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Herzliya Yellows tanzen durch Lupeni - ein 18-Jähriger stiehlt allen die Show

Europaliga | Gruppenrunde - 6. Spieltag | 21.07.26 | Minerul Lupeni - Herzliya Yellows 1:3

Es war ein lauer Sommerabend in Lupeni, doch auf dem Rasen des Minerul-Stadions glühte der europäische Wettbewerb: 39.959 Zuschauer sahen, wie die Herzliya Yellows mit einem 3:1-Sieg die Hoffnungen des rumänischen Vertreters auf ein Weiterkommen in der Europaliga nahezu pulverisierten. Und sie sahen, wie ein 18-jähriger Junge namens Ronny Sapir in 15 Minuten zur Hauptfigur des Abends wurde.

Schon die ersten Minuten versprachen Unterhaltung. Minerul begann forsch, Valentin Ganea prüfte den israelischen Keeper Edward Densham nach zwei Minuten mit einem strammen Schuss. Trainer Karl-Heinz Müller gestikulierte wild an der Seitenlinie, als wolle er die Kugel selbst ins Netz pusten. Doch dann kam Henry Mills, der flinke rechte Flügelstürmer der Yellows, und sorgte für die erste kalte Dusche. In der 13. Minute setzte er sich gegen zwei Verteidiger durch und vollendete nach Pass von Ingo Duran eiskalt - 0:1. "Ich hab einfach auf den richtigen Moment gewartet", sagte Mills später mit einem Grinsen.

Das 0:1 lähmte Minerul zunächst. Carl Santos, der linke Verteidiger der Hausherren, versuchte durch körperlichen Einsatz ein Zeichen zu setzen - und sah prompt Gelb. "Ich wollte nur zeigen, dass wir noch leben", meinte er später, ehe er in der 69. Minute mit Gelb-Rot endgültig das Gegenteil bewies.

Bis dahin hatte Minerul aber den Kopf wieder gehoben. Nach der Pause kam der Ausgleich: Sorin Radoi, Innenverteidiger mit Stürmerallüren, wuchtete in der 47. Minute nach einem Freistoß von Dudu Bükössy den Ball ins Netz. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", lachte Trainer Müller später, "aber Sorin hat einfach weiter gemacht - typisch Verteidiger, kein Gefühl für Dramaturgie."

Das Stadion explodierte, Lupeni war wieder da. Doch die Euphorie hielt genau bis zur 69. Minute, als Santos mit der Ampelkarte vom Platz flog. Von da an diktierte Herzliya das Geschehen - und der Teenager Ronny Sapir betrat die Bühne.

Nur zwei Minuten nach seiner Einwechslung bereitete er seinen eigenen großen Auftritt vor: In der 75. Minute verwertete er eine Hereingabe von Henry Mills und brachte die Yellows wieder in Führung. Vier Minuten später ließ er seinen Gegenspieler stehen, nahm einen Pass von Eric Achard auf und schlenzte den Ball ins lange Eck - 1:3, der Deckel drauf. "Ich wollte eigentlich flanken", scherzte Sapir nach dem Spiel, "aber der Ball hatte andere Pläne." Trainer Kula Shaker grinste zufrieden: "Wenn du 18 bist und so frech spielst, darfst du auch mal behaupten, es war Absicht."

Minerul versuchte noch einmal alles, brachte den jungen Vasile Chivu für den müden Ganea, später Dorinel Bindea für den angeschlagenen Tararache. Doch die Unterzahl, die Hitze und die israelische Ballsicherheit (Ballbesitz 54,5 Prozent) ließen keine Wende mehr zu. Auch wenn Bindea in der 87. Minute noch einen beherzten Schuss abfeuerte - Densham im Tor der Gäste war zur Stelle.

"Wir haben nach dem Platzverweis den Faden verloren", gab Müller ehrlich zu. "Aber man muss fair sagen: Herzliya war einfach cleverer. Und dieser Sapir … der hat uns heute das Fürchten gelehrt."

Statistisch war die Partie fast ausgeglichen - 9:12 Torschüsse, 47,5 Prozent gewonnene Zweikämpfe für die Hausherren. Doch die Effizienz der Gäste machte den Unterschied. In den letzten Minuten erlaubten sie sich sogar, den Ball im Mittelfeld zirkulieren zu lassen, als wäre das Ganze ein Trainingsspiel. Einige Fans pfiffen, andere applaudierten anerkennend.

Als der Schlusspfiff ertönte, jubelten die rund 300 mitgereisten Anhänger der Yellows, während die Spieler von Minerul mit hängenden Köpfen in die Kabine trotteten. Nur Dudu Bükössy klopfte jedem Gegner fair auf die Schulter - der 33-Jährige weiß wohl, dass man aus solchen Abenden lernt.

"Das war ein Reifeprozess", meinte Müller mit einem bitteren Lächeln, "leider für den Gegner."

Und so bleibt Lupeni nach diesem 1:3 ein Ort, an dem man zwar Bier und Hoffnung teilt, aber die Punkte lieber verschenkt. Herzliya dagegen tanzt weiter durch Europa - angeführt von einem Teenager, der ganz offenbar keine Angst vor großen Bühnen hat.

Oder wie es Kommentator Petrescu auf der Pressetribüne trocken formulierte: "Wenn das so weitergeht, wird Ronny Sapir bald nicht mehr per Bus zum Spiel fahren - sondern mit Eskorte."

21.07.2026 19:38
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