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Wenn 49.924 Zuschauer an einem frostigen Januarabend ins Abe-Lenstra-Stadion pilgern, dann erwarten sie Feuerwerk. Und sie bekamen es - zumindest in Blau-Weiß. Der FC Heerenveen besiegte Capelle im Duell des 5. Spieltags der 1. Liga Niederlande mit 3:1 (2:1) und zeigte dabei, dass Offensivgeist keine Frage des Ballbesitzes ist. Schon nach vier Minuten bebte die Arena: Jan Van Tassel, gerade einmal 21, nahm einen Steilpass von Koenraad Vandermark auf, drehte sich einmal um die eigene Achse und jagte den Ball ins linke Eck. "Ich hab einfach draufgehauen. Wenn du zu viel nachdenkst, triffst du nur die Werbebande", grinste der Youngster nach dem Spiel, als hätte er soeben das Geheimnis des Lebens gelüftet. Doch Capelle antwortete prompt. In der 10. Minute kombinierten sie sich frech über rechts, Matej Moder legte quer, und Vitorino Tellez vollendete eiskalt - 1:1. Trainer Steffen Jänike schlug an der Seitenlinie die Hände zusammen, halb im Jubel, halb im Unglauben. "Da dachten wir, jetzt haben wir’s. Aber dann kam Heerenveen wieder mit der Brechstange." Und wie sie kamen. In Minute 42 war es Jeno Csizmadia, der nach einer butterweichen Hereingabe von Rechtsverteidiger Xabier Flores zum 2:1 einschob. Der Ungar mit der Stiernacke und dem Torriecher hatte da schon zwei Mal knapp verzogen, ehe er endlich traf. "Ich hab Xabier gesagt: ’Mach ihn flach, ich mach den Rest.’ Hat geklappt", lachte Csizmadia später in der Mixed Zone, während sein Trainer Adam Kramer im Hintergrund versuchte, seine Kaffeetasse nicht zu verschütten. Capelle versuchte, nach der Pause das Kommando zu übernehmen - zumindest auf dem Papier. Mit 51 Prozent Ballbesitz und immerhin fünf Torschüssen wirkten sie optisch überlegen, aber Heerenveen war schlicht effizienter. Kramer ließ offensiv spielen, aber mit der Gelassenheit eines Mannes, der weiß, dass 20 Abschlüsse irgendwann Früchte tragen. Die Gäste hingegen verloren nach und nach den Faden - und schließlich auch einen Spieler. In der 78. Minute blieb Sigfrid Kraft nach einem Pressschlag liegen. Diagnose: vermutlich Muskelverletzung. Während er vom Platz getragen wurde, kam Evdoxios Nioplias und versuchte, wenigstens optisch für Belebung zu sorgen. "Ich hab ihm zugerufen: ’Mach’s für Siggi!’, aber dann kam kein Ball mehr über die Mittellinie", seufzte Jänike später. Heerenveen kontrollierte das Geschehen, auch wenn Hanson Van Keuren in der 49. Minute mit einer Gelben Karte daran erinnert wurde, dass rustikale Zweikampfführung hierzulande nicht als Folklore gilt. "Der Schiri hat Humor, aber keinen Geschmack", meinte Van Keuren mit einem Augenzwinkern. Und dann kam wieder Csizmadia. 89. Minute, das Spiel eigentlich entschieden, doch Heerenveen wollte ein Ausrufezeichen setzen. Alessandro Petrizzi flankte von links, der Ball segelte durch den Strafraum, und Csizmadia nickte ihn mit der Entschlossenheit eines Mannes, der keine Verlängerung riskieren will, zum 3:1 ein. Stadionexplosion, Trompeten, Jubel - und Trainer Kramer, der sich demonstrativ die Brille putzte, um "das alles besser sehen zu können". Kurz darauf gönnte Kramer seinen Helden ein paar symbolische Applauswechsel: Der 18-jährige Nicolaas Winchel durfte für Hans Costar ran, gleich daneben kam Domenico Maida für den ausgepowerten Flores und Marnix Van Vechten für Ingo Chalana. Die Zukunft von Heerenveen stand buchstäblich auf dem Platz - und strahlte. Capelle versuchte es zum Schluss noch mit langen Bällen, aber Torhüter Gerard Van Keuren (der Bruder von Hanson, übrigens) pflückte sie alle weg, als wären es verirrte Neujahrsraketen. "Wir haben’s versucht, aber die waren heute einfach besser", räumte Capelles Kapitän Joshua Silvestre ein. Statistisch gesehen war das Spiel fast ausgeglichen - Capelle hatte leicht mehr Ballbesitz, Heerenveen aber die doppelte Entschlossenheit. 20 Torschüsse zu 5 sprechen eine deutliche Sprache. "Wir trainieren Abschlüsse, bis die Jungs keine Lust mehr haben. Heute hat’s sich gelohnt", resümierte Kramer, der sich den Sieg sichtlich auf der Zunge zergehen ließ. "Und wenn Jeno weiter so trifft, muss ich mir bald neue Jubelposen ausdenken." Capelle dagegen bleibt ein Rätsel. Offensiv mutig, defensiv löchrig, kämpferisch bis zur Selbstaufgabe - aber ohne Fortune. Jänike nahm’s mit Galgenhumor: "Wir waren gut, aber die Tore wollten einfach nicht mitspielen." Und so bleibt Heerenveen oben dran, während Capelle weiter in der Tabellenmitte herumdümpelt. Die Fans jedenfalls gingen beschwingt nach Hause. Einer rief beim Hinausgehen: "Wenn die so weiterspielen, brauchen wir bald ein größeres Stadion!" - und ganz ehrlich: An diesem Abend hätte niemand widersprochen. 06.03.643987 09:18 |
Sprücheklopfer
In der Schlußphase war der Pfosten der Einzige, auf den wir uns 100prozentig verlassen konnten.
Christoph Daum