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61161 Zuschauer, ein tropischer Abend in Kingston, und ein Spiel, das so gar nicht zu den Zahlen passen wollte: Harbour View besiegt Monymusk FC mit 2:1 - obwohl die Gäste fast zwei Drittel des Ballbesitzes hatten. Aber Statistik gewinnt keine Spiele, Tore schon. Kaum hatte der Schiedsrichter angepfiffen, da zappelte der Ball schon im Netz. In der 2. Minute zog Amaury Vega aus der zweiten Reihe ab, als wollte er nur mal testen, ob der Ball rund ist - und traf. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Vega später in die Mikrofone, "aber wenn’s so reingeht, beschwere ich mich nicht." Vicente Cunha, der die Vorarbeit leistete, ergänzte trocken: "Ich sage immer: Irgendwer muss ja schießen." Doch Monymusk FC ließ sich nicht lange bitten. Nur drei Minuten später war Charles Greaves zur Stelle und glich nach feiner Vorarbeit von Elliot McGowan aus. Ein Treffer aus dem Lehrbuch: schneller Pass in die Tiefe, ein Kontakt, Abschluss - und plötzlich stand es 1:1. Trainer Dani Petrus von Harbour View schlug sich in der Coaching-Zone an die Stirn, während sein Gegenüber, dessen Name der Reporter nur als "Coach Brown" verstand, mit den Armen ruderte, als hätte er selbst das Tor erzielt. In der Folge spielte Monymusk FC den Ball, als hätten sie ihn gepachtet. 60 Prozent Ballbesitz, endlose Querpässe, und doch kaum Durchschlagskraft. Harbour View dagegen lauerte auf Konter, und jedes Mal, wenn sie den Ball gewannen, brannte es. 12 Torschüsse notierten die Statistiker für die Hausherren - drei Mal so viele wie die Gäste. "Wir trainieren nicht Ballbesitz, wir trainieren Effizienz", erklärte Petrus nach dem Spiel mit einem süffisanten Lächeln. Kurz vor der Pause hätte Dimas Sa Pint alles klar machen können, doch sein Schuss in der 41. Minute strich haarscharf vorbei. Auf der Tribüne hörte man einen Zuschauer rufen: "Den macht meine Oma rein!" - woraufhin ein anderer antwortete: "Deine Oma spielt ja auch nicht Mittelstürmer!" Zur zweiten Halbzeit wechselte Petrus: Manuel Baiao musste raus, der 19-jährige Anders Carew kam. "Er hat noch nie so viele Menschen auf einmal gesehen", witzelte der Trainer später. Und kaum war die Uhr auf 47 Minuten gesprungen, fiel das entscheidende Tor. Bradley Harrington, 22 Jahre jung und mit der Unbekümmertheit eines Straßenkickers, traf nach Vorlage von - natürlich - Vicente Cunha zum 2:1. Ab da wurde es ein zähes Ringen. Monymusk drückte, kombinierte, flankte - aber Harbour View verteidigte mit einer Entschlossenheit, die an Heldenepen erinnerte. Henrick Lansing, der Innenverteidiger mit dem Körperbau eines Kleiderschranks, klärte gefühlt alles, was in den Strafraum kam. In der 72. Minute sah Monymusks Routinier Benjamin O’Brien Gelb, als er Vega unsanft stoppte. "Ich wollte nur den Ball", brummte O’Brien nach dem Abpfiff. Der Schiedsrichter soll geantwortet haben: "Welchen? Den, der schon weg war?" Auch Franck Abbadie (87.) und James Kilbane (80.) sahen Gelb, was Monymusks späten Offensivversuchen nicht half. In der 89. Minute verletzte sich Harbour Views Flügelflitzer Slatko Jowow nach einem harten Zweikampf - er humpelte vom Platz, winkte aber tapfer ins Publikum. Am Ende stand ein 2:1, das all jene Statistikfreunde ratlos zurückließ. Harbour View hatte nur knapp 40 Prozent Ballbesitz, aber ein Tackling-Erfolg von 55 Prozent und eine Chancenverwertung, die jedem Lehrbuch gefallen hätte. Monymusk hingegen spielte "Sicherheitsfußball" bis zum Erbrechen - und verlor. "Wir wollen schön spielen", sagte Monymusks Kapitän Greaves, "aber manchmal gewinnt halt der, der einfach draufhaut." Sein Trainer nickte gequält: "Manchmal ist Fußball eben kein Schönheitswettbewerb." Der letzte Pfiff ging im Jubel des Publikums unter, das die Mannschaft von Dani Petrus feierte, als hätte sie gerade die Meisterschaft gewonnen. Und vielleicht war es das auch ein bisschen - ein Sieg des Willens über die Statistik, des Mutes über die Kontrolle. Oder, wie Vega es beim Verlassen des Spielfelds augenzwinkernd formulierte: "Wir hatten weniger Ballbesitz, aber mehr Spaß. Und das zählt ja am Ende auch." 06.03.643987 07:24 |
Sprücheklopfer
Nevio Scala ist ein phantastischer Trainer und er hat eine tolle Mannschaft. Dortmund wird ganz sicher Weltmeister!
Giovanni Trappatoni