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Es war eine dieser lauen Aprilnächte, in denen der Fußball in Manchester eigentlich in die Kategorie "Pflichtprogramm" fällt - und doch wurde daraus ein kleines Drama mit rotem Einschlag und südenglischem Happy End. Vor 34.634 Zuschauern im City Park Stadion besiegte der FC Southampton die Manchester Blues mit 2:1 und verdarb Trainer Daniel Kontsch den Saisonauftakt gründlich. Schon nach zehn Minuten brandete der erste Jubel aus dem Gästeblock auf: Owen Hartshorn, der Mann mit der Frisur eines Kunststudenten und dem Schuss eines Zimmermanns, traf nach Vorarbeit von Gerritt Van Cortlandt zum 0:1. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Hartshorn später, "der Ball hat gemacht, was er wollte - nur diesmal zu meinen Gunsten." Die Blues, von Kontsch wie gewohnt auf Kurzpassspiel und ruhige Zirkulation getrimmt, brauchten eine gute Viertelstunde, um zu merken, dass Ballbesitz allein keine Punkte bringt. In der 23. Minute dann endlich der Ausgleich: Sean Lester tänzelte an der linken Seite, flankte scharf in den Strafraum, und Ruben Ramirez, 21 Jahre jung und offenbar ohne Nerven, drosch den Ball humorlos unter die Latte - 1:1. "Das war der Moment, in dem wir dachten, jetzt kippt das Spiel", sagte Ramirez später. Es sollte nicht kippen. Denn während Manchester sich in ästhetisch wertlosen Querpässen übte, spielte Southampton einfach Fußball. 20 Torschüsse gegenüber 3 der Blues sprechen eine deutliche Sprache. Besonders Gabriel Nilsson, der schnelle Rechtsaußen der Gäste, wirbelte die Defensive der Hausherren regelmäßig durcheinander - auch wenn er selbst das Tor nicht traf. "Ich hab’s versucht, wirklich", lachte Nilsson nach Abpfiff, "aber Hartshorn wollte wohl einfach alle Tore selbst machen." Nach der Pause kam, was kommen musste: Kian Dewey, Linksverteidiger der Blues, sah erst Gelb (44.) und kurz nach Wiederanpfiff Gelb-Rot (51.). "Ich hab den Ball gespielt", beteuerte er später - vermutlich meinte er den Ball auf dem Trainingsplatz nebenan. "Das war der Knackpunkt", sagte Kontsch hinterher, "danach mussten wir improvisieren." Improvisation bedeutete: zwei Umstellungen, eine Portion Chaos und ein zunehmend nervöses Publikum. Und während die Blues ihre Formation suchten, fand Hartshorn erneut das Tor: In der 61. Minute schob er nach einem überlegten Pass von Liam Allington zum 1:2 ein. Torwart Adriano Morales streckte sich vergeblich - der Rest war Southampton pur. Trainer Michael Böning ballte an der Seitenlinie die Faust, drehte sich dann aber sofort wieder zur Bank: "Ruhig bleiben, Jungs. Wir sind nicht Chelsea." Die Gastgeber versuchten in Unterzahl noch einmal, sich aufzubäumen. Jaroslav Drulak prüfte in der 81. Minute Keeper Brandon Lithgow - der blieb ebenso cool wie die Abendluft über Manchester. Mehr kam nicht. Stattdessen humpelte Gawriil Borschtschewski nach 82 Minuten verletzt vom Platz, während Böning noch munter wechselte und sogar in der 85. Minute seinen Stürmer Manuel Tiago gegen Adam Hennessy brachte - ein Zeichen dafür, dass er das Ergebnis sichern wollte. Statistisch gesehen war es eine klare Sache: 50,6 Prozent Ballbesitz für Southampton, 56,9 Prozent gewonnene Zweikämpfe, und das alles mit einer offensiven Grundhaltung, die den Blues schlicht überforderte. Kontschs Mannschaft blieb taktisch "balanced", was an diesem Abend ungefähr so effektiv war wie ein Regenschirm im Tornado. "Wir müssen lernen, mit Druck umzugehen", meinte Trainer Kontsch nach Abpfiff, während er sich durch die Journalistenmenge kämpfte. "Und vielleicht auch damit, dass man mit elf Spielern einfach besser Fußball spielt." Hartshorn hingegen durfte sich feiern lassen - zwei Tore, ein Auftakt nach Maß. "Ich hab’ einfach Spaß am Spiel", sagte er und zwinkerte. "Und wenn’s nebenbei Punkte gibt, beschwer ich mich nicht." Im Publikum blickte ein älterer Herr im Blues-Trikot kopfschüttelnd zum Rasen und murmelte: "Früher haben wir noch Tore geschossen." Neben ihm lachte ein junger Southampton-Fan laut: "Früher war auch mehr Lametta." So endete der erste Spieltag der Saison mit einem Triumph für den Süden und einer Lehrstunde für Manchester. Die Blues müssen sich neu sortieren - und hoffen, dass der Aprilregen bald den Staub dieses Abends wegspült. Oder, wie ein Kollege in der Pressetribüne süffisant bemerkte: "Wenn man 3 Schüsse aufs Tor hat, sollte man wenigstens alle drei reinmachen. Dann wäre’s unentschieden geworden." 22.03.643997 06:35 |
Sprücheklopfer
Wenn Lothar so weitermacht, wird er Schwierigkeiten haben, für sein Abschiedsspiel gegen die Nationalelf eine Mannschaft zusammenzukriegen.
Mario Basler