Haaretz Sports
+++ Sportzeitung für Israel +++

Herzliya Yellows fliegen über die Flügel - Tel Aviv Orange bleibt blass

Ein lauer Abend am Mittelmeer, Flutlichtglanz über 37.727 Zuschauern - und mittendrin ein Team, das offenbar vergessen hatte, dass Ballbesitz allein noch keine Punkte bringt. Die Herzliya Yellows besiegten am 4. Spieltag der 1. Liga Israel die Tel Aviv Orange mit 2:0 (1:0) und taten das in einer Mischung aus Spielfreude, taktischer Disziplin und, ja, einer gewissen Chuzpe.

Von der ersten Minute an war klar, wer an diesem Abend den Ton angeben wollte - und wer nur mitspielen durfte. Bereits nach 60 Sekunden prüfte der unermüdliche Wladimir Larionow den jungen Orange-Keeper Jitzchak Aloni, der die Hände warm bekam, bevor er überhaupt wusste, was los war. Larionow, Herzliyas russischer Wirbelwind im Sturmzentrum, feuerte gleich mehrfach - in der 3., 9., 13., 19., 20. und 21. Minute - und hätte allein schon eine eigene Chancenstatistik füllen können. "Ich dachte, es wird eines dieser Spiele, wo du alles triffst - außer das Tor", grinste Larionow nach dem Abpfiff.

Doch in der 27. Minute platzte der Knoten. Der routinierte Mittelfeldstratege Ernst Ernst, dessen Name offenbar Programm ist, schickte Larionow mit einem präzisen Steckpass durch die Gasse. Der Stürmer blieb diesmal eiskalt, schob ein - und das Stadion vibrierte. Trainer Kula Shaker ballte die Faust, drehte sich zu seinem Co-Trainer und soll gesagt haben: "Siehst du, Flügelspiel ist keine Nostalgie, das ist Kunst!"

Tel Aviv Orange hatte bis dahin viel Ballbesitz - am Ende waren es 53 Prozent -, aber so richtig wussten sie damit nichts anzufangen. Ein einziger Torschuss in 90 Minuten, von Christopher Broderick in der 82. Minute, spricht Bände. "Wir wollten ruhig aufbauen", erklärte Gästecoach Vale Biorausch nach dem Spiel, "aber die Yellows ließen uns nie richtig atmen." Eine freundliche Umschreibung für das, was tatsächlich geschah: Herzliya presste geschickt, zog sich bei Bedarf zurück und lauerte auf Konter.

Kurz nach der Pause kam dann der Moment des Abends - und die Ironie des Fußballs. In der 54. Minute war es ausgerechnet Innenverteidiger Frideborg Lindblom, der nach einer Ecke von Alexander Williamson aus dem Gewühl heraus das 2:0 erzielte. "Ich hatte eigentlich gar nicht vor, da vorne zu bleiben", lachte Lindblom später. "Aber als der Ball kam, dachte ich: Warum nicht?"

Williamson selbst machte nicht nur durch seine Vorlage, sondern auch durch eine Gelbe Karte (65.) auf sich aufmerksam. Ebenso robust zeigte sich Abwehrchef Lindblom später erneut - diesmal allerdings im falschen Moment: auch er sah Gelb (73.). "Wir wollten zeigen, dass wir keine Touristen sind", kommentierte Trainer Shaker mit einem schelmischen Grinsen.

Tel Aviv Orange blieb währenddessen ihrem balancierten, aber zahnlosen Stil treu. Kein Pressing, kaum Risiko, viel Querpasserei. Das erinnerte phasenweise an ein Trainingsspiel mit angezogener Handbremse. "Wir haben zu lange auf den perfekten Moment gewartet", seufzte Kapitän Wouter Dorlan. "Leider kam er nie."

Herzliya hingegen wechselte clever. In der 45. Minute durfte der erst 19-jährige Keeper Rafael Tal zwischen die Pfosten - eine mutige Entscheidung, die sich auszahlte, auch wenn er kaum geprüft wurde. Später kam in der 59. Minute Eyal Herzog, 20 Jahre jung, für den ausgelaugten Ernst Ernst - frisches Blut im Mittelfeld. Herzog versuchte es gleich zweimal selbst (90. und 92. Minute) und hätte beinahe sein Premierentor gefeiert.

Am Ende standen 21 Torschüsse der Yellows einem einzigen der Gäste gegenüber - eine Statistik, die mehr über den Spielverlauf sagt als jede Taktiktafel. Zwar hatte Tel Aviv mehr Ballbesitz, doch wirkten sie so harmlos wie ein Orangenkistchen ohne Saft.

"Ich habe meinen Jungs gesagt: Wenn wir weiter so spielen, müssen wir das Stadion bald vergrößern", witzelte Trainer Shaker in der Pressekonferenz. Sein Gegenüber Biorausch nahm’s sportlich: "Manchmal ist Fußball einfach ungerecht. Aber heute war er sehr gerecht."

So endete der Abend mit einem zufriedenen Publikum, zwei Toren, zwei Gelben Karten und einer Erkenntnis: Die Herzliya Yellows sind auf dem Weg, mehr als nur ein Farbtupfer in dieser Liga zu werden.

Und Tel Aviv Orange? Vielleicht hilft ein Spritzer mehr Säure im Spiel. Denn ohne Biss bleibt selbst die schönste Orange schlicht - eine Frucht zum Auspressen.

05.03.643987 13:35
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