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Ein Freitagabend in Costa Rica, Flutlicht über dem Estadio Eladio Rosabal Cordero, 23.959 Zuschauer, feuchtwarme Luft - und ein Spiel, das eigentlich nach 25 Minuten schon vorbei war. CF Herediano besiegte CD Alajuela mit 3:0 und tat das auf eine Art, die zwischen gnadenlos effizient und höflich gelangweilt changierte. Bereits in der 11. Minute eröffnete Yves Maxime den Torreigen, als er nach klugem Zuspiel von Joel Vollmer den Ball trocken ins lange Eck setzte. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Maxime später lachend, "aber dann dachte ich: Ach, warum nicht mal aufs Tor?" Der Ball landete jedenfalls dort, wo er hingehörte, und die Tribüne vibrierte. Nur vier Minuten später - Herediano spielte, als hätte jemand die Zeitlupe umgekehrt - erhöhte Rafael Sousa auf 2:0. Wieder kam die Vorlage von Benjamin Morrison, der auf der rechten Seite schien, als hätte er einen eigenen Zeitplan. "Ich hab ihm einfach zugerufen: Lauf!", verriet Morrison. "Und Rafael ist halt gelaufen." Sousa traf, und Trainer Fritz Brause von Alajuela hob bereits da resigniert die Arme. Das 3:0 in der 24. Minute war dann fast eine Kopie des zweiten Treffers: Morrison flankte, Sousa stand goldrichtig und nickte ein. Die Gästeabwehr wirkte dabei, als sei sie noch beim Aufwärmen. "Wir waren nicht wach, das war offensichtlich", sagte Brause später mit einem Seufzer. "Vielleicht hätte ich vorher weniger von ’mutigem Offensivfußball’ reden sollen." Danach passierte - zumindest auf der Anzeigetafel - nichts mehr. Die restlichen 65 Minuten waren ein seltsames Schauspiel: Alajuela hatte mit 50 Prozent Ballbesitz leicht mehr vom Spiel, schoss sogar öfter aufs Tor (elf Mal gegenüber neun Versuchen der Hausherren), aber was half’s? Torwart Fabio Capucho im Herediano-Kasten hatte einen dieser Tage, an denen man ahnt, dass er abends sein Trikot kaum waschen muss. In der 20. Minute kassierte Heredianos Abwehrchef Fernando Vidigal Gelb, in der 44. folgte Yves Maxime. Und weil sich Linksverteidiger Pedro Derlei offenbar dachte, zwei Karten seien besser als eine, sah er erst Gelb (53.) und dann Gelb-Rot (69.). "Ich hab nur laut geatmet", verteidigte sich Derlei später mit einem Grinsen. Der Schiedsrichter war anderer Meinung. Trotz Unterzahl blieb Herediano souverän. Alajuela drückte, aber ohne Esprit. Daniel Duran probierte es mehrfach (27., 43., 74. Minute), Arnau Prieto und Yuval Naot mühten sich, doch Capucho hielt alles, was kam - und das mit stoischer Ruhe. "Wir haben’s in der ersten Halbzeit entschieden", resümierte Doppeltorschütze Sousa. "Danach haben wir einfach getan, was nötig war: den Ball laufen lassen und gelegentlich daran erinnern, wer hier Heimrecht hat." Alajuelas Trainer Brause, ein Mann mit norddeutschem Understatement, fasste es trocken zusammen: "Wir waren brav, Herediano war brutal effizient. Drei Chancen, drei Tore. Ich hätte mir gewünscht, dass meine Jungs wenigstens einen von ihren elf Schüssen nutzen. Aber gut, Fußball ist kein Wunschkonzert." Dass Herediano nach der Pause bei Ballbesitz und Zweikampfquote leicht unterlegen war, störte niemanden mehr. Das Publikum sang, die Spieler lächelten, und selbst der Platzwart klatschte Beifall, als Sousa in der 76. Minute fast noch das 4:0 erzielte. Ein kleiner Dialog am Spielfeldrand fasste die Partie perfekt zusammen: "Trainer, sollen wir noch pressen?", fragte ein Herediano-Spieler in der 80. Minute. "Nein", antwortete sein Coach angeblich, "wir haben doch schon alles gepresst, was ging - Alajuelas Hoffnungen inklusive." So endete ein Spiel, das nach einem Viertel der Zeit entschieden war, aber bis zum Schluss unterhaltsam blieb. Herediano zeigte, dass man auch ohne 60 Prozent Ballbesitz, ohne Aufregung und ohne Hektik ein Spiel dominieren kann - einfach, indem man Tore schießt, wenn’s drauf ankommt. Und Alajuela? Die werden sich wohl fragen, wie man mit elf Torschüssen keinen Treffer erzielt. Vielleicht hilft eine alte Fußballweisheit: Wer vorne nix reinmacht, kriegt hinten welche. Oder, wie Fritz Brause beim Hinausgehen murmelte: "Nächste Woche trainieren wir Zielen. Und zwar dringend." Ein Abend, der zeigte: Ballbesitz ist schön, Tore sind schöner. 21.04.643987 15:40 |
Sprücheklopfer
Ich würde Helmut Kohl gerne einmal kennenlernen. Der wird genau so oft angefeindet wie ich. Aber da habe ich wohl keine Chance, weil der Bundeskanzler ja schon Berti Vogts adoptiert hat.
Dragoslav Stepanovic