// Startseite
| Cardiff Sports |
| +++ Sportzeitung für Wales +++ |
|
|
|
Es war einer dieser Abende, an denen die Holyhead Blues scheinbar beschlossen hatten, den eigenen Fans ein dramaturgisch perfektes Fußballstück zu bieten. 40.729 Zuschauer im altehrwürdigen Hafenstadion sahen am 8. Spieltag der 1. Liga Wales eine erste Halbzeit voller Chancen, aber ohne Tore - und eine zweite, in der sich Geduld und Spielfreude schließlich auszahlen sollten. Am Ende stand ein verdienter 2:0-Erfolg über die Connahs Quay Nomads, die zwar tapfer, aber über weite Strecken überfordert wirkten. Schon nach wenigen Sekunden donnerte Noah Barbier den Ball das erste Mal Richtung Gäste-Tor. Es sollte der Auftakt zu einer wahren Schussorgie werden: 26 Torschüsse der Blues standen am Ende nur drei der Nomads gegenüber. Die Partie war einseitig wie ein Waliser Regenschirm im Sturm - man weiß, was passiert, aber man schaut trotzdem zu. Holyhead drückte, kombinierte, flankte, schoss - nur das Netz wollte sich einfach nicht wölben. Trainer Jürgen Steinmetz schüttelte in der 35. Minute den Kopf, als Ramon Vaz aus 20 Metern den Ball auf die Tribüne schickte. "Ich glaube, der hätte den Mond getroffen, wenn das Stadiondach offen wäre", grinste Steinmetz später. Die Nomads dagegen wirkten, als hätten sie ihr Navi auf "Parkmodus" gestellt. Ihr erster Torschuss kam in der 32. Minute von Juan Pablo Ximenis - ein harmloser Versuch, der Blues-Keeper Rafael Arino eher zum Gähnen als zum Hechten brachte. Bitterer wurde es für die Gäste in der 44. Minute, als Lucas Satchmore verletzt raus musste. Der junge Isaac Bridges kam für ihn, zeigte Einsatz, aber auch jugendliche Nervosität. In der Pause raunte ein älterer Fan hinter der Pressetribüne: "Wenn wir heute kein Tor machen, dann nie wieder." 27 Minuten später wurde er erlöst. In der 72. Minute war es Ferenc Kabat, der nach feiner Vorarbeit von Tzipi Itzhaki endlich den Bann brach. Ein flacher Schuss ins rechte Eck, präzise wie eine Steuererklärung - 1:0 für die Blues, und das Stadion explodierte. "Ich hab nur gesehen, dass Tzipi Platz hatte, und dann dachte ich: probier’s einfach", sagte Kabat nach dem Spiel und grinste breit. "Und diesmal hat der Ball sogar das Tor getroffen - das ist ja auch mal was." Connahs Quay versuchte danach, irgendwie ins Spiel zurückzufinden, doch ihre Angriffsbemühungen wirkten so harmlos, dass der Stadionsprecher nach einem verunglückten Schuss in der 86. Minute spöttisch meinte: "Immerhin, das war Richtung Tor." Es war der letzte Versuch der Gäste, bevor Holyhead in der 87. Minute endgültig den Deckel draufmachte. Enrique Blanco, der linke Verteidiger, sprintete die Linie entlang wie ein Mann mit einer Mission, flankte butterweich in den Strafraum - und Noah Barbier köpfte den Ball wuchtig zum 2:0-Endstand ins Eck. "Ich hab Enrique nur rufen hören - oder vielleicht war’s der Wind", lachte Barbier später. "Aber der Ball war perfekt. Da musste ich nur noch den Kopf hinhalten." Während die Blues jubelten, stand Connahs Quays Trainer ratlos an der Seitenlinie. Ein Kollege aus der Presse fragte ihn, ob er Positives gesehen habe. "Ja", antwortete er trocken, "der Busfahrer hat pünktlich geparkt." Die Statistik sprach ohnehin eine klare Sprache: 57 Prozent Ballbesitz, fast 60 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 26 Abschlüsse. Die Nomads hingegen wirkten mit ihren drei zaghaften Versuchen aufs Tor wie ein Schüler, der hofft, dass die Lehrerin die Hausaufgaben nicht einsammelt. Trainer Steinmetz zeigte sich nach dem Spiel zufrieden - aber nicht euphorisch. "Das war über weite Strecken richtig gut. Nur die Chancenverwertung macht mich noch älter, als ich ohnehin schon bin." Dann grinste er: "Aber wenn man am Ende 2:0 gewinnt, darf man sich ruhig mal beschweren." Und so ging ein Abend zu Ende, an dem die Holyhead Blues zeigten, dass Geduld manchmal doch belohnt wird - und dass Fußball, selbst ohne spektakuläre Taktikwechsel oder Pressing-Feuerwerke, einfach schön sein kann, wenn man ihn richtig spielt. Oder, wie ein Fan beim Herausgehen sagte: "Zwei Tore, keine Nervenkrise - das ist schon fast langweilig gut." Ein wenig Ironie mag dabei sein. Aber wer 26 Mal aufs Tor schießt, darf sich den Spaß leisten. 10.04.643987 04:13 |
Sprücheklopfer
Ob der FC Bayern so viel Geld ausgeben würde, weiß ich auch nicht. Sollen sie lieber mir das Geld geben, dann laufe ich noch mehr.
Stefan Effenberg über Transfers im Bereich 60-70 Millionen