Football Today
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Hull Tigers siegen dank jugendlicher Unbekümmertheit mit 2:1 gegen Crewe Alexandra

Es war einer dieser feuchtkalten englischen Abende, an denen man sich fragt, ob Fußballer eigentlich noch Blut in den Adern oder schon Tee in den Venen haben. 32.524 Zuschauer im KC Stadium trotzten Wind und Nieselregen, um zu sehen, wie die Hull Tigers am 17. Spieltag der 2. Liga England einen 2:1-Heimsieg gegen Crewe Alexandra einfuhren - ein Ergebnis, das nach einem Arbeitssieg klingt, aber nach 90 Minuten voller jugendlichem Übermut und alter englischer Tugenden schmeckte.

Die erste Halbzeit war ein zähes Ringen. Hull hatte leicht mehr Ballbesitz (51 zu 49 Prozent), aber das Spiel erinnerte bisweilen an Schach mit nassen Schuhen. Crewe stand tief, Trainer Urs Lustig hatte seine Elf defensiv eingestellt - "Wir wollten erstmal schauen, ob Hull überhaupt Lust auf Fußball hat", grinste er später. Hull-Trainer Mathias Oergel dagegen schickte seine Mannschaft gewohnt offensiv über die Flügel, doch die Angriffe blieben Stückwerk. Logan Lansbury prüfte Crewe-Keeper Liam Millington schon in der 4. Minute, Billy Chamberlain scheiterte in der 16. - das Publikum seufzte mehr als es jubelte.

Kurz vor der Pause dann der erste Aufreger: Innenverteidiger Isaac Lankford grätschte einmal zu beherzt und sah Gelb. "Ich hab nur den Ball getroffen - naja, den Ball und ein bisschen Bein", meinte er mit einem Lächeln, das Schiedsrichterin Harper sicher nicht teilte. Halbzeitstand: 0:0, und die Fans holten sich den dritten Kaffee.

Nach der Pause änderte sich das Bild. Die Tigers kamen wacher, bissiger und - man kann es ruhig sagen - mit jugendlicher Dreistigkeit zurück. In der 53. Minute schlug der 17-jährige Xabier Nene zu. Nach feinem Zuspiel von Lewis Payne zog er von links in den Strafraum, täuschte den Gegenspieler mit einem Körperdreh, den man sonst nur aus Videospielen kennt, und schoss flach ins rechte Eck - 1:0. Der Jubel hallte über die Tribünen, und Oergel brüllte: "Genau so wollte ich’s!", als hätte er es wirklich geplant.

Fünf Minuten später war für Nene Schluss - vorsorglich ausgewechselt, um das "Juwel" zu schonen, wie Oergel nachher erklärte. "Der Junge hat noch Mathearbeit am Montag", fügte er augenzwinkernd hinzu. Sein Ersatz, der 18-jährige Ewan Caviness, brachte frischen Wind, aber das zweite Tor fiel von ganz hinten: In der 74. Minute fasste sich Linksverteidiger Juan Goncalves ein Herz. Nach einem feinen Pass von Alexander Bancroft zog er einfach mal ab - und der Ball flatterte unhaltbar ins Netz. 2:0 für Hull, und auf der Tribüne sang man, als ginge es um den Aufstieg.

Crewe Alexandra jedoch zeigte Moral. Urs Lustig reagierte und brachte frische Offensivkräfte, unter anderem den 22-jährigen Robert Fryer für den blassen Dylan Musgrave. Und siehe da: In der 83. Minute gelang der Anschlusstreffer. Benjamin Bloomfield, erst 19, verwertete eine Vorlage von Gyula Weisz mit einem satten Schuss aus 18 Metern. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Bloomfield später. "Und diesmal ist er nicht auf dem Parkplatz gelandet."

Plötzlich wurde es hektisch. Crewe warf alles nach vorne, Hull wackelte. Noch zweimal kamen die Gäste gefährlich vors Tor - Bloomfield in der 88. Minute, Fryer kurz danach - doch Keeper Joel Eliot blieb Herr der Lage. "Ich hab einfach versucht, meine Hände warm zu halten", witzelte der 20-jährige Torwart später.

Nach 94 Minuten pfiff die Schiedsrichterin ab, und Hull Tigers durften jubeln. Der statistische Blick zeigt ein ausgeglichenes Spiel: 10:8 Torschüsse, fast identischer Ballbesitz, aber eben zwei Treffer für die Hausherren. Trainer Oergel fasste es trocken zusammen: "Wir haben nicht schön gespielt, aber schön gewonnen."

Sein Gegenüber Urs Lustig sah das ähnlich pragmatisch: "Wir haben’s versucht, aber Hull hatte heute einfach mehr Mut in den Beinen. Und Goncalves hat uns mit seinem Sonntagsschuss den Sonntag versaut."

Am Ende blieb der Eindruck eines Spiels, das weniger durch Taktik als durch Herz entschieden wurde - und durch zwei junge Wilde, die wohl noch häufiger für Schlagzeilen sorgen werden.

Oder, wie ein älterer Fan beim Rausgehen murmelte: "Wenn die so weitermachen, muss ich nächste Saison wieder Dauerkarte kaufen." Und das, liebe Leser, ist für Hull wohl das schönste Kompliment des Abends.

23.07.643987 08:28
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