// Startseite
| Haaretz Sports |
| +++ Sportzeitung für Israel +++ |
|
|
|
Ein warmer Frühlingsabend in Herzliya, 43.500 Zuschauer im Stadion, und die Sonne war gerade so weit untergegangen, dass man sich nicht mehr entscheiden konnte, ob man eine Sonnenbrille oder ein Flutlicht brauchte. Die Herzliya Yellows empfingen am 2. Spieltag der 1. Liga Israel die Kafr Kanna Greens - und lieferten ein Spiel, das anfangs nach einem Spaziergang aussah, am Ende aber zur Zitterpartie wurde. Trainer Kula Shaker, sonst ein ruhiger Taktiker, wirkte schon beim Einlaufen auffällig gelassen. "Wir wollen heute einfach Fußball spielen", sagte er mit einem Grinsen, das sowohl Zuversicht als auch eine Prise Ironie verriet. Und seine Jungs nahmen ihn beim Wort: Schon nach wenigen Minuten prüften Tal Hanegbi (3.) und Gai Jadin (8.) den gegnerischen Keeper Morgan Lewis mit Schüssen, die mehr nach Warnung als nach Zufall aussahen. Kafr Kanna antwortete prompt. Marko Tosic, der wendige Linksaußen der Greens, versuchte es gleich zweimal (11. und 12.), aber Herzliyas Torhüter Rafael Tal machte seinen Kasten so dicht, dass man fast schon überlegte, ob er doppelte Handschuhe trug. Kurz darauf sah Kafrs Innenverteidiger Marcos Ruiz Gelb - ein Zeichen, dass die Greens den physischen Weg suchten, um die Kontrolle zurückzuerobern. Doch die Yellows blieben unbeeindruckt. In der 30. Minute fiel das logische 1:0: Elias Keller, der bullige Mittelstürmer, vollendete nach feiner Vorarbeit von Linksverteidiger Matthew Cromwell. Ein Treffer, so präzise wie ein Uhrwerk - und so laut bejubelt, dass der nahegelegene Strand kurzzeitig wie leergefegt war. Neun Minuten später legten die Gastgeber nach. Wieder war es das Mittelfeldduo Jadin und Hanegbi, das die Greens schwindelig spielte. Hanegbi flankte, Jadin nahm volley - 2:0! "Ich hatte kurz Angst, der Ball fliegt über das Stadion", lachte Jadin später, "aber dann war er halt drin." Mit 2:0 zur Pause schien alles entschieden. "Wir müssen einfach weitermachen, nicht nachdenken", mahnte Trainer Shaker in der Kabine. Doch genau das passierte - seine Spieler dachten zu viel nach. Nach dem Seitenwechsel kam Kafr Kanna mit neuem Mut zurück. Tosic, der bis dahin ständig an Tal gescheitert war, nutzte in der 57. Minute endlich seine Chance: Nach einem schnellen Doppelpass mit Curt Kraus versenkte er den Ball trocken ins rechte Eck. Nur noch 2:1 - und plötzlich roch das Stadion nach Spannung. Die Greens witterten ihre Möglichkeit, Herzliya wackelte. "Da haben wir kurz vergessen, dass man auch mal den Ball halten darf", murmelte Shaker später halb belustigt, halb verärgert. Doch seine Mannschaft fing sich wieder. Gai Jadin und Mario Berjon versuchten, das Spiel zu beruhigen, während Elias Keller vorne weiter ackerte, als ginge es um eine Marathonprämie. Kafr Kanna kämpfte tapfer, aber ohne Fortune. Ruiz musste aufpassen, nicht Gelb-Rot zu sehen, und Kraus sah in der 70. Minute selbst Gelb, nachdem er Matan Ohayon etwas zu energisch vom Ball trennte. Tosic hatte in der 57. Minute sein Tor gemacht, doch seine weiteren Versuche (65.) blieben harmlos. Die Yellows hingegen schossen weiter aus allen Lagen - 18 Torschüsse insgesamt, doppelt so viele wie die Greens. Keller prüfte Lewis noch in der 67. und 83. Minute, Berjon zog in der 86. knapp vorbei, und als George Ross in der 89. Minute den Ball über das Tor setzte, war klar: Es blieb beim 2:1. Nach Schlusspfiff fiel die Anspannung sichtbar ab. Shaker umarmte seinen Torwart, grinste und sagte in die Kameras: "Wenn wir jeden Gegner so lange zappeln lassen, kriege ich irgendwann graue Haare - aber drei Punkte sind drei Punkte." Kafr-Kanna-Coach - der sich diplomatisch gab, aber innerlich wohl kochte - meinte trocken: "Wir waren näher dran als es aussieht. Ein bisschen Glück, und das Ding kippt." So blieb es beim knappen, aber verdienten 2:1-Sieg der Herzliya Yellows. Ballbesitz? Fast ausgeglichen (51 zu 49 Prozent). Zweikämpfe? Auch da leichtes Übergewicht für Herzliya (55 zu 45). Am Ende entschied Effizienz - und vielleicht auch die Tatsache, dass Elias Keller einfach nicht aufhört zu laufen. Als die Flutlichter erloschen, rief ein Fan vom Zaun: "Kula, du bist der König von Herzliya!" Der Trainer drehte sich um, hob die Hand - und antwortete mit einem Lächeln, das alles sagte: "Heute vielleicht. Nächste Woche sehen wir weiter." Ein Abend, der zeigte, dass Fußball nicht immer gerecht ist - aber manchmal genau richtig. 03.04.643997 05:45 |
Sprücheklopfer
Wir haben einen Hund zu Hause, der ist acht Wochen alt. Der hat am letzten Sonntag völlig verstört unter dem Sofa hervor geschaut. Denn als Bremen in Dortmund das 3:1 erzielt hat, habe ich einen Schrei losgelassen, dass die Wände wackelten.
Uli Hoeneß