Cardiff Sports
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Holyhead lässt Llanelli rotsehen - Blues siegen 4:1

Ein kühler Abend in Llanelli, Flutlicht, 20.000 Zuschauer, und es roch nach Fußball, nach Gras, Schweiß und Hoffnung. Hoffnung, die bei den Llanelli Reds allerdings schon in der ersten Halbzeit leise in Richtung Nordsee davonsegelte. Am Ende stand ein deutliches 1:4, das die Holyhead Blues mit einer Mischung aus Effizienz, Spielfreude und - man darf es sagen - kaltem Blut herausspielten.

Dabei fing alles so gut an für die Gastgeber: Nach gerade einmal zehn Minuten zappelte der Ball im Netz der Blues. Koenraad Schaffer, der flinke Rechtsaußen der Reds, verwandelte einen schönen Pass von Finlay Huxley zum 1:0. Der Jubel im "Reds Stadium" war ohrenbetäubend. "Da dachte ich, heute läuft’s mal anders", sagte Huxley später mit einem bitteren Lächeln. Tja, dachte er.

Denn ab Minute 30 übernahmen die Blues das Kommando - und was für eins. Ramon Vaz, der Taktgeber im Mittelfeld, zog aus 20 Metern ab, nachdem Linksverteidiger Charlie Browning mustergültig aufgelegt hatte - 1:1. Nur acht Minuten später war es Noah Barbier, der eine butterweiche Flanke von Vaz volley nahm und das 2:1 erzielte. Faas Dag im Tor der Reds konnte nur hinterherschauen. "Ich hab den Ball noch gehört, bevor ich ihn gesehen hab", murmelte Dag nach dem Spiel und kratzte sich am Kopf.

Die erste Halbzeit endete mit ratlosen Gesichtern in Rot und zufriedenen in Blau. Holyhead hatte da bereits neun Torschüsse verbucht, Llanelli ganze drei. Die Blues spielten weiter mit einer klar offensiven Ausrichtung, während die Reds taktisch brav "ausgewogen" blieben - was an diesem Abend ungefähr so funktionierte wie ein Regenschirm im Orkan.

In der zweiten Halbzeit zeigte Holyhead dann, warum sie in dieser Saison zu den Titelfavoriten zählen. Igor Skrtel, der bullige Rechtsaußen, erhöhte in der 73. Minute auf 3:1 - wieder auf Vorlage von, na klar, Ramon Vaz. "Ich hab einfach nur draufgehauen", grinste Skrtel nach dem Spiel. "Und gehofft, dass keiner im Weg steht." Stand keiner.

Sechs Minuten später setzte Henry Long den Schlusspunkt. Ein schneller Doppelpass mit Skrtel, ein kurzer Haken, ein flacher Schuss - 4:1. Im Stadion wurde es still. Nur der Gästeblock sang sich die Kehlen wund, während Llanellis Fans sich fragten, ob sie nicht doch besser zu Hause den Rasen gemäht hätten.

Statistisch war das Spiel so eindeutig, wie das Ergebnis vermuten lässt: 18 Torschüsse für die Blues, nur 7 für die Reds. 52 Prozent Ballbesitz, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe, und das alles mit einer Leichtigkeit, die Trainer Jürgen Steinmetz hinterher fast zu philosophischen Höhenflügen verleitete: "Wir haben einfach Fußball gespielt. Kein Zauber, kein Wunder - nur Ball, Raum und Mut." Dann grinste er, zog an seiner Wasserflasche und fügte hinzu: "Und vielleicht ein bisschen Ramon Vaz."

Vaz selbst, dreifacher Vorlagengeber und Torschütze, gab sich bescheiden: "Ich wollte nur das Spiel kontrollieren. Aber wenn die Jungs vorne so laufen, muss man sie einfach füttern."

Auf der anderen Seite war die Stimmung gedrückt. Llanelli-Coach - dessen Name in den Unterlagen auffällig fehlte, als wollte er gar nicht erwähnt werden - stand nach dem Schlusspfiff lange am Spielfeldrand. "Wir hatten unseren Moment", sagte er schließlich, "und danach hatten wir Holyhead." Mehr war wohl nicht zu sagen.

Die taktischen Unterschiede waren überdeutlich: Während Holyhead von Beginn an offensiv ausgerichtet spielte und die Reds mit aggressivem, aber fairem Pressing beschäftigte, blieben die Gastgeber in ihrem ausgewogenen, fast artigen Stil gefangen. Kein Pressing, kein Aufbäumen - nur ein stoisches Ausharren, das spätestens nach dem 1:3 in Resignation umschlug.

Für die Zuschauer blieb immerhin das Gefühl, ein gutes Spiel gesehen zu haben - wenn auch mit dem falschen Sieger aus lokaler Sicht. Der junge Ellis Leachman auf der linken Abwehrseite der Reds kämpfte bis zum Schluss, rannte, grätschte, dirigierte - und wurde bei seiner Auswechslung sogar mit Applaus verabschiedet. "Das Publikum hat verstanden", meinte ein älterer Fan auf der Tribüne. "Die Jungs haben’s versucht. Aber Holyhead war heute wie ein Schnellzug, und wir waren das Fahrrad daneben."

Am Ende blieb die Anzeigetafel unerbittlich: Llanelli Reds 1, Holyhead Blues 4. Ein Ergebnis, das die Blues an die Tabellenspitze bringt und den Reds eine schlaflose Nacht beschert.

Und während Jürgen Steinmetz nach Spielende grinsend in den Mannschaftsbus stieg, hörte man aus dem Gästeblock noch ein letztes, heiseres "We are the Blues!" - vielleicht etwas schief, aber völlig verdient.

30.05.643997 18:38
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