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20.000 Zuschauer im altehrwürdigen Bozsik-Stadion sahen am 13. Spieltag der ungarischen 1. Liga ein Spiel, das lange Zeit so aussah, als wolle es gar kein Ende finden - zumindest kein Torreiches. Doch am Ende jubelte Honvéd Budapest über ein 1:0 gegen den tapfer kämpfenden SC Tuzsér. Und das dank eines Mannes, der an diesem frostigen Januarabend zur richtigen Zeit am richtigen Ort stand: Péter Fehér, der routinierte Linksaußen, traf in der 65. Minute nach Vorarbeit von Jenő Klausz. Bis dahin war viel passiert - und doch irgendwie nichts. Beide Teams schossen je zwölfmal auf das Tor, doch echte Hochkaräter blieben rar. Schon nach zwei Minuten zog Tuzsérs Flügelstürmer Ferenc Neufeld ab, als wollte er prüfen, ob Honvéd-Keeper János Takács schon wach war. Der war es - und das blieb er auch die nächsten 88 Minuten. "Wenn ich ehrlich bin, hatte ich selten so viele Bälle genau auf mich bekommen", grinste Takács später. Honvéd antwortete postwendend: Gyula Titkos versuchte es in der dritten Minute aus der Distanz, doch Tuzsérs Schlussmann Zoltán Bozsik parierte sicher. Es war der Auftakt zu einem Schlagabtausch, bei dem beide Seiten lieber auf Sicherheit als auf Spektakel setzten. Der Ballbesitz: exakt ausgeglichen - 50,4 zu 49,6 Prozent. Selbst die Statistik schien sich zu langweilen. "Wir wollten kontrollieren, aber am Ende haben wir eher kontrolliert gewartet", spottete Honvéd-Coach István Farkas nach dem Spiel mit einem Augenzwinkern. Sein Gegenüber, Tuzsér-Trainer Lajos Varga, konterte trocken: "Manchmal ist 0:0 das gerechteste Ergebnis - nur leider nicht heute." Tatsächlich hätte Tuzsér mit etwas mehr Zielwasser führen können: Innenverteidiger Rikard Bruhn, der sich offenbar als verkappter Stürmer fühlte, schoss in der 12. Minute zum zweiten Mal aufs Tor - beide Male knapp daneben. Später, in der 51. Minute, sah er Gelb, nachdem er einen Konter rustikal beendete. "Ich wollte den Ball spielen", erklärte Bruhn - und fügte nach kurzem Zögern hinzu: "…und vielleicht ein bisschen den Gegner." Das Spiel plätscherte dahin, als läge es in der Donau, und das Publikum begann bereits, die Kälte mit ironischen Gesängen zu bekämpfen. Dann aber, in der 65. Minute, kam der Moment, der das Stadion explodieren ließ. Jeno Klausz setzte sich auf der linken Seite durch, flankte scharf in den Strafraum, und Péter Fehér rauschte heran wie ein verspäteter Schnellzug. Mit links versenkte er den Ball unhaltbar ins lange Eck. 1:0 - und endlich Bewegung auf der Anzeigetafel. Nach dem Treffer wachte Honvéd auf, als hätte jemand die Heizung angedreht. Feher, beflügelt von seinem Tor, probierte es gleich noch einmal per Distanzschuss, diesmal ohne Erfolg. Der junge Gyula Ujlaki, erst 17 Jahre alt, sorgte mit frechen Dribblings für Szenenapplaus. "Ich wollte einfach Spaß haben", sagte er nach Spielschluss, "und wenn man gewinnt, macht’s doppelt Spaß." Tuzsér versuchte in der Schlussphase alles. Benjamin Elliot, der betagte Linksaußen, prüfte Takács gleich dreimal (26., 39., 84. Minute), doch der Torhüter behielt die Nerven. In der 87. Minute hatte Jeno Kovrig noch die große Chance auf den Ausgleich, doch sein Schuss landete in den Händen des Keepers - sinnbildlich für den Abend. "Wir haben gekämpft, wir haben gebissen, aber am Ende fehlte das Quäntchen Glück", seufzte Varga. Sein Blick ging dabei Richtung Himmel, als wolle er den Fußballgott direkt zur Rechenschaft ziehen. Auf der anderen Seite feierte Honvéd ausgelassen. Fehér wurde auf den Schultern seiner Mitspieler vom Feld getragen - nicht ganz freiwillig, wie er lachend zugab: "Ich wollte eigentlich nur schnell unter die heiße Dusche." Unterm Strich war es ein Spiel, das weniger durch Glanz als durch Geduld entschieden wurde. Beide Mannschaften agierten taktisch diszipliniert, beide hielten sich an ihre ausgewogene Marschroute - offensiv wie defensiv. Kein wildes Pressing, kein bedingungsloser Angriff - sondern ein zähes Ringen um Zentimeter. Und doch: Der Fußball lebt von Momenten, nicht von Prozenten. Einer davon gehörte Péter Fehér. Sein Treffer schenkte Honvéd drei Punkte und den Fans einen Grund zum Jubeln. Und wer weiß - vielleicht war dieser unscheinbare Sieg der Beginn eines kleinen Aufschwungs. Oder, wie es ein älterer Fan beim Hinausgehen murmelte: "Schöner wäre es mit drei Toren gewesen - aber eins reicht fürs Herz." 17.06.643987 11:28 |
Sprücheklopfer
Jeder, der mich kennt und der mich reden gehört hat, weiß genau, dass ich bald englisch in sechs oder auch schon in vier Wochen so gut spreche und Interviews geben kann, die jeder Deutsche versteht.
Lothar Matthäus