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36744 Zuschauer im Estadio José Nasazzi sahen am Freitagabend ein Spiel, das sich anfühlte wie ein Roman von García Márquez: lang, detailverliebt - und mit einem späten, magischen Moment. CA Alto Peru besiegte CD Cerrense mit 1:0, ein Ergebnis, das nüchtern klingt, aber voller Emotionen steckte. Von Beginn an war klar, dass Trainer Daniel Düsentrieb seine Jungs auf Angriff programmiert hatte. Schon in der dritten Minute prüfte Jörg Heinemann den gegnerischen Keeper Thierry Benveniste mit einem satten Schuss - und das war nur der Auftakt eines Abends, in dem der 20-Jährige zum Sinnbild für Beharrlichkeit werden sollte. "Ich hab einfach draufgehalten, irgendwann muss der Ball ja mal rein", grinste Heinemann nach dem Spiel, während sein Trainer ihm auf die Schulter klopfte. Cerrense dagegen wirkte wie ein Team, das zwar mehr Ballbesitz hatte (53 Prozent, laut Statistik), aber nicht wusste, wohin mit dem Ball. Zwei kümmerliche Torschüsse in 90 Minuten sprechen Bände. "Wir wollten ruhig aufbauen, aber Alto Peru hat uns die Luft abgedreht", seufzte Gästecoach Leahcim Gnipeur, der während der Partie mehrfach die Hände über dem Kopf zusammenschlug - nicht aus Verzweiflung, sondern offenbar, um sich wach zu halten. Die erste Halbzeit war ein Lehrstück in Geduld. Alto Peru stürmte, Cerrense mauerte, und irgendwo in der Mischung aus Chancenflut und Ideenlosigkeit verlor das Publikum kurz den Glauben an den Fußball. Pol Bauza flankte, Tiago Bischoff schoss, Dimas Chalana stolperte - nur das Netz blieb unberührt. "Wir hätten schon 3:0 führen müssen", meinte Düsentrieb in der Pause, "aber das Tor war wohl beleidigt." Dann kam Minute 81. Alto Peru hatte inzwischen 15 Torschüsse gesammelt, Cerrense weiterhin kaum den Strafraum gesehen. Xabier Botin, gerade erst eingewechselt, hob den Kopf, spielte einen butterweichen Pass in die Schnittstelle - und Heinemann tat, was er den ganzen Abend versucht hatte: Er netzte ein. Ein trockener Rechtsschuss, flach ins Eck. 1:0. Das Stadion explodierte. "Ich hab ihn einfach instinktiv getroffen", sagte Heinemann später mit einem Grinsen, das irgendwo zwischen Erleichterung und Unglauben pendelte. "Ich dachte, der Ball sei schon wieder drüber - aber diesmal war das Tornetz im Weg." Während Alto Peru jubelte, suchte Cerrense verzweifelt den Schalter zum Aufwachen. Trainer Gnipeur reagierte mit lautstarken Kommandos, die allerdings im tosenden Publikum untergingen. Seine Abwehr, angeführt vom erfahrenen Dorin Dumitrache, versuchte noch einmal, sich nach vorn zu schieben, doch es blieb beim Versuch. "Wir haben das Spiel kontrolliert, aber nicht gestaltet", murmelte Dumitrache nach Abpfiff, sinnbildlich für die ganze Partie. Die Schlussminuten waren ein einziges Aufbäumen. Cerrense wurde aggressiver, ja fast wütend - der Statistik nach sogar "STRONG" in der Aggressivität. Doch außer einer Gelben Karte für Ricardo Menendo (42.) und einem hoch in die Nacht gejagten Freistoß von Javier Veloso (89.) sprang nichts Zählbares heraus. Alto Peru dagegen spielte die letzten Minuten mit der Ruhe eines Teams, das weiß, dass es heute nichts mehr schiefgehen kann. Selbst Innenverteidiger Jacinto Meira, der in der 77. Minute Gelb sah, grinste nach Abpfiff: "Wenn wir schon nicht schön spielen, dann wenigstens erfolgreich." Am Ende standen 16:2 Torschüsse, ein deutliches Tackling-Übergewicht (57 Prozent) und ein Trainer Düsentrieb, der sich den Schweiß von der Stirn wischte. "Ich sag’s mal so: Wir haben heute mehr Herz als Hirn gezeigt - und das war genau richtig." Sein Gegenüber Gnipeur dagegen verschwand wortlos im Kabinengang. Vielleicht suchte er dort nach der Antwort darauf, wie man mit so viel Ballbesitz so wenig anfangen kann. Und das Publikum? Es sang, tanzte und lag sich in den Armen. Alto Peru bleibt ein Team, das selten langweilt - selbst, wenn es 80 Minuten lang nicht trifft. Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "So spielt man keinen Fußball. Aber so gewinnt man Spiele." Ein Satz, den Heinemann vermutlich unterschreiben würde - mit einem lässigen Zwinkern und Grasflecken an den Knien. 21.04.643987 20:20 |
Sprücheklopfer
I hope, we have a little bit lucky.
Lothar Matthäus bei seiner ersten Pressekonferenz in New York