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Es war ein nasskalter Dienstagabend in Birkenhead, an dem man sich normalerweise lieber mit einer Tasse Tee aufs Sofa kuschelt. Doch 10.500 Unentwegte entschieden sich für Flutlicht, Pfützen und Pokalromantik - und sie bekamen zumindest eines davon: Pokalromantik, allerdings ohne Happy End für die Tranmere Rovers. Der Drittligist unterlag in der 1. Runde des Pokals den jungen Wilden der Hull Tigers mit 0:2 (0:0). Die erste Halbzeit? Nun ja, sie war eine Art Vorspiel ohne Pointe. Hull stürmte, schoss, drosch - und scheiterte. 22 Torschüsse wurden am Ende gezählt, aber lange Zeit wirkte es, als könnten die Tigers auch noch drei Stunden weiterspielen, ohne dass der Ball den Weg ins Tor fände. Tranmere dagegen kam auf vier kümmerliche Abschlüsse und wirkte, als spiele man lieber auf Sicherheit als auf Sensation. "Wir wollten sie müde laufen lassen", sagte Tranmere-Mittelfeldmann Callum Henderson mit einem Grinsen, das ahnen ließ, dass der Plan spätestens nach der Pause in sich zusammenfiel. Denn Hull ließ sich nicht müde laufen - sie liefen einfach weiter. Trainer Mathias Oergel hatte seine Truppe im klassischen "balanced short-pass"-Modus eingestellt, was in der Praxis so aussah: Jeder Pass fand einen Mitspieler, und fast jeder Mitspieler schoss anschließend aufs Tor. Besonders auffällig war Rechtsaußen Jürgen Petersen, 20 Jahre jung, blond, schnell, unverschämt selbstbewusst. Er prüfte Keeper Leo Beecroft schon in der 12. Minute mit einem satten Schuss, den dieser noch mit den Fingerspitzen ablenken konnte. Später klatschte Beecroft seinem Verteidiger Kai Forsythe auf die Schulter und murmelte: "Wenn der Junge noch einmal so zieht, dann hol mir bitte einen neuen Handschuh." Aber Beecroft hielt, was zu halten war - bis zur 79. Minute. Da war Hulls Dauerdrückerei endlich von Erfolg gekrönt. Alexander Bancroft flankte butterweich von links, Petersen rauschte heran und vollendete per Direktabnahme in die lange Ecke. Ein Tor, das so präzise war, dass man fast vergaß, wie viele Chancen zuvor vergeben worden waren. "Ich hab’ einfach draufgehalten", grinste Petersen nach dem Spiel. "Mein Trainer sagt immer: Wer oft genug schießt, trifft irgendwann auch das Tor. Heute hat’s halt 79 Minuten gedauert." Tranmere versuchte zu antworten, aber die Beine waren schwer, der Mut noch schwerer. Stattdessen nutzten die Tigers vier Minuten später die Gunst der Stunde: Der 18-jährige Ewan Caviness, der schon zuvor mehrfach knapp gescheitert war, traf nach Vorarbeit von Logan Lansbury zum 0:2. Ein Treffer, der die Partie endgültig entschied - und Caviness zum jüngsten Pokaltorschützen der Tigers-Geschichte machte. "Ich hab’ gar nicht gesehen, dass er drin war", stammelte der Teenager nach dem Spiel. "Ich hab’ nur Logan schreien hören und dann alle auf mir draufliegen." Die Schlussphase war dann ein Lehrstück in Ballverwaltung. Hull, nun die Katzen mit der Sahne, spielte das Ergebnis ruhig herunter. Tranmere sammelte noch ein paar gelbe Karten - Harvey Perlman früh, Lewis O’Leary spät - und etwas Frust. Trainer Oergel dagegen wirkte an der Seitenlinie fast schon väterlich gelassen. "Wir haben’s kontrolliert, aber auch Geduld gebraucht. Die Jungs lernen, dass man Spiele nicht immer mit Hurra gewinnt", erklärte er hinterher. Die Statistiken untermauern seinen Eindruck: 53 Prozent Ballbesitz, 22 Schüsse auf das Tor, drei Gelbe für jugendlichen Überschwang - und ein klarer Sieg ohne jedes Zittern. Tranmere-Coach, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen wollte, brachte es auf den Punkt: "Wir haben eigentlich ganz ordentlich verteidigt. Nur leider zu lange." So endet ein Pokalabend, der für die Gastgeber zum Albtraum und für Hulls Nachwuchs zur Reifeprüfung wurde. Die Tigers wirken wie eine Mannschaft, die noch viel vorhat - jung, bissig, technisch sauber. Bei Tranmere hingegen bleibt die Erkenntnis, dass man Spiele nicht allein mit Erfahrung gewinnt, wenn der Gegner doppelt so oft aufs Tor schießt und am Ende auch doppelt so laut jubelt. Und irgendwo auf der Tribüne summte ein Fan, halb resigniert, halb bewundernd: "Immerhin - wir haben sie fast 80 Minuten geärgert." Fast. 18.03.643987 00:00 |
Sprücheklopfer
Ich weiß nicht, ob wir mit der Variante 6A, 17C oder 2B spielen.
Rainer Bonhof zur möglichen Aufstellung gegen das damalige Jugoslawien bei der WM 98