Haaretz Sports
+++ Sportzeitung für Israel +++

Herzliya stolpert daheim - Nazareth Illit siegt dank Gonzalos Glücksschuss

Es war ein lauer Winterabend in Herzliya, die Stadionlampen warfen ihr grelles Licht auf 43.500 gespannte Zuschauer, und kaum hatte der Schiedsrichter die Pfeife zum ersten Mal an die Lippen gesetzt, da bebte die Arena. Schon in der 6. Minute donnerte Pauel Cure den Ball ins Netz, als wäre er im Training und nicht mitten im Punktspiel der 1. Liga Israel. Ein feiner Pass von Miroslav Pacanda, ein kurzer Blick, ein trockener Abschluss - 1:0. Trainer Kula Shaker sprang wie ein Teenager an der Seitenlinie auf und rief seinem Stürmer zu: "So hab ich mir das vorgestellt!"

Nur eine Minute später, kaum hatte die Heimkurve zu Ende gejubelt, da war es wieder still. Nevio Bosingwa von Nazareth Illit, ganz der Mann für die schnellen Antworten, nutzte die erste Unachtsamkeit der Yellows-Verteidigung. Nach Vorlage von Boris Romischewski schlenzte er den Ball zum 1:1 ins lange Eck. "Ich dachte, wir wären noch beim Torjubel", knurrte Herzliyas Keeper Ondrej Zofcak später.

Das Spiel begann wie ein wilder Schlagabtausch im Boxring: zwölf Torschüsse für die Hausherren, zehn für die Gäste - und das alles bei fast 60 Prozent Ballbesitz für Herzliya. Doch wer nur den Ball hat, gewinnt bekanntlich nicht automatisch. Nazareth Illit stand tief, lauerte auf Fehler, und ihre Konter wirkten so präzise wie chirurgische Eingriffe. Trainer Jörg Hammer sah das mit Genugtuung: "Wir wollten sie kommen lassen. Wenn sie rennen, rennen sie sich selbst müde."

Nach einer turbulenten ersten Halbzeit mit Chancen auf beiden Seiten kam Herzliya engagiert aus der Kabine. Kula Shaker brachte zur Pause den jungen Eyal Herzog für den leicht angeschlagenen Hreidarsson - ein Zeichen, dass er frischen Schwung wollte. Und tatsächlich drückten die Yellows, erspielten sich Möglichkeiten, ließen aber die Kaltschnäuzigkeit vermissen. Pauel Cure prüfte den Gästetorhüter Hunt gleich mehrfach (41., 80.), doch der Mann mit den Katzenreflexen hielt, was zu halten war.

Dann die 62. Minute: Nazareth Illit mit einem Entlastungsangriff. Caio Pauleta über rechts, ein flacher Pass in den Rückraum, und Raul Gonzalo - eben erst eingewechselt - traf aus 18 Metern ins Glück. 1:2. Es war einer dieser Momente, in denen das Stadion kurz die Luft anhält, bevor das Raunen in enttäuschtes Schweigen übergeht.

"Das war eigentlich unser Spiel", sagte Shaker nach Abpfiff und sah aus, als hätte man ihm die Gitarre gestohlen. "Aber Fußball ist kein Konzert - hier entscheidet der Rhythmus des Gegners."

Nazareth Illit, die in der zweiten Halbzeit zunehmend auf lange Bälle setzten, verteidigte danach mit allem, was sie hatten. Selbst der sonst so offensive Rechtsverteidiger Uwe Ledig verwandelte sich in einen Abräumer alter Schule - bis er in der 88. Minute mit einer glatt Roten vom Platz flog. Ein rustikaler Tritt an der Seitenlinie, den man in den 80ern vielleicht noch als "robust" bezeichnet hätte. Hammer winkte ab: "Das war Leidenschaft, keine Bosheit. Na gut, vielleicht ein bisschen zu viel Leidenschaft."

Die letzten Minuten waren ein einziger Sturmlauf der Yellows. Shaker brüllte von außen: "Nach vorne, alle nach vorne!" Selbst Torwart Zofcak trabte bei einem Eckball in den Strafraum. Doch Nazareth Illit hielt stand - mit zehn Mann, mit Krämpfen, mit purer Willenskraft.

Als der Schlusspfiff ertönte, lagen die Spieler aus Nazareth einander in den Armen. Bosingwa grinste: "Wir haben Herzliya das Lächeln geklaut." Und tatsächlich: Während die Gäste jubelten, schlichen die Gelben bedröppelt in die Kabine.

Statistisch gesehen war es ein Spiel, das die Heimelf nie hätte verlieren dürfen - mehr Ballbesitz, mehr Torschüsse, mehr Laufarbeit. Doch Fußball liebt keine Zahlen, er liebt Geschichten. Und die Geschichte dieses Abends erzählte von einem Gonzalo, der den Unterschied machte, und einem Uwe Ledig, der für einen Moment zu sehr Feuer fing.

Kula Shaker versprach nach dem Spiel: "Wir werden weiter singen - nur diesmal ohne falsche Töne." Vielleicht ist das die richtige Einstellung. Denn trotz der 1:2-Niederlage war es ein Spiel, das zeigte, dass Herzliya durchaus Musik im Fuß hat. Nur der Rhythmus fehlte - und das Quäntchen Glück.

Nazareth Illit dagegen reist mit drei Punkten und einem breiten Grinsen zurück. "Wenn du auswärts gewinnst, bist du immer der Held", sagte Hammer beim Gehen. Und wer ihm dabei in die Augen sah, wusste: Er wird diesen Sieg genießen - wahrscheinlich länger als seine Spieler.

17.03.643987 23:04
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Unter den Einäugigen ist der Dreibeinige der König.
Rainer Calmund
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager