dem Abpfiff, während er noch die Grasflecken auf seinem weißen Hemd begutachtete. Das erste Tor fiel in der 18. Minute: Filippo Villa, der flinke Rechtsaußen der Gäste, bekam den Ball von Joel Abel mustergültig in den Lauf gespielt, nahm ihn mit dem Außenrist und schlenzte ihn gefühlvoll ins lange Eck. Tumlingens Torhüter Mike Linke streckte sich, aber der Ball küsste nur noch das Netz. "Ich hab gedacht, der fliegt vorbei", murmelte Linke später, "aber der Ball hatte wohl einen anderen Plan." Acht Minuten später war die Messe quasi gelesen: Zivojin Stevic, Hamburgs bulliger Mittelstürmer, traf nach schöner Vorarbeit des 17-jährigen Pala Memis zum 0:2. Ein Treffer, der so sauber herausgespielt war, dass selbst die Tumlinger Fans höflich klatschten. Trainer Jonah Kaufmann stand da schon mit verschränkten Armen an der Seitenlinie und rief seinen Jungs zu: "Jungs, die haben auch nur zwei Beine!" - worauf ein Zuschauer trocken bemerkte: "Ja, aber schnellere." Hamburg blieb das restliche Spiel über im Angriffsmodus, als hätte jemand den "Offensive"-Schalter festgelötet. 24 Torschüsse, 60 Prozent Ballbesitz - die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Tumlingen kam in 90 Minuten auf genau einen Schuss aufs Tor, gleich in der ersten Minute, abgegeben von Phillip Hase. Danach war Schluss mit Lustig. Besonders auffällig: Die jungen Hamburger spielten mit einer erstaunlichen Reife. Rechtsverteidiger Charlie Doyle rannte die Linie rauf und runter, als gäbe es kein Morgen, und auch der 18-jährige Carl Miguel auf der linken Seite machte mit seinen Dribblings Lust auf mehr. Selbst die Gelbe Karte für den 17-jährigen Knut Moeller (78.) änderte nichts am dominanten Auftritt - sie schien eher ein Versuch gewesen zu sein, wenigstens ein bisschen rustikalen Charme ins Spiel zu bringen. Kurz vor Schluss wurde es dann noch einmal spektakulär - zumindest aus Hamburger Sicht. In der 89. Minute krönte Filippo Villa seine Gala mit seinem zweiten Treffer des Abends, diesmal nach Vorarbeit von Juergen Lauer. Und als Tumlingen gerade auf den Abpfiff wartete, legte Stevic in der 90. Minute noch das 0:4 nach, serviert von - man ahnt es - Doyle, der offenbar beschlossen hatte, auch noch als Vorlagengeber in die Statistik einzugehen. Nach dem Spiel suchte man auf der Tumlinger Ersatzbank nach Trost. "Wir haben’s versucht, ehrlich", meinte Kapitän Dirk Bender, "aber die waren überall einen Schritt schneller. Und manchmal auch zwei." Trainer Kaufmann sah’s ähnlich, aber mit Galgenhumor: "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens gegen eine Mannschaft, die Fußball spielt. Mission erfüllt." Bei den Gästen war die Stimmung entsprechend euphorisch. Doppeltorschütze Stevic grinste breit: "Ich hätte noch eins machen können, aber ich wollte ja nicht unhöflich sein." Filippo Villa, der Mann des Abends, erklärte: "Es lief einfach. Wenn du merkst, dass jeder Pass sitzt, dann willst du gar nicht, dass das Spiel aufhört." Die Statistik unterstreicht den Klassenunterschied: 24 Torschüsse zu einem, 60 Prozent Ballbesitz, 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe - Hamburg spielte Tumlingen phasenweise schwindlig. Und während die Norddeutschen ihre Aufstiegsambitionen unterstreichen, muss sich der SV Tumlingen dringend fragen, wie man in dieser Liga bestehen will, wenn man so wenig Offensivgefahr ausstrahlt. Zum Schluss blieb den Tumlinger Fans nur noch der Trost des Grillstands. "Die Wurst war gut", sagte ein Zuschauer mit einem Schulterzucken, "besser als das Spiel." Vielleicht war das der ehrlichste Kommentar des Abends. Und wer weiß - vielleicht wird man in Tumlingen in ein paar Jahren sagen: "Damals, als der Hamburger SC hier war und uns gezeigt hat, wie Fußball aussieht." Bis dahin bleibt nur das nächste Spiel - und die Hoffnung, dass der Ball auch mal den Weg ins richtige Tor findet. 24.07.644003 03:25 |
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