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Manchmal schreibt der Fußball Geschichten, die so vorhersehbar sind, dass sie fast schon wieder poetisch wirken. Am 13. Spieltag der 2. Liga England besiegten die Hull Tigers im Auswärtsspiel Basingstoke Town mit 2:0 (1:0). 12.500 Zuschauer sahen ein Spiel, das statistisch knapp aussah - 54 Prozent Ballbesitz für Basingstoke! - aber auf dem Rasen eine klare Sprache sprach. Die Gäste schossen doppelt so oft aufs Tor (19:9) und wirkten dabei, als hätten sie die Gastgeber mit einer Mischung aus Geduld, Präzision und dem berühmten "Wir machen das eben so"-Selbstverständnis entwaffnet. Schon in den ersten Minuten setzten die Tigers Zeichen. Max Lujan, der später zum Mann des Abends werden sollte, prüfte in der 2. Minute den Heimkeeper Rolando Giordano - der parierte, sah dabei aber so aus, als wünsche er sich, jemand möge das Flutlicht dimmen. "Da wusste ich: Heute wird’s ein langer Abend", murmelte Giordano später mit einem gequälten Lächeln in die Mikrofone. Basingstoke stand tief, wie es Trainer Ron Go wohl geplant hatte: defensiv, konterorientiert, geduldig. Das Problem war nur, dass Hull keine Lust auf Geduld hatte. In der 26. Minute zappelte der Ball im Netz - Cesc Zapatero, der flinke linke Mittelfeldspieler, setzte sich nach Pass von Lewis Payne durch und schlenzte das Leder unhaltbar ins lange Eck. 0:1, und das völlig verdient. Trainer Mathias Oergel grinste danach breit: "Wir hatten eigentlich gar nicht geübt, aus der Distanz zu schießen. Aber Cesc hat halt nicht zugehört - zum Glück." Das Tor schien Basingstoke kurz aufzuwecken. Joel Maurer und Trifon Stoitschkow versuchten es mit Distanzschüssen (16. und 39. Minute), doch entweder stand der junge Hull-Keeper Joel Eliot im Weg oder der Ball flog in jene Himmelsrichtungen, in denen nur selten Tore fallen. "Wir wollten Tempo aufnehmen, aber Hull hat immer irgendwo ein Bein dazwischengehabt", erklärte Kapitän Christopher Schwarz nach dem Spiel - und fügte hinzu: "Es fühlte sich an, als hätten die elf Arme." Nach der Pause kam Hull etwas ruhiger aus der Kabine. Vielleicht lag es daran, dass Coach Oergel keine Veränderungen vornahm - "Ich wollte sehen, ob sie’s auch ohne mich hinkriegen", witzelte er später -, vielleicht auch daran, dass Basingstoke endlich mehr riskierte. Doch ausgerechnet in dieser Phase kassierten die Gastgeber die gelbe Karte: Innenverteidiger Urban Porvaldsson holte sich in der 52. Minute den Eintrag fürs Poesiealbum des Schiedsrichters ab, nachdem er Lujan an der Seitenlinie umarmt hatte - nur eben ohne Ball. Ab der 58. Minute wechselte Hull frische Kräfte ein. Joao Munoz machte Platz für den jungen Christopher Lujan, während Jürgen Petersen und Leo Warriner ebenfalls Feierabend hatten. Die neuen Kräfte brachten Stabilität, und der Druck auf Basingstoke nahm wieder zu. In der 75. Minute fiel dann die Entscheidung: Max Lujan, der zuvor schon gefühlt achtmal das Tor anvisiert hatte, traf endlich. Nach einem langen Ball von Innenverteidiger Joao Munoz lief Lujan allen davon, blieb cool und schob zum 0:2 ein. "Ich habe einfach die Augen zugemacht", grinste der 25-Jährige. "Als ich wieder hinsah, war der Ball drin - vielleicht sollte ich das öfter machen." Basingstoke versuchte danach, wenigstens den Ehrentreffer zu erzwingen. Trainer Ron Go schrie, fuchtelte, gestikulierte. "Wenn Leidenschaft Tore wäre, hätten wir 5:2 gewonnen", seufzte er später. Doch es half nichts: Hull spielte das Ergebnis souverän herunter, ließ kaum noch Chancen zu und präsentierte sich taktisch so abgeklärt, dass selbst ein italienischer Catenaccio-Meister anerkennend genickt hätte. Statistisch betrachtet war’s ein kurioses Spiel: Mehr Ballbesitz für Basingstoke, aber weniger Durchschlagskraft. Mehr Herzblut, aber weniger Präzision. Und am Ende standen da zwei Tore von Hull und null Gründe, an deren Sieg zu zweifeln. "Wir haben heute gezeigt, dass Fußball manchmal einfach ist", bilanzierte Oergel trocken. "Ball ins Tor, Gegner am Jubeln hindern. Fertig." Für Basingstoke bleibt die Erkenntnis, dass man Spiele nicht mit Statistikbögen gewinnt, sondern mit Toren - und dass Ron Go diese Woche vermutlich ein paar Extraeinheiten Torschuss ansetzen wird. "Vielleicht schießen wir dann wenigstens im Training mal eins", witzelte Joel Maurer beim Rausgehen. Ein Abend, der für Hull drei Punkte bringt und für Basingstoke eine bittere Lektion: Wer zu lange verteidigt, riskiert, dass der Gegner irgendwann keine Lust mehr hat, höflich zu bleiben. 07.06.643987 00:39 |
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