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Ein Freitagabend in Hamburg, ein laues Mai-Lüftchen, 18.113 Zuschauer im Stadion und zwei Teams, die offenbar vergessen hatten, dass man zum Saisonauftakt auch mal ruhig anfangen kann. Stattdessen lieferten sich der Hamburger SC und die DJK Rosenheim ein 3:2‑Spektakel, das gleichermaßen Nerven wie Stimmbänder strapazierte. Schon in der 13. Minute bebte das Volksparkstadion. Zivojin Stevic, gerade mal 20 Jahre alt und offenbar mit dem Selbstvertrauen eines gestandenen Mittelstürmers ausgestattet, schob nach einem wilden Durcheinander im Strafraum eiskalt zum 1:0 ein. "Ich hab’ einfach draufgehalten", grinste er später, "und gehofft, dass keiner im Weg steht - nicht mal der Torwart." Rosenheim, angetreten mit der jugendlichen Frische eines Teams, das noch nicht weiß, dass Auswärtsspiele in Hamburg selten romantisch enden, antwortete nur elf Minuten später. Mateo Domingos, der flinke Linksaußen, traf nach schöner Vorarbeit von Emil Musiala - ja, genau der Musiala, der offenbar auch in Rosenheim aufblüht - zum Ausgleich. "Das war unser Moment", meinte DJK-Coach Kamil Breer später trotzig, "danach hätten wir das Spiel eigentlich in der Hand haben müssen." Hatten sie aber nicht. Denn kaum sieben Minuten danach zeigte der HSC, dass auch linke Verteidiger Spaß am Offensivspiel haben dürfen: Tzipi Berkovic schickte Gerhard Merz mit einem perfekten Pass in die Tiefe, und der 21-Jährige drosch den Ball humorlos unter die Latte. 2:1 - und der Stadionsprecher hatte Mühe, seine Stimme zu behalten. Zur Pause durfte sich HSC-Trainer Bernd Happel über eine Führung freuen, auch wenn er, typisch norddeutsch, nur trocken kommentierte: "Wir hätten auch 4:1 führen können - oder 2:3 hintenliegen. So ist Fußball." Die zweite Hälfte begann mit Gelben Karten und frischen Gesichtern: Leo Lancaster, der sich zuvor einen Karton abgeholt hatte, durfte in der Kabine bleiben, für ihn kam der 18-jährige Leandro Beto. Rosenheim wechselte ebenfalls, brachte Sreto Vasiljevic, der sofort durch giftige Läufe auffiel. In der 63. Minute wurde es kurz still im Stadion - der Ausgleich! Taylor Dennehy, gerade mal 19, schlenzte die Kugel nach Vorlage von Fabio Pacos ins Eck. 2:2, und man hätte meinen können, der Abend kippt. "Da dachte ich, jetzt nehmen wir das Ding mit", sagte Breer, "aber dann kam dieser Dominguez." Gemeint war Vitor Dominguez, der in der 70. Minute mit einem trockenen Schuss aus 18 Metern den 3:2‑Siegtreffer erzielte - nach feiner Vorarbeit von Nüzhet Cakmak, der an der linken Linie zuvor zwei Rosenheimer alt aussehen ließ. "Ich hab’ einfach gemacht, was der Trainer immer sagt: flach, scharf, rein", grinste der Matchwinner später. Happel lachte daneben: "Ich sag das nie. Aber gut, wenn’s hilft." Danach war’s ein offener Schlagabtausch. Hamburg hatte noch einige gute Chancen durch Merz (87.) und Beto (90.), während Rosenheims Lucas Baker in der 85. Minute beinahe erneut ausgeglichen hätte. Doch HSC-Keeper Marco Ruiz kratzte den Ball mit einem Reflex von der Linie - und reckte danach die Faust zum nächtlichen Himmel, als hätte er gerade die Meisterschaft gerettet. Die Statistik verrät: Hamburg schoss zwölfmal aufs Tor, Rosenheim achtmal. Die Gäste hatten mehr Ballbesitz (52 %), aber weniger Effektivität. Die Tacklingquote von 53 % für den HSC zeigt, dass Kampfgeist manchmal hübscher aussieht als Ballbesitz. "Wir haben’s uns erarbeitet", fasste Happel zusammen. "Nicht schön, aber verdient." Breer hingegen schüttelte den Kopf: "Wenn man zwei Tore auswärts schießt, sollte man mindestens einen Punkt mitnehmen. Aber heute hat uns die Kaltschnäuzigkeit gefehlt - und vielleicht auch ein bisschen Glück." Kurz vor Abpfiff wechselte Happel noch den jungen Joel Abel ein, "um Zeit von der Uhr zu nehmen", wie er später zugab. Abel grinste: "Ich war genau 90 Sekunden auf dem Platz - aber gewonnen haben wir." Am Ende jubelte der HSC über drei Punkte zum Start in die neue Drittliga-Saison. Die Zuschauer gingen zufrieden nach Hause, einer rief noch: "Endlich wieder Fußball!" - und hatte damit irgendwie recht. Ein Auftakt also, wie man ihn sich wünscht: Tore, Tempo, Taktik - und ein bisschen Chaos. Oder wie Moderatorin im Stadionradio zum Abschied sagte: "Wenn das so weitergeht, brauchen wir bald neue Stimmbänder." Ein nordischer Auftaktabend, der Mut macht - und Lust auf mehr von diesem leicht verrückten Hamburger SC. 21.08.644000 17:10 |
Sprücheklopfer
Ich bin gespannt auf den ersten Augenblick, wenn er auf dem Spielfeld erstmals wegen seiner Erkrankung von einem Gegenspieler dumm angemacht wird. Wenn er ihm dann in die Eier tritt, dann weiß ich, dass er gesund ist.
Uli Hoeneß zum Gesundheitszustand von Sebastian Deisler