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Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob die Gäste überhaupt aus dem Bus gestiegen sind. 21.679 Zuschauer im Stadion von Hradec Kralove sahen am 7. Spieltag der 1. Liga Tschechiens ein Spiel, das nach 45 Minuten entschieden war - oder besser gesagt: schon längst vorbei. Die Gastgeber führten zur Pause mit 4:0, und das blieb auch der Endstand. Trainer Thomas Michael Rinesch hatte seine Mannschaft von Beginn an offensiv eingestellt - und das mit einer Konsequenz, die Benesov schlicht überforderte. Schon in der 14. Minute eröffnete Callum Buchan den Torreigen nach einem blitzsauberen Zuspiel von Rechtsverteidiger Jack Lujan. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Lujan später, "aber Callum hat die Eingabe einfach als Einladung verstanden." Nur 14 Minuten später war es Nicolas Le Tallec, der nach feinem Pass von Zivojin Despotovic auf 2:0 stellte. Der Franzose war an diesem Abend kaum zu bremsen - und das nicht nur, weil Benesovs Innenverteidiger Alois Lukes eher mit der eigenen Orientierung kämpfte als mit dem Ball. "Ich habe kurz gedacht, ich träume", meinte Le Tallec später lachend. "So viel Platz hatte ich zuletzt auf dem Trainingsplatz - vor drei Jahren!" Nach 33 Minuten setzte Nael Meireles das nächste Glanzlicht. Wieder war es Lujan, der rechts durchbrach, und Meireles schob eiskalt ein. Das 3:0 ließ die Zuschauer jubeln, während Benesovs Trainerteam noch überlegte, welche Taktik sie eigentlich gewählt hatten. Fünf Minuten später schlug Le Tallec erneut zu, diesmal nach einer Ecke von Joseph Bedard - 4:0. Die Statistik verrät: Hradec Kralove hatte zwar nur 48 Prozent Ballbesitz, aber 14 Schüsse aufs Tor. Benesov brachte es auf vier - und wenn man ehrlich ist, war das schon schmeichelhaft. Torwart Claude Gaudin hatte einen ruhigen Abend, den er hauptsächlich damit verbrachte, sich die Handschuhe neu zu schnüren. Nach der Pause versuchte Benesov, wenigstens etwas Ordnung ins Chaos zu bringen. Trainer Rinesch wechselte Xavi Martins und Antonio Albacar ein, um die Zentrale zu stabilisieren - was sich vor allem darin äußerte, dass die Gastgeber es nun ruhiger angingen. "Wir wollten das Ergebnis verwalten", erklärte Rinesch trocken. "Und vielleicht auch ein bisschen Mitleid zeigen." Benesov mühte sich redlich, aber es blieb beim Versuch. Tomas Zubek hatte in der 66. Minute noch die beste Gelegenheit, doch Gaudin parierte lässig. Stattdessen sammelten die Gäste Gelbe Karten wie andere Panini-Bilder: Jordi Mantecon (46.), Tord Larsson (53.), Zubek (67.) und Lukes (73.) durften sich allesamt Notizen im Schiedsrichterbuch abholen. "Unsere Jungs hatten heute die Gelbphase ihres Lebens", sagte ein sichtlich genervter Benesov-Coach nach dem Spiel. "Vielleicht dachten sie, es gebe dafür Punkte." Im Publikum war die Stimmung längst ausgelassen. Ein älterer Fan rief nach dem vierten Tor: "Jetzt lasst sie leben!" - woraufhin ein anderer trocken entgegnete: "Zu spät, das ist schon Beerdigung." Die letzten 45 Minuten plätscherten dahin, Hradec Kralove verwaltete, Benesov versuchte, wenigstens den Ehrentreffer zu erzwingen. Doch selbst das blieb verwehrt. In der 89. Minute hatte Stefanos Kalitzakis noch einmal eine Chance, aber Benesovs Keeper Gabri Moreno verhinderte Schlimmeres. Am Ende stand ein 4:0, das in seiner Deutlichkeit kaum zu übersehen war. Hradec Kralove war in allen Belangen überlegen - im Zweikampf (55 Prozent gewonnen), in der Konsequenz und vor allem in der Spielfreude. "Das war Fußball, wie ich ihn liebe", sagte Rinesch beim Verlassen des Rasens. "Mutig, zielstrebig, manchmal verrückt - aber immer mit Herz." Benesovs Spieler hingegen schlichen wortlos Richtung Kabine. Nur Zubek murmelte noch: "Wenn man vier Tore in einer Halbzeit kassiert, hat man wohl zu freundlich gespielt." Ein Spiel, das Hradec Kralove als Triumph und Benesov als Mahnung in Erinnerung bleiben wird. Die Gastgeber zeigten, dass Offensivgeist auch ohne Ballbesitz funktioniert - und dass manchmal 45 Minuten genügen, um ein Statement zu setzen. Oder, wie ein Zuschauer beim Bierstand am Ausgang meinte: "Manchmal weißt du nach einer halben Stunde, wer tanzt - und wer nur die Musik hört." 29.03.643987 13:50 |
Sprücheklopfer
Ich denke, dass man stolz sein kann auf die Leistung von Schalke 04, wegen der Leistung.
Andreas Möller