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Wenn die Regionalliga D eines kann, dann Geschichten schreiben, die nach Gras, Schweiß und leicht angebranntem Bratwurstduft riechen. Beim 18. Spieltag am Freitagabend war Hörschweiler wieder einmal Hauptdarsteller - und der SV Steinbach der unglückliche Nebendarsteller. 4750 Zuschauer sahen ein Spiel, das nur in eine Richtung lief: nach vorne, und zwar meist Richtung Steinbacher Tor. Am Ende stand ein völlig verdienter 2:0‑Sieg für Hörschweiler, der eigentlich auch höher hätte ausfallen können. Von der ersten Minute an war klar, dass die Hausherren mehr Lust auf Fußball hatten als ihre Gäste auf Gegenwehr. Schon nach zwei Minuten prüfte Maik Herzog den Steinbacher Keeper Fabian Schmitz - ein Vorgeschmack auf das, was noch folgen sollte. Hörschweiler kombinierte, Steinbach konterte (zumindest theoretisch), und die Ballbesitzstatistik von 59,6 Prozent sprach Bände. "Wir wollten den Ball laufen lassen - und er ist brav gelaufen", grinste Hörschweilers Mittelfeldmotor Nils Behrens später. In der 18. Minute fiel dann endlich das, was man gemeinhin als logische Konsequenz bezeichnet: Marcel Schneider tankte sich über rechts durch, legte quer, und Maik Herzog drosch die Kugel mit der Präzision eines Uhrwerks in die Maschen - 1:0. Schmitz flog, aber eben ins Leere. "Ich hab den Ball gar nicht richtig gesehen, nur gehört", murmelte der Torwart später. Steinbach versuchte anschließend, Ordnung zu finden, fand aber meist nur Hörschweilers Mittelfeld. Die Gäste kamen insgesamt auf ganze drei Torschüsse - und das ist schon eine großzügige Zählweise. Einmal, kurz vor der Pause, wurde es tatsächlich gefährlich, als Maximilian Noack in der 45. Minute abzog, aber Ben Jürgens im Hörschweiler Tor war aufmerksam wie ein Wachhund vor der Metzgerei. In Halbzeit zwei wieder dasselbe Bild: Hörschweiler drückte, kombinierte, spielte sich in einen Rausch aus Pässen und Chancen. Ein Schussfestival, das die Statistik mit 21 Torschüssen dokumentiert - aber die Latte, der Pfosten und ein glänzend reagierender Schmitz verhinderten Schlimmeres. "Da war ein bisschen Pech dabei - oder zu viel Zielwasser beim Gegner", witzelte Steinbachs Coach Martin Schmittel, der trotz der Niederlage erstaunlich gefasst wirkte. In der 53. Minute gab’s eine Schrecksekunde für Steinbach: Lars Schumacher verletzte sich im Zweikampf mit Resul Derelioglu und musste raus. Für ihn kam Lefteris Konstantinou, der gleich mit seinem ersten Ballkontakt zeigte, dass Linksverteidiger nicht unbedingt Flügelspieler sind. Hörschweiler blieb am Drücker, aber der erlösende zweite Treffer ließ bis zur 86. Minute auf sich warten. Wieder war es ein Angriff, wie ihn Trainer-Lehrbücher lieben: Xabier Mourino, der 34‑jährige Edeltechniker, tanzte an der Strafraumkante und legte mustergültig ab auf Nils Behrens. Der zog ab - und diesmal passte alles: 2:0, Spiel entschieden, Stadion im Freudentaumel. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Behrens später schmunzelnd zu, "aber manchmal ist Ehrlichkeit die schönste Taktik." Die letzten Minuten plätscherten dahin, Steinbach brachte noch zwei harmlose Schüsse von Richard Labant zustande, während Otto Freund sich kurz vor Schluss noch Gelb abholte - vermutlich, um wenigstens einmal im Spielbericht aufzutauchen. Am Ende sprach das Zahlenblatt eine deutliche Sprache: 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 21 Abschlüsse, 2 Tore - das war eine Demonstration. "Das war heute ein Statement", sagte ein sichtlich zufriedener Hörschweiler-Trainer (der sich mit einem breiten Grinsen weigerte, von "Pflichtsieg" zu sprechen). "Die Jungs haben’s laufen lassen, so wie man’s in Hörschweiler eben tut - mit Stil, mit Schweiß und mit Spaß." Steinbach hingegen muss sich fragen, wann aus "balanciertem Angriffsspiel" wieder echter Offensivmut wird. Drei Schüsse auf das Tor sind in der Regionalliga eher ein Statement in Minimalismus. Trainer Schmittel versuchte es mit Humor: "Wir haben immerhin keinen Elfmeter verschossen - das ist doch auch was." So blieb’s beim 2:0, das in seiner Klarheit fast schmeichelhaft war. Hörschweiler klettert in der Tabelle weiter nach oben, während Steinbach wohl noch ein paar Trainingseinheiten braucht, um zu lernen, dass Ballbesitz nicht nur eine Zahl auf dem Statistikbogen ist. Oder, wie es der Stadionsprecher beim Abpfiff augenzwinkernd zusammenfasste: "Hörschweiler gewinnt verdient - und Steinbach darf jetzt wieder an den Bus denken." 14.08.643996 09:37 |
Sprücheklopfer
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