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Wenn ein Spieler einen Sahnetag erwischt, dann sieht sogar der Rasen ein bisschen grüner aus. Raphael Herzog, 33 Jahre alt und offenbar in der zweiten Jugendblüte, schoss den FC Bystrc-Kninicky beim 4:1-Heimsieg gegen SK Strakonice praktisch im Alleingang zum dritten Saisonsieg. Vier Tore, viermal pure Entschlossenheit - und eine ganze Stadt, die ihn jetzt "den Rechtsaußen von Bystrc" nennt. Dabei begann alles gar nicht nach Plan. In der 17. Minute nutzte Strakonices Galaktion Apostolakis einen Moment der Unordnung in der bystrcer Abwehr und traf nach feinem Zuspiel von Israel Shum zum 0:1. "Da haben wir kurz geschlafen", knurrte Trainer Carsten Achenbach später, "aber manchmal muss man sich erst eine Ohrfeige holen, um wach zu werden." Wach war danach vor allem Raphael Herzog. Nur elf Minuten nach dem Rückstand zog er von rechts in die Mitte und versenkte den Ball mit links ins lange Eck - 1:1. Der Jubel? Eher eine knappe Handbewegung Richtung Bank, als wolle er sagen: "Ich bin jetzt warm." Zwei Minuten später war’s wieder Herzog, diesmal nach Vorarbeit von Marko Riihilahti, der zum 2:1 traf. Die 27.813 Zuschauer im Stadion sangen, als seien sie Zeugen einer kleinen Legende. Strakonice, ohnehin nicht als auswärtsstark bekannt, verlor nach dem frühen Rückstand auch noch Apostolakis verletzt. Der 25-Jährige humpelte in der 27. Minute vom Platz, für ihn kam der junge Marco Doreste. "Das hat uns wehgetan", gestand Gästecoach Markus Falb, "Galaktion ist unser Motor. Ohne ihn fehlte uns einfach der Zündfunke." Die Statistik sprach am Ende Bände: 12:3 Torschüsse für Bystrc, fast ausgeglichener Ballbesitz (50,6 zu 49,4 Prozent), aber eine Tacklingquote von 56,6 Prozent für die Gastgeber - man könnte sagen, sie wollten den Sieg einfach mehr. Und sie spielten offensiv, wie es die Taktiktafel schon vor dem Anpfiff verriet: Achenbach ließ seine Männer mit offensiver Ausrichtung und starkem Einsatz agieren, während Falb auf "ausgewogen und lang" setzte - ein Konzept, das klang wie eine schlechte Diät. Nach der Pause schien Strakonice kurz Hoffnung zu schöpfen, doch die verpuffte in der 57. Minute. Wieder Herzog, wieder eiskalt, diesmal nach schönem Pass von Rechtsverteidiger Benjamin Marley. "Ich hab einfach gespürt, dass er mich sieht", grinste Herzog hinterher. "Wenn Benjamin den Ball querlegt, dann ist das wie ein Geschenk - man packt’s einfach aus." Als ob drei Tore nicht genug gewesen wären, setzte Herzog in der 81. Minute noch einen drauf - Vorlage von Jerome Simard, Abschluss trocken ins rechte Eck. Das 4:1 war zugleich der Deckel auf einen Abend, an dem Bystrc-Kninicky so spielte, als hätte man ihnen morgens doppelt Espresso serviert. Dazwischen gab’s auch ein bisschen Farbe: Gelb für Michal Kula (8.), Benjamin Marley (65.), Lukas Baros (75.), Karel Dostalek (76.) und Kristofer Gulbrandsen (91.) - alles in allem kein böses Spiel, aber eines mit klarer Körpersprache. "Wir wollten zeigen, dass wir kein Karnevalsverein sind", scherzte Achenbach. Strakonice bemühte sich redlich, doch drei Torschüsse in 90 Minuten sind in der 1. Liga Tschechien eher eine höfliche Geste als ein Angriff. Torwart Tomas Baros verhinderte Schlimmeres, sein wütender Tritt gegen den Pfosten nach Herzogs viertem Treffer sprach Bände. "Ich hätte ihn vielleicht foulen sollen - aber dann hätte ich auch Gelb bekommen", murmelte er selbstironisch nach der Partie. Und Raphael Herzog? Der Held des Abends stapfte nach Abpfiff in die Kabine, als wäre nichts gewesen. "Vier Tore sind schön, aber ich hätte auch fünf machen können", sagte er mit einem Grinsen, das irgendwo zwischen Bescheidenheit und Übermut pendelte. Trainer Achenbach fasste es trocken zusammen: "Wenn ein 33-Jähriger läuft wie ein 23-Jähriger und trifft wie ein 18-Jähriger, dann kannst du als Trainer eigentlich nur Danke sagen." Am Ende blieb der Eindruck eines Spiels, das weniger knapp war, als es die Statistik vermuten ließ. Bystrc-Kninicky spielte erwachsen, zielstrebig, mit Witz und Wille - Strakonice hingegen wie ein Team, das seine Auswärtsjacken lieber nicht auspackt. Und irgendwo auf der Tribüne witzelte ein Zuschauer: "Wenn der Herzog noch einmal so spielt, kriegt er demnächst ein eigenes Wappen." Man möchte fast meinen: verdient hätte er’s. 06.03.643987 09:20 |
Sprücheklopfer
Ich denke, dass man stolz sein kann auf die Leistung von Schalke 04, wegen der Leistung.
Andreas Möller