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Wer zu spät kam, den bestrafte an diesem frostigen Januarabend nicht das Leben, sondern Ricardo Bosingwa. Kaum hatte der Schiedsrichter die Pfeife zum Anstoß angesetzt, zappelte der Ball nach gerade einmal 60 Sekunden im Netz der Hull Tigers. 27.000 Zuschauer rieben sich ungläubig die Augen - manche suchten noch den Platz auf der Tribüne, da stand’s schon 1:0 für Hucknall Town. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Bosingwa nach dem Spiel. "Manchmal muss man den Torwart gar nicht ausgucken - man muss ihn nur überraschen." Und genau das tat er. Hull-Keeper Joel Eliot sah die Kugel wohl erst, als sie schon wieder hinausgerollt wurde. Zehn Minuten später legte Thierry Bergeron nach - nach feinem Zuspiel von Maurice Kohl. 2:0, und im Stadion roch es früh nach einem dieser Abende, bei denen die Fans der Townies zu Chorgesang und Bierdusche übergehen. Trainer Maddes Kaiser, sonst eher als Taktikfuchs bekannt, gab sich demonstrativ entspannt: "Ich sag den Jungs immer: Wenn ihr Spaß habt, habt ihr meist auch den Ball. Und heute hatten sie offenbar sehr viel Spaß." Hucknall Town dominierte mit 53 Prozent Ballbesitz und 13 Schüssen aufs Tor - im Vergleich zu mageren sechs der Gäste. Die Tigers wirkten in der ersten Halbzeit wie eine Katze, die den Kratzbaum verwechselt hat: viel Fauchen, wenig Krallen. Coach Mathias Oergel stapfte mehrmals wütend in seiner Coaching-Zone auf und brüllte Anweisungen, die irgendwo zwischen "Höher stehen!" und "Nicht schon wieder!" lagen. Nach dem Wechsel versuchte Hull, mit aggressiverem Pressing (und drei frischen Spielern) das Ruder herumzureißen. Doch der Plan hielt so lange wie ein Schneemann in der Sauna. In der 51. Minute marschierte Linksverteidiger Mordechai Greenberg die Linie entlang, bekam einen feinen Pass von Filipe Alves - und schloss trocken ins lange Eck ab. 3:0. "Ich dachte, der Trainer wechselt mich gleich aus", lachte Greenberg später. "Also hab ich lieber vorher getroffen." Kurz darauf kam Bewegung ins Spiel der Gäste. Der junge Cesc Zapatero, schon zuvor auffälligster Tiger, traf in der 67. Minute nach schöner Vorarbeit von Billy Chamberlain zum 3:1. Ein Hoffnungsschimmer - der allerdings kaum Zeit hatte, heller zu leuchten, als er schon wieder erlosch. Nur zwei Minuten später stellte Marc Baer den alten Abstand wieder her. Der flinke Rechtsaußen versenkte einen Querpass von Bosingwa mit der Präzision eines Uhrmachers. 4:1 - und Ende der Träume für Hull. "Wir waren einfach wacher, bissiger", bilanzierte Hucknalls Kapitän Bergeron. "Die frühe Führung hat uns Flügel verliehen." Sein Trainer Kaiser nickte zufrieden: "Wir haben das umgesetzt, was wir trainiert haben - vorne mutig, hinten solide. Und manchmal darf man auch einfach genießen, dass der Ball ins Tor geht." Die Tigers hingegen suchten nach Worten - und fanden vor allem Ausreden. "Ein unglücklicher Beginn, danach rennt man nur noch hinterher", seufzte Coach Oergel. "Wir hatten unsere Chancen, aber Hucknall war gnadenlos effizient." Tatsächlich: selbst als seine Mannschaft kurzzeitig mehr Druck aufbaute, blieb sie harmlos. Der 17-jährige Joker Xabier Nene durfte zwar in der 64. Minute sein Zweitliga-Debüt feiern, aber Torchancen blieben Mangelware. Hucknall verteidigte clever, auch wenn Abwehrmann Andres Henriquez in der 87. Minute noch Gelb sah - "ein taktisches Foul", wie er grinsend bekannte. "Ich wollte einfach nicht, dass wir noch einen kassieren. Kaiser hätte mir sonst die Ohren langgezogen." Die Statistik sprach am Ende eine klare Sprache: mehr Ballbesitz, bessere Zweikampfquote (54 Prozent) und doppelt so viele Torschüsse. Hucknall gewann nicht nur klar, sondern auch überzeugend. Und während die Tigers bedröppelt in die Kabine schlichen, feierten die Fans der Gastgeber ihre Helden mit Sprechchören, die noch weit über die Stadionmauern hinaus hallten. Trainer Kaiser verabschiedete sich mit einem Augenzwinkern: "Wenn wir so weiter spielen, muss ich mir bald Sorgen machen - die Jungs brauchen mich dann gar nicht mehr." Vielleicht übertreibt er. Aber an diesem 21. Spieltag der 2. Liga England war Hucknall Town schlicht eine Klasse besser. Und Hull? Die Tigers sollten sich vielleicht daran erinnern, dass Fauchen allein noch kein Brüllen ist. 19.09.643987 05:04 |
Sprücheklopfer
Der Trainer hatte nach den ganzen Ausfällen im Angriff nur noch die Wahl zwischen mir und dem Busfahrer. Da der Busfahrer seine Schuhe nicht dabei hatte, habe ich gespielt.
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