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Hamburger SC zerlegt Zukunft Magdeburg - ein Abend des jugendlichen Übermuts

20490 Zuschauer im Hamburger Stadion erlebten an diesem kühlen Märzabend ein Spektakel, das man eher in einem Jugendturnier erwartet hätte - nur dass hier der Hamburger SC in der 3. Liga spielte und Zukunft Magdeburg der bedauernswerte Gegner war. 5:0 hieß es am Ende, und das war nicht einmal geschmeichelt.

Schon nach wenigen Minuten wurde klar, dass die Hamburger Youngster an diesem Abend alles wollten - und zwar gleichzeitig: Tore, Applaus und vielleicht auch ein bisschen Ruhm. Maxim Loskow (18) prüfte bereits in der ersten Minute den Gästekeeper, und Zivojin Stevic (ebenfalls 18) schoss kurz darauf aus der Drehung. Magdeburgs Philipp Geissler, zarte 17 Jahre jung, hatte zwischen den Pfosten alle Hände voll zu tun - "und irgendwann auch keine mehr", wie er später mit einem gequälten Lächeln meinte.

Das 1:0 fiel in der 24. Minute - und war so etwas wie die Einleitung zur Demontage. Innenverteidiger Bernardo Triguero, 17, köpfte nach einer butterweichen Flanke von Joel Abel ein. "Ich wollte eigentlich nur verlängern", grinste der Teenager, "aber dann war der Ball halt drin." Trainer Bernd Happel, der mit verschränkten Armen an der Seitenlinie stand, kommentierte trocken: "Wenn mein Innenverteidiger öfter trifft als mein Mittelstürmer, läuft irgendwas richtig."

Zukunft Magdeburg? Nun ja. Die Gäste wirkten bemüht, aber ungefährlich - drei Torschüsse in 90 Minuten sprechen Bände. Joshua Hahn versuchte es zweimal aus der Distanz, einmal kurz nach der Halbzeit, aber das war’s dann auch schon mit der Zukunft. "Wir waren heute mehr Vergangenheit", knurrte Gästecoach FC Zukunft später im Kabinengang.

Nach der Pause kam Sturm und Drang. In der 50. Minute erhöhte Zivojin Stevic nach Vorlage von Claudiu Tataru auf 2:0. Nur zwei Minuten später legte Maxim Loskow nach - diesmal nach feinem Zuspiel von Joel Abel. Und weil’s gerade so schön war, netzte Loskow drei Minuten später gleich noch einmal ein, diesmal nach Vorarbeit des rechten Verteidigers Salvador Duran. In der 58. Minute setzte Filippo Villa den Schlusspunkt - ein flacher Schuss ins linke Eck, vorbereitet von Fabian Kessler.

In diesen acht Minuten zwischen der 50. und 58. Minute sah Magdeburg aus, als hätten sie beschlossen, kollektiv in die Halbzeitpause zurückzukehren. Die Abwehr um Harald Konrad (gelbe Karte, 31.) und Volker Scholz (gelbe Karte, 39.) schwamm, der Trainer gestikulierte wild - und der Ball? Der fand immer wieder den Weg ins Tor.

Hamburgs Bilanz: 21 Torschüsse, 51 Prozent Ballbesitz, fünf verschiedene Vorlagengeber, null Langeweile. Magdeburg brachte es auf drei Schüsse - zwei davon außerhalb des Strafraums. Der Ballbesitz von 49 Prozent klingt auf dem Papier gut, war aber reine Kosmetik: "Ja, wir hatten den Ball", sagte Mittelfeldroutinier Arne Wirth, "aber meistens, um ihn dann gleich wieder herzuschenken."

Kurios am Rande: Linksverteidiger Tzipi Berkovic sah nach 16 Minuten Gelb und wurde zur Pause vorsorglich durch Julian Bischoff ersetzt - der sich in der 61. Minute ebenfalls eine Gelbe abholte. "Links hinten machen wir’s halt gerecht", scherzte Happel später. Und auch im Tor durfte rotiert werden: Der 19-jährige Maximilian Miller wich nach 45 Minuten Lionel Carvalho. "Er sollte auch mal Gras unter den Stollen haben", so Happel, der an diesem Abend offenbar alles ausprobieren durfte, ohne dass es Konsequenzen hatte.

Nach dem Spiel herrschte in der Kabine der Hamburger ausgelassene Stimmung. "Fünf Tore und kein Gegentor - das ist wie Weihnachten mit Verlängerung", meinte Doppeltorschütze Loskow, während Stevic lachend ergänzte: "Ich hab’ gedacht, wir spielen eine Trainingspartie. Dann hab ich auf die Anzeigetafel geschaut."

Ganz anders die Magdeburger, die sich wortlos auf den Weg zum Bus machten. Nur Trainer Zukunft blieb noch kurz stehen und seufzte: "Wenn man in Hamburg fünf Stück kassiert und die Gegenspieler alle 18 sind, dann weiß man, dass man einen langen Heimweg hat."

Ein Spiel, das in die Hamburger Nachwuchschroniken eingehen dürfte - nicht wegen der Bedeutung, sondern wegen der Leichtigkeit, mit der diese blutjunge Mannschaft Fußball spielte. Und vielleicht auch, weil man selten eine so freundliche Demontage gesehen hat.

Am Ende stand ein 5:0, das so deutlich war, dass selbst der Stadionsprecher kurz stockte, bevor er das Ergebnis wiederholte. Und während die Fans jubelten, sagte ein älterer Zuschauer auf der Tribüne trocken: "Na, wenn das die Zukunft ist, dann möchte ich Hamburger Vergangenheit sein."

Ein Abend voller Talent, Tempo - und einer Prise jugendlicher Frechheit.

04.12.643993 15:55
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