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Heikki Sjölund schockt Paris - Finnischer Pragmatismus schlägt französische Finesse

Manchmal schreibt der Fußball Geschichten, die kälter sind als der finnische Winter. Paris St. Michel, glamouröser Vertreter der französischen Hauptstadt, ging am Mittwochabend in der Europaliga-Qualifikation mit großen Ambitionen ins Hinspiel gegen FF Jyväskylä - und stolperte über einen 36-jährigen finnischen Stürmer, der offenbar lieber Taten als Worte sprechen lässt: Heikki Sjölund. Sein Treffer in der 35. Minute genügte, um den Gästen ein 1:0 und eine perfekte Ausgangslage für das Rückspiel zu sichern.

Vor 49.426 Zuschauern im Stade du Lys begann alles so, wie es sich Trainer Jakub Jakubov wohl vorgestellt hatte: Offensiv, druckvoll, mit 54 Prozent Ballbesitz und einer Flut an Torschüssen. Allein Miroslav Ljuboja prüfte den Gästekeeper dreimal in der ersten halben Stunde - aber jedes Mal blieb Vladan Anicic, der 33-jährige Torwart-Veteran aus Serbien, stoisch wie ein Fels in der arktischen Brandung. "Ich hatte irgendwann das Gefühl, der Ball will einfach nicht rein", knurrte Ljuboja später.

Jyväskylä dagegen agierte, als hätten sie den Lehrfilm "Effizienz im europäischen Auswärtsspiel" auf Dauerschleife laufen. Drei Angriffe vor der Pause, einer davon saß. In der 35. Minute tanzte Aitor Nene auf dem rechten Flügel, schob den Ball flach in den Strafraum, und Sjölund grätschte ihn mit der Entschlossenheit eines Mannes, der weiß, dass er nicht viele solcher Chancen mehr bekommt, ins Netz. 1:0 - und plötzlich war es im Pariser Abend erstaunlich still.

"Das war finnische Direktheit", grinste Gästecoach Ricky Zinn nach dem Spiel. "Ein Pass, ein Schuss, ein Tor. Wir mögen keine langen Geschichten." Jakubov dagegen suchte nach passenden Worten: "Wir hätten aus drei Spielen kein Tor gemacht. Manchmal ist Fußball einfach grausam."

Das Heimteam blieb auch nach der Pause offensiv, wechselte zur Halbzeit gleich doppelt: Maurice Jean-Pierre und Pierre Dubois mussten raus, Frédéric Pernet und Henry Bosworth übernahmen die Flügel. Doch die erhoffte Wende blieb aus. Zwar feuerten die Pariser 15 Schüsse aufs Tor, doch kein einziger überwand den bärenstarken Anicic. In der 84. Minute hatte der junge Louis Barre die größte Chance: sein Linksschuss strich um Zentimeter am Pfosten vorbei. Der Torschrei lag schon in der Luft, doch der Ball hatte andere Pläne.

Die Finnen machten das, was Finnen eben tun: Sie verteidigten, als hinge ihr Leben davon ab. Leah Vollach, 35 Jahre alt, Innenverteidigerin und Dauerbrennerin, kassierte früh Gelb, aber das schien sie eher zu motivieren. Neben ihr räumte Bailey Preston alles ab, was nach französischem Angriff aussah. "Ich habe den Ball manchmal gar nicht gesehen, nur die Stollen", witzelte Paris’ Offensivmann Gerard Lessard nach dem Abpfiff, halb bewundernd, halb genervt.

Die Statistik sprach trotzdem für Paris: mehr Ballbesitz, mehr Torschüsse, leicht bessere Zweikampfquote. Doch Fußball ist kein Schönheitswettbewerb, und Tore zählen nun mal doppelt, wenn sie aus dem Nichts kommen. "Wir haben das Spiel kontrolliert", erklärte Jakubov, "aber sie haben das Ergebnis kontrolliert."

In den Schlussminuten wurde es noch hitzig. Innenverteidiger Eustatius Costar sah Gelb, kurz darauf erwischte es auch Linksverteidiger Bernard Baillon. Der Frust war greifbar, die Pariser Fans pfiffen - nicht aus Hass, sondern aus Enttäuschung. Auf der Tribüne schüttelte ein älterer Herr im Schal des Vereins den Kopf und murmelte: "So viel Glanz, so wenig Glück…"

Nach dem Schlusspfiff feierte Jyväskylä, als hätten sie gerade die Champions League gewonnen. Heikki Sjölund, der Mann des Abends, blieb gelassen. "Ich bin alt genug, um zu wissen: Das war nur die Hälfte", meinte er. "Aber sie war schön."

Nun steht Paris St. Michel im Rückspiel vor einer schwierigen Aufgabe. Ein 0:1 aufzuholen, ist machbar - aber gegen diese disziplinierten Finnen wird es mehr brauchen als Ballbesitz und gute Laune. Vielleicht eine Prise finnische Entschlossenheit?

Oder, wie Jakubov bei der Pressekonferenz halb scherzhaft, halb verzweifelt sagte: "Wenn wir in Jyväskylä kein Tor schießen, schicke ich die Jungs zum Eishockey."

Ein augenzwinkerndes Schlusswort für einen bitterkalten Abend: Der Fußballgott ist offenbar ein Finne - zumindest an diesem Mittwoch.

05.03.643987 20:11
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Wenn ich natürlich bei meinen Sechs-Minuten-Einsätzen bis zur Winterpause 30 Tore schieße, werde ich vielleicht nicht gehen dürfen.
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