Haaretz Sports
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Herzliya dreht das Spiel: Späte Flügelshow raubt Ramat HaSharon die Punkte

Es war einer dieser warmen Maiabende in Ramat HaSharon, an denen selbst der Wind nach Fußball riecht - und nach geplatzten Träumen. 27.000 Zuschauer sahen am 16. Spieltag der 1. Liga Israel, wie Ramat HaSharon eine 2:1-Pausenführung gegen die Herzliya Yellows noch aus der Hand gab und am Ende mit 2:3 (2:1) das Nachsehen hatte.

Dabei begann alles so verheißungsvoll für die Gastgeber. Zwar traf der junge Tal Hanegbi in der 16. Minute nach Vorlage von Matan Ohayon zunächst für Herzliya - ein Schuss, so präzise, dass selbst der Linienrichter kurz applaudierte, bevor er sich wieder auf seine Flagge besann. Doch dann kam Ivan Tokic. Der 33-jährige Kroate hatte offenbar beschlossen, die Verteidigung der Yellows im Alleingang zu beschäftigen. Erst netzte er in der 36. Minute nach Zuspiel von Shulamit Vilner ein, dann drei Minuten später erneut, diesmal bedient von Carl Bischoff. Zwei Tore in drei Minuten - und plötzlich bebte das Stadion.

"Ich dachte, wir hätten sie da, wo wir sie haben wollten", sagte Tokic später mit einem bitteren Lächeln. "Aber Fußball ist kein Wunschkonzert - sonst würde ich jeden Abend drei Tore schießen."

Bis zur Pause war Ramat HaSharon die klar effektivere Mannschaft. Der Ballbesitz war nahezu ausgeglichen (50 zu 49 Prozent), doch Herzliya hatte deutlich mehr Torschüsse - ganze 15 gegenüber 5. Dass es trotzdem mit einer Führung für die Hausherren in die Kabine ging, lag an deren Effizienz und an Torhüter Maurice Devereux, der mit einer Mischung aus Reflex und Wahnsinn mehrfach spektakulär rettete.

Dann kam die Pause, und mit ihr Trainer Kula Shaker. Der Mann mit dem Namen eines Rockmusikers hatte offenbar in der Kabine die richtige Platte aufgelegt. Gleich nach Wiederanpfiff brachte er den frischen Rafael Brito - und der traf in der 47. Minute nach Vorarbeit von Mario Berjon zum 2:2. "Ich habe nur gemacht, was der Coach gesagt hat: Schieß, wenn du kannst - und bitte ins Tor", grinste Brito später.

Von da an kippte das Spiel. Herzliya spielte über die Flügel, schnell, aggressiv, fast schon übermotiviert - was sich auch in zwei Gelben Karten für Ingvar Anderson (46.) und Matan Ohayon (64.) zeigte. Der junge Innenverteidiger Eyal Tartman musste nach einer Verletzung in der 36. Minute ausgewechselt werden, aber selbst das brachte die Gäste nicht aus dem Tritt.

Ramat HaSharon wirkte zunehmend müde, ideenlos und überrascht davon, dass der Gegner tatsächlich Fußball spielte. "Wir wollten stabil stehen", erklärte ein sichtlich bedienter Heimtrainer nach Abpfiff. "Leider standen wir meistens daneben."

In der 84. Minute kam dann, was kommen musste: Wieder Hanegbi. Wieder über links. Wieder Berjon mit der Vorlage. Der 20-Jährige drosch den Ball humorlos unter die Latte - 3:2 für Herzliya. Danach rannte Ramat HaSharon noch einmal an, Benado sah in der 79. Minute Gelb und schoss in der 88. den letzten verzweifelten Versuch aufs Tor. Doch es blieb beim 2:3.

"Das war ein erwachsener Sieg", meinte Kula Shaker nach dem Spiel. "Und das von einer Mannschaft, die zum Teil noch glaubt, dass Aufwärmen optional ist." Er lachte, dann fügte er an: "Wir haben 15 Schüsse aufs Tor, das spricht für sich. Oder gegen die Abwehr des Gegners - je nachdem, wen man fragt."

Tokic, der Doppeltorschütze, stapfte wortlos in die Kabine. Nur ein Balljunge hörte ihn murmeln: "Zwei Tore, null Punkte - das ist Mathematik, die ich nie verstehen werde."

So bleibt Ramat HaSharon ein tragisches Beispiel für Schönheit ohne Lohn. Sie spielten gefällig, hielten den Ball, aber am Ende jubelten die anderen. Herzliya dagegen bewies, dass Flügelspiel, Mut und ein bisschen Chuzpe manchmal mehr wert sind als Statistiktabellen.

Vielleicht war es sinnbildlich, dass die Sonne über Ramat HaSharon unterging, als der Schlusspfiff ertönte. Ein Spiel, das mit Euphorie begann und in Ernüchterung endete - oder, wie ein Fan beim Hinausgehen sagte: "Wir hatten 50 Prozent Ballbesitz und 100 Prozent Frust."

Am Ende bleibt ein verdienter Auswärtssieg der Herzliya Yellows, die mit ihrer aggressiven, aber cleveren Spielweise bewiesen, dass man auch mit fast ausgeglichener Statistik groß aufspielen kann. Und für Ramat HaSharon? Vielleicht hilft ein bisschen Galgenhumor - und ein freier Sonntag zum Nachdenken.

01.12.643999 04:50
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