Elfmeter
+++ Sportzeitung für Deutschland +++

Hofmann dreht das Spiel: Northeim siegt 2:1 gegen SCW Göttingen

Es war ein Mittwochabend, wie ihn die Verbandsliga D liebt: 20:15 Uhr, Flutlicht, 2.374 Zuschauer im Gustav-Wegner-Stadion und ein Spiel, das erst spät seine ganze Dramatik entfaltete. Am Ende jubelte Eintracht Northeim über einen 2:1-Heimsieg gegen den SCW Göttingen - dank eines jungen Mannes, der offenbar beschlossen hatte, im Alleingang die zweite Halbzeit umzuschreiben: Janis Hofmann, 20 Jahre jung, Doppelpacker und Publikumsliebling in spe.

Doch der Reihe nach. Die Partie begann mit einem eher gemächlichen Abtasten. Göttingen hatte mehr Ballbesitz (knapp 58 Prozent), Northeim dafür die klareren Chancen. Schon nach 16 Minuten prüfte der flinke Volker Hofer den SCW-Keeper Paul Hafner, der mit einer akrobatischen Flugeinlage parierte. "Ich dachte kurz, der Ball sei drin", grinste Hofer später, "aber Hafner hat wohl noch Klettverschluss an den Handschuhen."

Trotz dieser ersten Warnschüsse wirkten die Gäste reifer. Mit ihrem ausgeglichenen Spielaufbau ließen sie die Northeimer laufen - lange ohne zwingend zu werden. In der 45. Minute dann der Schock für die Gastgeber: Markus Maus tankte sich auf rechts durch, flankte präzise in den Strafraum, und Rafael Döring vollendete eiskalt ins lange Eck. 0:1 - und das genau mit dem Halbzeitpfiff. "Wir waren da einfach zu brav", knurrte Northeims Trainer Tim Picke später, "da darfst du den Ball niemals so unbedrängt flanken lassen."

Die Pausenansprache des Eintracht-Coaches muss dann allerdings durch Mark und Bein gegangen sein. "Ich hab ihnen gesagt, sie sollen sich mal erinnern, dass das hier kein Tanztee ist", verriet Picke mit einem schiefen Grinsen. Und siehe da: Northeim kam verwandelt aus der Kabine.

Ab der 46. Minute rollte Angriff auf Angriff auf das Göttinger Tor. Hofmann, de Freitas, Kolb - sie alle feuerten, als gäbe es Freibier pro Torschuss. Ganze 21 Mal zielte Northeim im Spielverlauf auf den Kasten, während Göttingen auf acht Versuche kam. Der Ausgleich lag in der Luft wie der Duft von Bratwurst über der Gegengerade.

In der 64. Minute war es dann so weit. Gerhard Steiner, der schon die ganze rechte Seite rauf- und runtergeackert war, setzte sich mit einem energischen Sprint durch und legte perfekt in die Mitte. Dort stand Hofmann - und vollstreckte trocken. 1:1, und das Stadion ein Tollhaus.

Nur zwei Minuten später, kaum hatte der Stadionsprecher den ersten Torschützen zu Ende verkündet, wiederholte sich das Schauspiel fast identisch. Wieder Steiner, wieder Hofmann, wieder Tor. 2:1. Wer zu spät von der Bratwurstbude kam, glaubte an eine Zeitschleife. "Beim zweiten dachte ich, na gut, dann mach ich’s halt nochmal", lachte Hofmann nach Abpfiff. "Gerhard hat’s mir zweimal auf den Teller serviert - da sagste ja nicht nein."

Göttingen, sichtlich geschockt, versuchte noch einmal, Kontrolle zu gewinnen. Trainer und Co. gestikulierten wild an der Seitenlinie, doch die Eintracht hatte Blut geleckt. Mit aggressivem Pressing, das man in der ersten Halbzeit schmerzlich vermisst hatte, hielten sie die Gäste weitgehend vom Tor fern. Nur Joschua Scholz kam in der 82. Minute noch einmal gefährlich durch, scheiterte aber an Keeper Andre Nickel, der sich mit einer Fußabwehr in bester Handball-Manier unsterblich machte.

Die letzten Minuten gehörten dann wieder Northeim. Statt das Ergebnis zu verwalten, spielten sie weiter munter nach vorn - als hätten sie vergessen, dass sie führen. Timo Wagner sah in der 77. Minute noch Gelb, Göttingens Frank Bartsch folgte in der 80. - ein Zeichen dafür, dass die Partie nun auch auf verbaler Ebene "intensiv geführt" wurde, wie man so schön sagt.

Als der Schlusspfiff ertönte, lagen sich Spieler und Fans in den Armen. "Das war Leidenschaft pur", schwärmte Trainer Picke, "und Janis hat gezeigt, warum wir ihn letzte Saison aus der A-Jugend hochgezogen haben." Auf der anderen Seite schüttelte SCW-Angreifer Döring nur den Kopf: "Wenn du führst und dann zwei so schnelle Gegentore kassierst, tut das weh. Wir haben uns selbst geschlagen."

Statistisch betrachtet war Göttingen sogar das aktivere Team - mehr Ballbesitz, mehr Pässe, weniger Ertrag. Northeim dagegen zeigte, dass Fußball keine Rechenaufgabe ist. Zwei Tore aus 21 Versuchen, aber die richtigen zur richtigen Zeit.

Und so endete dieser 15. Spieltag der Verbandsliga D mit einem Lehrstück in Sachen Moral und jugendlichem Übermut. Northeim hat jetzt nicht nur drei Punkte mehr, sondern auch einen neuen Helden: Janis Hofmann.

Oder wie ein älterer Fan beim Hinausgehen murmelte: "Wenn der so weitermacht, wird der Junge bald teurer als unsere ganze Haupttribüne."

19.11.643999 11:32
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Die Türken haben gezeigt, dass man, egal bei welchem Spielstand, immer mit ihnen rechnen kann. Das macht sie natürlich unberechenbar.
Jogi Löw
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager